Alles für den Dackel, alles für den Club

891
Fotos: Hannes-Friedrich Böse

125 Millionen Zellen bei der Arbeit, 300 Mal pro Minute Ein- und Ausatmen, ein Dackel folgt seinem Sinn…

Alles für den Dackel, alles für den Club – das bringen viele durch die Kultserie „Hausmeister Krause“ mit einem Dackel oder im jagdlichen Bereich dem ehrfürchtigem Teckel in Verbindung… Dabei steckt hinter diesem Lebewesen eine ganze Menge Erfahrung, Passion und auch Können im Bereich des Aufstöberns und auch Nachsuchen von Wild…

Für den gewöhnlichen Hundehalter gewinnt der Teckel an immer mehr Attraktivität viele Hundebesitzer erfreuen sich an den Eigenschaften des kleinen Dickkopfes und der eigenen Art mit den täglichen Herausforderungen umzugehen. Dabei setzt der Dackel gerne auf eigene Strategien und weiss vieles besser als sein Herrchen, was er auch durch sein gelegentliches Ungehorsam beweist, gerne bringt er dabei Menschen auch mal zur Weissglut und strapaziert die Geduldsfäden aufs äußerste. Doch all das tut er nicht einfach so, denn ein Teckel weiss wie der Hase läuft… Schon seit dem Mittelalter wird er zur Jagd geführt, Priorität hatte dabei die Baujagd bei der er vorrangig „unter Tage“ gejagt hat und auch dies heute noch tut um Reinecke nachzugehen. Dort ist doch auch keine Herrchen in der Nähe, welches dem Teckel sagen kann, was er in Raubwilds zu Hause tun muss um diesen aus seiner Komfortzone zu katapultieren, auch bei der Stöberjagd ist ein Teckel beim Aufsuchen des Wildes auf sich gestellt, schlussfolgernd eignet er sich also eine eigene Vorgehensweise auch im Alltag an.

Dackel
Dackel am Anschuss

Bodennah durch kurze Läufe, voller Lebenserfahrung und mit überdurchschnittlichem Selbstbewusstsein streift der Teckel also durchs Leben. Dabei liefert er uns Jägern einen erheblichen Mehrwert bei der Jagdausübung. Mein Teckel Lina wird hauptsächlich fürs Aufstöbern und Nachsuchen des Wildes eingesetzt, der Baujagd halte ich mich grundlegend fern. Bedingt durch ihre Anatomie, kann sie schlecht von ihren jadlichen Erlebnissen berichten, daher hoffe ich im folgenden Artikel bestmöglich und stellvertretend über das Verfahren bei einer Nachsuche zu berichten.

Jeder kennt das Gefühl nach dem Schuss. Wo und wie bin ich abgekommen? Wie hat das Stück gezeichnet, in welche Richtung ist es gezogen? War dort ein Schlägeln? Ist es weiter gezogen? Sekunden nach dem Schuss entscheiden über das Entstehen unseres Bauchgefühls und die einzuhaltenden fünf Minuten vom Schuss bis zur Begutachtung des Anschusses können manchmal wie Stunden wirken. Der Anschuss wird ausgemacht, gegebenenfalls wird Schweiss gefunden und untersucht aus welchen Organ dieser stammen könnte, dazu befindet sich das Stück nicht in Sichtentfernung. Was nun? Der Schweissfährte folgen oder den Hund einsetzen? Jeder von uns kennt diese Momente der Entscheidungsfindung und weiss wie schwer diese gerade beim Schwarzwild sein kann… Ist hier ein Begleiter für Nachsuchen griffbereit, fällt diese jedoch meist einfach und er kommt zum Einsatz.

Ansetzten am Anschuss

Nach Kontrolle des Anschusses und bestmöglicher Einschätzung der Situation kommt der Teckel nun also zum Einsatz. Schon beim Anlegen der Schweisshalsung heisst es für mich „ruhe bewahren“, die eigene Nervosität überträgt sich andernfalls 1:1 auf den Hund. Ob durch hastige Bewegungen oder die Stimmlage, der Teckel spürt die Stimmung. Hinzu kommt auch noch, dass er unseren „Angstschweiß“ oder auch das freigesetzte Adrenalin mit seinem ausgeprägtem Geruchssinn sofort spitz bekommt. Ruhig und bedacht wird der Hund also am Anschuss angesetzt und mit dem Schweissriemen geführt, schon nach dem Anlegen dieses Riemens, wird meinem Hund bewusst, dass es zur Nachsuche geht.

