Apportel mit Pfiff

1779

Wie man einfache Apportel mit wenigen Handgriffen zu attraktiven Ausbildungshilfen aufwertet zeigen Revierjagdmeister SASCHA SCHMITT und seine vierläufigen Tester.

Apportel mit Pfiff
FOTOS: SASCHA SCHMITT

Dummytraining oder Apportierübungen sind eine gute Möglichkeit, den Jagdhund auch während der Sommermonate gut auszulasten. Kritiker stellen aber die berechtigte Frage, ob ein Training mit reinen Kunststoffdummies wirklich zielführend für die jagdliche Praxis ist. Dabei muss zunächst zwischen Dummies und Apporteln unterschieden werden. Erfahrungsgemäß haben sich schlichte zylindrische Dummies für die ersten Schritte der Apport-Dressur als ungeeignet erweisen. Durch sie kann sich der Hund sehr schnell einen inkorrekten Griff aneignen. Um später erlegtes Niederwild sauber und sicher zutragen
zu können, muss der Vierläufer sich von Beginn an daran gewöhnen, den Bringgegenstand oder das Stück Wild mittig zu fassen. Für die ersten Übungseinheiten empfiehlt sich deshalb das herkömmliche Apportierholz mit Mittelsteg und zwei seitlich angebrachten
Holzklötzen, wie es auch im Hundesport verwendet wird. In jedem gut sortierten Tierbedarfshandel sind solche Apportierböcke in verschiedenen Größen für kleines Geld zu erstehen. Durch die Bauweise ist der Hund gezwungen, das Holz am Mittelsteg zu fassen, weil er die sperrigen Seitenklötze nicht packen und dauerhaft halten kann. Beim Dummy kann der Vierläufer hingegen zufassen, wo er möchte und muss dann wieder im Griff korrigiert werden. Die Folge: Der Hund kann dadurch irritiert und im Lernen gehemmt werden. Der Nachteil des Apportierholzes ist aber, dass der Hund das blanke, glatte Holz nur ungern greift und hält. Gerade in der Zwangsphase der Dressur kann es zudem geschehen, dass er unbedarft und zu schnell danach greift und sich die Lefzen zwischen Kiefer und Bringgegenstand quetscht. Deshalb sollte der Mittelsteg gepolstert werden, um dem Hund das Arbeiten angenehmer zu gestalten. Dazu eignet sich ein neues, vorher ausgewaschenes Fensterleder, das um den Mittelsteg des Appportels gewickelt und vernäht wird (siehe Bilderserie rechts). Ein weiterer Vorteil des Wisch tuches ist, dass es auch den Speichel des Hundes aufnimmt. Gerade bei warmer Witterung kann dadurch vermieden werden, dass das Apportierholz glitschig wird.

Trockenwild-Kaninchen im Einsatz: Die steife Form zwingt den Hund nicht unbedingt dazu, das Wild – wie im Bild – mittig zu fassen. Foto: Sascha Schmitt

Das so vorbereitete, vom Geruch und der Haptik her vollkommen neutrale Apportel eignet sich besonders für die ersten Schritte in der Apportierausbildung, bei der noch Zwang angewendet wird. Schließlich darf der Vierläufer keineswegs den Zwang in Verbindung mit Wildwittrung, Federn oder Haar bringen. Erst, wenn alle Übungen mit dem neutralen Gegenstand reibungslos über einen längeren Zeitraum verlaufen, sollte der Hund schrittweise an das Bringen von Haar- und Federwild gewöhnt werden. Um Schlepp- und Apportierwild zu sparen, und um den Hund an Haare und Federn in seinem Fang zu gewöhnen, empfiehlt es sich, auf Haar- und Federwildapportel zurückzugreifen. Diese kann man sehr einfach selbst herstellen. An Haarwild eignet sich dazu insbesondere der Kaninchen- oder Fuchsbalg, der zum Trocknen mit der Hautseite nach oben auf ein Brett gespannt wird. Je nach Witterung dauert der Trocknungsprozess zwei bis drei Tage. Anschließend kann ein enstprechender Streifen genauso wie beim zuvor beschriebenen Fensterleder auf dem Bringholz befestigt werden. Einen chemisch gegerbten Balg zu verwenden, ist nicht ratsam, weil ihm kaum noch Wildwittrung anhaftet. Rehdecken – insbesondere im Sommerhaar – eignen sich überhaupt nicht. Erstens, weil der Hund später kein Rehwild apportieren soll, und zweitens, weil insbesondere die Sommerdecke sehr glatt ist und dem noch zaghaften Vierläufer leicht aus dem Fang rutscht. Damit der angenähte Balg möglichst lange hält, sollte er nach jeder Arbeit ausreichend getrocknet werden.

