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Abzugsgedanken

  • Kategorie Aktuelles, Jagdpraxis / Brauchtum
  • Datum 6. Juli 2018
  • Kommentare 0 comment
Abzugsgedanken

Vor, während und nach dem Schuss

Vom Betätigen des Abzugs bis zum Verenden des beschossenen Stückes vergeht im Idealfall der Bruchteil einer Sekunde. Leider klappt das nicht immer so perfekt. Umso durchdachter muss der Schuss abgegeben werden.

Abzugsgedanken
Foto: Bildagentur Schilling

Peter Diekmann

Ob Kapitalhirsch, Bock, Fuchs oder Kitz: Die individuelle Anspannung beim Büchsenschuss ist recht unterschiedlich. Bei manchem Jäger steigt sie mit der Qualität einer Trophäe, bei anderen mit der Zeit, die man im Anschlag liegt, bei wieder anderen ist der Schuss reine Routine, Anspannung ein Fremdwort.
In jedem Fall ist der Schuss aber mit einer hohen Verantwortung verbunden: Wir Jäger schießen auf Lebewesen mit der Absicht, sie ohne Qualen zu töten. Der Finger muss deshalb beim geringsten Zweifel, nicht sauber zu treffen, gerade bleiben.
Ob Schusshärte oder eine Kugel, die aus unerklärlichen Gründen nicht dort sitzt, wo sie sitzen soll – selbst bei routinierten Schützen und sicherem Abkommen geschieht es: Das beschossene Stück liegt nicht am Anschuss. Um Qualen des Wildes auszuschließen, muss deshalb einiges beachtet werden.

Vor dem Schuss
Bevor der Entschluss gefasst wird, ein Stück Wild zu erlegen, muss es sauber angesprochen werden. Das Schlimmste, was passieren
kann, ist ein führendes Stück zu strecken. Deshalb ist Schusshitzigkeit fehl am Platz! Erst wenn der Jäger absolut sicher ist, dass es sich um ein nicht führendes und freigegebenes Stück in der Jagdzeit handelt, darf zum Gewehr gegriffen werden.
Hat man sich entschieden zu schießen, ist beim Einzelansitz eine sichere Auflage Pflicht. Mit Schießgestellen ist eine nahezu perfekte Auflage möglich. Da sie auf Ansitzen aber nicht zu handhaben sind, werden sie nur auf dem Schießstand eingesetzt.
Doch es gibt andere Möglichkeiten, für eine stabile Auflage zu sorgen. Der Vorderschaft der Waffe sollte auf einem weichen, aber nicht zu weichen Untergrund (Filz, Gewehrriemen, Sandsäckchen etc.) aufgelegt werden. Niemals fehlen sollte eine Ellenbogenauflage (Hochsitzwand, aufgelegte Dachlatte).
Das Fehlen solch einer Auflage wirkt sich selbst auf kurze Entfernung mit Unsicherheit, schlimmstenfalls mit Mucken aus. Durch angewinkelte Beine/Knie kann ebenfalls eine solide Abstützung geschaffen werden. Perfekt ist sie in der Regel dann, wenn das Absehen auf einem Haltepunkt richtiggehend erstarrt. Tipp: Trockenübungen zu Haus und auf dem Schießstand.
Kugelfang und hindernisfreie Flugbahn: Nur wenn man sich über beides vergewissert hat, darf abgedrückt werden. Außerdem muss das Stück breitstehen. Doch Vorsicht: Es steht oft viel spitzer als man denkt, gerade in der Dämmerung.
Haupt und Träger sollten nach Möglichkeit erhoben sein. Äst das Stück nämlich im Moment der Schussabgabe, ist es möglich, dass sich die Decke oder Schwarte beim Heben des Hauptes über den Ausschuss schiebt. Die Folge: Während der Flucht mit erhobenem Haupt gibt es keinen oder nur wenig Schweiß.
Eine Sache sollte man sich vor dem Schuss noch einprägen: die Stelle, an der das Wild während des Schusses steht. Am besten geht das im Wald, wo man sich anhand von Bäumen, Sträuchern, Baumstubben oder Geländekanten orientieren kann.
Auf einer Wiese oder größeren Freifläche wird die Sache schon schwieriger. Dort hilft die Vegetation im Hintergrund, sich die Anschussstelle zu merken. Selbst wenn zwei Baumwipfel 500 Meter entfernt sind: Steht ein Stück aus der Perspektive des Hochsitzes zwischen diesen Bäumen und kann man die Entfernung zum Wild etwa einschätzen (Tipp: Entfernungsmesser), hilft das schon enorm.
Feuer frei nach Abwägung all dieser Kriterien! Mit etwas Routine funktioniert das innerhalb kürzester Zeit.

Ordentlich verbrochener Anschuss: Der Schweißhundführer weiß das zu schätzen Foto: Frank Rakow

Während und nach dem Schuss
Liegt der Finger am Abzug, heißt es Ruhe bewahren: tief einatmen, ausatmen, Schaft in die Schulter ziehen, Druck erhöhen und vom Schuss überraschen lassen.
Im Idealfall hat das Stück den vielzitierten „Schuss nicht mehr gehört“ und liegt am Anschuss. Oft genug legt es aber eine Fluchtstrecke zurück. Um bei einem
Ordentlich verbrochener Anschuss: Der Schweißhundführer weiß das zu schätzen
eventuell notwendigen Fangschuss schnell reagieren zu können, muss das fixe Repetieren bzw. Nachladen der Waffe sofort geschehen. Auch wenn das Wild bewegungslos am Anschuss liegt, bleibt der Schütze danach mit nachgeladener, entsicherter und gespannter Waffe im Anschlag.
Sollte es gekrellt sein, kann es blitzschnell wieder hochwerden und verschwinden. In dem Fall ist der rasche zweite Schuss die einzige Chance. Bei krank abgehendem Wild soll so lange gefeuert werden wie möglich. Wenn der Sitz der Kugel eindeutig im Kammerbereich zu erkennen ist, er- übrigen sich solche Schüsse.
Im schlimmsten Fall kann es selbst unter Einhaltung all dieser
Kriterien zur unerklärlichen Flucht eines Stück Schalenwildes kommen. In solch einer Situation gilt es, einen klaren Kopf zu bewahren. Wichtig ist, dass man sich das Verhalten des Stückes während und nach dem Schuss ebenso einprägt, wie die Stelle des Anschusses, die Fluchtrichtung und den eventuellen Einwechsel. Diese Informationen sind für Nachsuchenführer Gold wert.
Wenn man nicht weiß, ob das Stück liegt, muss der Anschuss verbrochen werden. Er kann mit einem aufgespießten Taschentuch, einem Stein, einem Fichtenzweig oder Ähnlichem markiert werden.

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