Der Fährt folgen

Mittlerweile habe ich vollstes Vertrauen in meinen mittlerweile 4-jährigen Begleiter und folge ihrer Spur meist ohne jeglichen Eingriff. Immer wieder strahle ich dabei Ruhe aus und vermittle ihr mit den Worten „Such Verwund“, dass wir weitersuchen müssen um das Stück zu finden – sie weiss, dass am Stück eine Belohnung auf sie wartet, aber auch freut sie sich auf die Beute. Durch den angewölften und kontinuierlich trainierten Ehrgeiz, bleibt sie dabei Fährtentreu und folgt vollkommen ihrem Geruchssinn. Hunde arbeiten hier durch ihre anatomische Bewandtnis hauptsächlich mit der Nase, wir Menschen haben einen deutlich besseren Sinn im visuellen Bereich und nutzen unsere Fähigkeiten um den Hund gegebenenfalls zu korrigieren.

Ob Schweiss oder kein Schweiss, hier spielt die „Temperatur“ der Fährte eine entscheidende Rolle. Je schneller die Fährte nach dem Schuss ausgearbeitet wird, desto sicherer verläuft die Fährtensuche, auch wenn für einen gewissen Zeitraum kein Schweiß zu finden ist. In jedem Fall heisst es für Hund und Führer immer volle Konzentration bei der Ausarbeitung.

Autor mit Dackel

Auffinden des Stückes

Hie ist die Freude nun für Führer und Hund groß und Erleichterung macht sich breit. Grundsatz bei der Jagd ist für mich, das Stück ohne jegliche Leiden zu strecken. Umso großer ist natürlich die Freude das Stück schnellstmöglich gefunden zu haben und durch die Länge der Wundfährte festzustellen, wie lange dies noch gelebt hat, bevor es verendet ist. Getreu dem Motto: „Jagd ohne Hund ist Schund“. Meist lässt sie nach dem Auffinden des Stückes ausser mir nicht viele Andere Gesellen an das Stück – sie hat es gefunden, also gehört es ihr auch…

Anstrengung für den Hund

Auch wenn es nicht danach aussieht, ist die Nachsuche für den Hund mit hohen Anstrengungen verbunden. Bewegungsapperate werden voll benötigt, Adrenalin wird ausgestoßen und die Aktivität der Nase wird stark gefordert, nach der Schweissarbeit benötigt der Hund Ruhe und eine Menge Wasser.

Wie kommt es zur Jagd?

Ihr glaubt der Jäger sei ein Sünder, weil er selten zur Kirche geht. Im grünen Wald, ein Blick zum Himmel, ist besser als ein falsch Gebet (Zitat, Verfasser unbekannt)
Die Jagd als Lebenseinstellung, nicht als Hobby. Schon vorherige Generationen innerhalb der Familie sind der Passion zur Jagd intensiv gefolgt und die Einstellung hat sich auf mich vollkommen übertragen. Nicht das Schiessen und auch nicht die Beute sind das Ziel, das gesamte drum herum erfüllt mich als Jäger. Hege und Pflege, Verpflichtung gegenüber dem Wild und der Natur, aber auch der Gesellschaft sind für mich grundlegend bei der Jagdausübung.

Die Neugier und der Hunger nach Wissen, anderen Kulturen und weitern Wildarten haben mich mittlerweile in Länder wie Neuseeland, Namibia, Schweden, Lettland, Rumänien und England gezogen um dort dem heimischen Wild nachzugehen. Nicht nur der jagdliche Erfolg stand in diesen Ländern im Vordergrund, vor Allem die Schärfung des Weitblickes gegenüber den Wildtieren war maßgeblich entscheidend für den Antritt der Reisen…

Viel Erfolg und Waidmannsheil,

Hannes-Friedrich Böse