So kommt der „Balg“ aufs Holz
1. Ein Streifen des Fensterleders oder Balges (zur besseren Darstellung hier mit Fensterleder) wird in der Breite des Mittelsteges zugeschnitten.
2. Dieser wird straff um den Klotz gewickelt. So lange wickeln, bis sich ein ausreichend dickes Polster gebildet hat. Die Wicklung muss sehr straff erfolgen, damit das Material bei der Dressur nicht verrutscht.
3. Das Endstück wird mit dem Polster vernäht. Dazu eignet sich eine stabile Nähnadel und herkömmliches Sterngarn. Achtung: Kleben oder Festtackern sollte unterbleiben, um Vergiftungen oder Verletzungen des Hundes zu vermeiden.
4. In die Holzklötze können zusätzlich Löcher (Durchmesser: 1 cm, Tiefe: 2 cm) gebohrt und mit einem Stück Schwamm ausgestopft werden
5, um künstliche Geruchsstoffe (Bezug im Fachhandel) aufzutragen.

Ähnlich einfach ist das Herstellen eines Federwildapportels. Hierzu eignen sich besonders die Schwingen von Stockenten. Sie vertragen Feuchtigkeit und somit den Einsatz bei der Wasserarbeit sehr gut. Fasanen- oder Taubenschwingen hingegen verlieren viel zu schnell ihre Federn. Die Schwingen werden dazu direkt am Wildkörper mit einer Rosenschere abgetrennt, am Apportel angebracht und ebenfalls miteinander vernäht. Um eine gleichmäßige Dicke zu erreichen, werden die Schwingen wechelseitig befestigt. Das heißt, dass ein Flügel am Apportierbock nach links und der andere nach rechts zeigt. Danach wird der Apportiergegenstand in die Sonne gelegt und trocknen gelassen. Dummies können ebenfalls in der beschriebenen Art und Weise bearbeitet werden. Sie eignen sich insbesondere für die Wasserarbeit. Mit Entenschwingen aufgewertet, lassen sie sich hervorragend für das Verlorenbringen aus tiefem Schilfgewässer verwenden. Durch den Einsatz der Haar- und Federwildapportel und -dummies lässt sich nicht nur viel Wild einsparen. Vor allem vermeidet man damit gerade in der warmen Jahreszeit auch die Entwicklung von unappetitlichen Madenzuchten und schlechten Gerüchen im Fahrzeug. Allerdings verlieren auch der getrocknete Kaninbalg oder die Entenschwinge mit der Zeit einen Großteil ihres arteigenen Geruchs. Um dem Vierläufer das nasenmäßige Erfassen des Gegenstandes zu erleichtern, kann die Wittrung des Apportels leicht wieder aufgebessert werden. Die einfachse Variante ist, den Bringgegenstand über Nacht mit einem frischen Stück Wild in einer verschlossenen Plastiktüte aufzubewahren. Balg oder Schwingen nehmen so wieder ausreichend Wildwittrung auf und sind wieder für mehrere Übungseinheiten einsatzfähig. Speziell für die Hundearbeit bietet der Fachhandel verschiedene Tinkturen mit Wildwittrung an. Gerade bei der Wasserarbeit und dem Fuchsapport ließen sich damit durchaus gute Erfahrungen sammeln. Auffällig ist jedoch, dass manche Vierläufer es nicht mögen, wenn der Duftstoff direkt auf den Mittelsteg beziehungsweise auf Balg oder Federn gestrichen wird. Mit großer Wahrscheinlichkeit wirkt der konzentrierte Geruch oder der Geschmack des Mittels unangenehm auf den Hund. Aus diesem Grund empfiehlt es sich, jeweils ein Loch in die seitlichen Holzklötze zu bohren. Diese Löcher werden dann mit einem Stück Putzschwamm gefüllt, das dann mit der Wildwittrung geimpft wird. Dadurch wird vermieden, dass direkter Kontakt zwischen Hundefang und Duftstoff entsteht.

