Abgewehrt! Übersicht Zeckenprophylaxe

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ÜBERSICHT ZECKENPROPHYLAXE
Damit eine Zecke sich erst gar nicht am Hund festsaugen kann, ist ein zuverlässiger Schutz nötig. Welche Möglichkeiten es gibt und wie diese wirken, zeigt Adina Lietz.

Zeckenprophylaxe
Fotos: Virbac, Thomas Fuchs (2)

Einfachster Schutz: Absammeln
Vorbeugende Abwehr und schnelles Absammeln oder Entfernen der Zecken sind die besten Vorsorgemaßnahmen gegen eine Krankheitsübertragung, rät die Bundestierärztekammer. Aber leider besitzt nicht jeder Vierläufer ein Fell, bei dem der Hundehalter eine Chance hat, die Plagegeister frühzeitig zu entdecken.

Zecken finden:
Die Blutsauger suchen auf ihrem Wirt bis zu zwei Stunden lang nach einer geeigneten dünnhäutigen Körperstelle (Innenseite der Schenkel, Kopf, Ohren, Zwischen- zehenbereich, Afterregion oder Unterbauch), um sich dort festzusaugen.

Gerade an dünnhäutigen Hautstellen des Hundes wie am Bauch saugen sich Zecken bevorzugt fest.

Ergebnis:
Das Absammeln der Zecke stellt nur in Kombination mit einem abschreckenden Präparat einen wirksamen Schutz dar. Letztlich muss aber jeder Halter für sich und seinen Hund entscheiden, welche Maßnahme die passendste und effektivste ist.

Spot-On-Präparate
Spot-On-Präparate werden dem Hund als Flüssigkeit aus einer kleinen Ampulle auf die Haut geträufelt. Binnen 24 Stunden verteilen sie sich über die gesamte Hautoberfläche. Der fettlösliche Wirkstoff wird in den Talgdrüsen gespeichert und in den nächsten zwei bis vier Wochen mit dem Talg ins Fell und auf die Haut abgegeben.
Wirkungsweise:
Spot-On-Präparate sind sogenannte Repellentien. Das bedeutet, dass die Zecke schon beim Kontakt mit dem Hund vergrämt wird. Für andere Säugetiere
und den Menschen ist es ebenfalls leicht giftig.
Vorteil:
Es wird verhindert, dass sich der Parasit überhaupt festsaugt. Sollte es doch dazu kommen, sterben die Zecken bei Kontakt mit dem Wirkstoff in kurzer Zeit ab.
Richtige Anwendung: Ausreichend große Menge für das Gewicht und die Körpergröße des Tieres wählen. Bei kleinen Hunden bis zehn Kilogramm Körpergewicht wird die Flüssigkeit im Nacken aufgetragen, bei größeren zusätzlich über der Schwanzwurzel oder entlang der Rückenlinie. Fell scheiteln!
Die Flüssigkeit sollte möglichst nur die Haut berühren, nicht die Haare.
Nach dem Auftragen ist 48 Stunden lang Wasserarbeit tabu. Kinder sollten den frisch behandelten Hund 24 Stunden lang nicht streicheln. Werden mehrere Hunde zusammen gehalten, besteht Gefahr, dass sie sich das leicht giftige Mittel gegenseitig ablecken.

Anti-Zecken-Tablette
Seit einem Jahr gibt es eine Kautablette, die Hunde vor Zecken schützt. Sie ist ein sogenanntes systemisches Insektizid und Akarizid, dass die Zecke nach dem Stich abtötet. Die Wirkungsdauer wird mit zwei bis drei Monaten angegeben. Der Inhaltsstoff wirkt von innen im Unterhautfettgewebe. So kommt der Mensch auch beim Streicheln des Hundes nicht damit in Berührung, ebenso können es andere Hunde nicht ablecken.
Wirkungsweise: Tötet die Zecke, nachdem sie das Blut des Hundes aufgenommen hat. Die Wirkung beginnt innerhalb von zwölf Stunden nach Anhaften des Parasiten.
Richtige Anwendung: Das verschreibungspflichtige Arzneimittel ist für Hunde ab acht Wochen mit mindestens zwei Kilogramm Körpergewicht zugelassen. Die Kautablette wird dem Hund einfach mit dem Futter verabreicht.
Achtung:
Nicht öfter als alle acht Wochen eingeben. Bei dauerhafter Einnahme kann das Medi- kament die Leber des Hundes belasten und schädigen.

Neu auf dem Markt: Kautabletten gegen Zecken. Sie wirken erst, wenn die Zecke bereits gestochen hat. Fotos: Hersteller (3), Tanja Stolzefuß (1)

Anti-Zecken-Halsband
Zeckenschutz-Halsbänder wirken ähnlich wie Spot-On-Präparate und zählen daher ebenfalls zu den Repellentien. Im Unterschied zu Spot-On-Präparaten hält der Schutz durch die Halsungen über Wochen und Monate hinweg, teilweise sogar die gesamte Zeckensaison hindurch. Die Wirkstoffe werden nach dem Anlegen kontinuierlich an Haut und Haare abgegeben, sodass sie sich über die gesamte Körperoberfläche verteilen.
Richtige Anwendung:
Halsband so anpassen, dass zwei Finger zwischen ihm und den Hundehals passen. Einmal wöchentlich den Sitz kontrollieren.

Aufsprüh-Schutz
Ist nur ein kurzfristiger Zeckenschutz für ein paar Stunden gewünscht, können Anti-Zecken-Sprays hilfreich sein.
Wirkungsweise:
Anti-Zecken-Sprays wirken repellent. Der Wirkstoff führt dazu, dass Insekten und Zecken ihre poten- ziellen Opfer nicht wahrnehmen oder abgeschreckt werden.
Richtige Anwendung:
Der gesamte Hund muss sorgfältig eingesprüht werden, auch das Gesicht, wobei der Sprühnebel nicht in die Augen kommen darf. Hohe Luftfeuchtigkeit, hohe Temperaturen und Schwimmen beeinträchtigen die Wirksamkeit. Eventuell muss nach ein paar Stunden nachgesprüht werden.

Eingeschränkter Schutz: Borreliose-Impfung
Nicht gegen die Zecken selbst, sondern nur gegen die von ihnen übertragenen Borrelien soll die Borreliose-Impfung für Hunde wirken. Aber die Ständige Impfkommission des Bundesverbands Praktizierender Tierärzte warnt: „Eine ausreichend schützende Immunität ist für die zurzeit erhältlichen Impfstoffe nicht zu erwarten. Eine optimale Zeckenprophylaxe ist unerlässlich.“ Im Klartext: Eine Impfung alleine nützt leider nichts. Zudem hilft sie nicht gegen andere Krankheitserreger, die Zecken übertragen.
Wirkungsweise: Wird ein geimpfter Hund von einer mit Borrelien infizierten Zecke gestochen, gelangen die Antikörper während des Saugens vom Hund in die Zecke. Dort machen sie die Borrelien unschädlich, bevor sie in das Wirtstier eindringen.
Richtige Anwendung: Injektion durch den Tierarzt nach eingehender Beratung: Nicht für jeden Hund ist eine Borreliose-Impfung sinnvoll, außerdem ist der Zeitpunkt der Impfung wichtig.

Werden mehrere Hunde zusammen gehalten, sollte auf Spot-on- Präparate verzichtet werden. Foto: Tanja Brandt