Fasanendummy von Kettner Gewicht: zirka 500 g, Federkleid auf natürli- chem Weg getrocknet und gesalzen. Im Test erwies sich der Bausatz allerdings als nicht sehr robust.
Trockenwild Gefriergetrocknetes Schleppwild. Kanin, Ente und Fasan stets vorrätig, auf Anfrage auch Hase oder Fuchs. Preis: 15 Euro pro Stück (Kanin, Ente, Fasan). Bezug: Manfred Lübbehüsen, Fladderlohhausen 34, 49451 Holdorf, E-Mail: info trockenwild.de, Internet: www.trockenwild.de
Fuchsdummy Der wuchtige „Bentley“ unter den Dummies. Preis: 90 Euro, Größe und Gewicht variieren zwischen 3 und 4,5 kg. Alternativ wird auch ein Marderdummy angeboten (Preis: 40 Euro). Bezug: www. pro-jagdhund.de, E-Mail: kontakt$pro-jagdhund.de

Wer nicht selbst basteln möchte, kann auf fertige Apportiergegenstände und Dummies zurückgreifen. Der Fachhandel bietet hierzu eine große Auswahl der unterschiedlichsten Modelle. Sieben dieser Apportiergegenstände wurden genauer unter die Lupe genommen. Getestet wurden dabei die Verarbeitung, ihre Praxistauglichkeit und das jeweilige Preis-/Leistungsverhältnis. So bietet beispielsweise die Firma Kettner ein neues Fasanenapportel 1 an, bei dem ein 500 Gramm schweres Standard- Dummy mit einem kompletten Federkleid eines Fasanenhahnes umhüllt wird. Das Federkleid ist auf natürliche Weise getrocknet und gesalzen. Laut Hersteller wurden demnach keine Chemikalien verwendet. Ausgeliefert wird das Apportel allerdings im zerlegten Zustand und muss selbst zusammengebaut werden. Hierzu sind extra zwei Kabelbinder im Lieferumfang enthalten. Bereits beim vorsichtigen Zusammenbauen verlor der Fasan schon erste Federn. Beim Schleppenlegen hinterließ der Fasan eine deutlich sichtbare Federspur. Nach insgesamt zwanzig Einsätzen war das Federkleid völlig ruiniert. Alles in allem lässt sich dieses Dummy zwar sehr gut für die ersten Arbeiten auf der Federwildschleppe verwenden. Allerdings wäre es überlegenswert, ein solches Dummy aus einer Ente zu fertigen, da Entenfedern in der Regel widerstandsfähiger sind. Der Preis von knapp 30 Euro ist im Vergleich mit echtem Schleppwild dennoch recht günstig, wenn man mit mindestens 15 Stücken zu je etwa 7 Euro pro auszubildenden Hund kalkuliert. Hinzu kommt ebenso, dass man sich bei diesem Apportel das Einfrieren sowie unangenehme Gerüche spart. Eine weitere Alternative zu echtem Schleppwild stellt gefriergetrocknetes (Ente, Fasan und Kaninchen) von Manfred Lübbehüsen (www.trocken- wild.de) 2 dar. Bei einem Stückpreis von 15 Euro eine wirklich kostengünstige Variante. Pro Hund empfiehlt der Hersteller zwei Stücke. Im Test erwiesen sich Ente und Kanin auch nach knapp zwanzig Einsätzen in nassen Wiesen und im Wasser noch als haltbar. Ebenso stellten sich keine unangenehmen Gerüche ein. Naturgemäß ließ aber auch hier der Fasan etwas mehr Federn. Wenn es um die reine Schleppenarbeit geht, bietet das Trockenwild eine durchdachte, praxisnahe und preisgünstige Alternative. Ein kleiner Nachteil: Der Hund lernt an dem steifen Wildkörper nicht die Pendelbewegungen echten Wildes kennen und wird dadurch nicht gezwungen, das Wild mittig zu packen. Weitaus wichtiger ist dieser Umstand bei der Ausbildung zum Fuchsapport. Auch hierzu werden derzeit spezielle Fuchsapportel angeboten. So zum Beispiel das Modell „Fuchsdummy“ 3. Auf den ersten Blick erscheint dieser rund vier Kilogramm schwere naturgegerbte „Bentley“ unter den Dummies. Nicht zuletzt aufgrund des relativ hohen Preises von 90 Euro. Die Verarbeitung dieses Modells ist insgesamt sehr gut. Würfe überstand das Apportel ohne aufzuplatzen. Allerdings sei davor gewarnt, die Attrappe an der Lunte zu werfen, da diese sehr schnell abreißt. Eine stärkere Verbindung an der Luntenwurzel wäre demnach sinnvoll. In der Praxis zeigte sich der Übungsfuchs aufgrund seiner Walzenform recht wuchtig. Kleine Münsterländer oder Wachtelhunde haben dabei schon Schwierigkeiten, das Apportel sicher in den Fang zu nehmen. Ein größerer Vorstehhund kommt damit aber relativ gut zurecht. Ein Nachteil ist allerdings, dass der Apportierbalg recht steif ist und so die hinderlichen Pendelbewegungen eines echten Fuchses nicht simuliert werden. Sehr gut ahmt dies das Fuchsdummy des Herstellers Mystique 4 nach. Dieser Apportiersack mit drei abgenähten Segmenten und einem Gewicht von fünf Kilogramm ist mit einem Durchmesser von maximal zehn Zentimetern auch sehr gut von kleineren Vorstehhunden zu greifen. Seine recht schlaffe Form zwingt den Hund zum Griff in der Mitte und hindert ihn am Schütteln seiner Beute. Das weiche, fellüberzogene Mittelstück schont die Zähne und verhindert gleichzeitig unerwünschtes Knautschen. Sehr gut lassen sich Duftkonzentrate auf die Seitenteile träufeln. Das Dummy ist aufgrund seines robusten Polyamidgewebes in der rauen Übungspraxis nahezu unverwüstlich. Sinnvoll wäre es allerdings, wenn die einzelnen Kammern mit einem Reißverschluss versehen wären, um das Gewicht des Apportels mittels Füllmaterial zu variieren. Bei einem Preis von knapp 40 Euro eine lohnenswerte Anschaffung. Sehr überzeugend ist die Neuheit von Franz König (www.koenig-jagdtechnik. de): der Wildtierdummy-Fuchs 5 Komplett aus durchgefärbtem Kunststoff gefertigt, kann sich – laut Hersteller – keine Farbe ablösen. Ganz gleich, wie fest der Vierläufer zupackt. Im Test wurde diese Angabe bestätigt. Apropos Zupacken: Dadurch, dass der Mittelteil weicher ist als Kopf, Lunte oder Hinterteil, kommt der Hund nicht am korrekten Griff vorbei. Über Klemmringe kann das Herunterhängen der einzelnen Körperteile beliebig eingestellt werden. Auch das Gewicht der Fuchsattrappe lässt sich variieren, in dem Metallscheiben

Fuchsdummy Mystique Besteht aus drei abgenähten Teilen aus reißfestem Polyamid, Fuchsbalg im Mittelteil, Gewicht: 5 kg, Preis: 37,50 Euro, Bezug: www.shop-schnauze.de
Wildtierdummy-Fuchs Besteht aus vier Segmenten, wobei nur das mittlere aus weicherem Material gefertigt ist. Alle Teile sind austauschbar. Das Dummy lässt sich sehr gut mit Duftkonzentrat, Gewichten und Fuchsbalg aufwerten. Preis: 69,90 Euro, Bezug: Franz König, Kelterstr. 11, 74254 Offenau, Internet: www.koenig-jagdtechnik.de, E-Mail: info koenig-jagdtechnik.de

zwischen den einzelnen Körperteilen auf die Spannschur „aufgefädelt“ werden. Ebenso kann das Apportel auch geruchlich aufgemotzt werden. Dazu werden Filzscheiben zurechtgeschnitten und ebenfalls zwischen den einzelnen Körpersegmenten angebracht. Anschließend kann darauf das Fuchskonzentrat geträufelt werden. Genauso gut besteht aber auch die Möglichkeit, ein Loch in die Nase des Kunststoff-Fuchses zu bohren und mit einem Stück Küchenschwamm auszufüllen. Egal ob Schleppe oder Schwer-Apport – mit diesem Dummy sind dem Hundeführer keine Grenzen gesetzt. So kann das weiche Mittelstück mit einem Messer schlanker geschnitten werden und mit einem getrockneten Fuchsbalg umwickelt werden, um der Attrappe eine noch realistischere Optik zu verleihen. Der Anschaffungspreis von knapp 70 Euro ist absolut angemessen. Der Clou: Jedes Einzelteil ist beliebig austauschbar. Reparaturkosten bleiben somit im Rahmen.