Bequeme Beute

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Bequeme Beute
Fotos: Peter Diekmann

Eine frisch gemähte Wiese ist ein Schlaraffenland für Füchse. Mühelos gelangen sie dort an Nahrung. Wo Rotröcke sich wohl fühlen, sollten Grünröcke Schlange stehen.

Die Bälge von Reinekes Nachwuchs sind schon früh verwertbar ...
... ab Juli/August gilt das auch für Fuchshaken

Peter Diekmann
Selten sind die Aussichten für Jagderfolg derart hoch wie in diesen Tagen. Jungfüchse beginnen Mitte Mai damit, ihre Umgebung zu erkunden. Dabei werden sie von Tag zu Tag selbstständiger. Auf den Streifzügen lernen sie schnell, wo und wie Fraß leicht zu finden ist. Wiesen verknüpfen sie dann rasch mit sicherem Jagderfolg. Deshalb wirken diese wie ein Magnet auf die Freibeuter. Einige Jäger lehnen die Jagd auf Jungfüchse dennoch ab. Aber warum? Die Argumentation, dass ein Balg erst im Winter taugt, ist keinesfalls korrekt. Auch im Sommer können Balg und Haken vom Jungfuchs verwertet werden.

Die Fakten: Fuchswelpen werden zwischen März und April gewölft. Nur wenige werden vorm Bau bejagt. Die vielen Überlebenden sind deshalb ab Mai in Wald und Feld unterwegs. Ab Ende Juli werden sie selbstständig. Der Familienverband löst sich auf. Futtergaben von Fähe und Rüde gehören der Vergangenheit an. Um zu überleben, müssen die jungen Räuber selbst auf Nahrungssuche gehen. Das Ansprechen bereitet in dieser Zeit wenig Probleme. Hohe Läufe, dünnes Haar, schlanker Körperbau. Auch im Verhalten gibt es Unterschiede. Jungfüchse zeigen sich deutlich vertrauter als ihre älteren Artgenossen. Diese mangelnde Vorsicht können wir uns bei der Jagd zu Nutze machen.

Sitzenbleiben lohnt sich: Nicht selten sind Jungfüchse zu mehreren unterwegs.

Die Argumente: Der Einfluss des Fuchses auf heimische Niederwildbesätze ist unumstritten. Je größer der Fuchs, desto höher sein Nahrungsbedarf. Er unterscheidet nicht zwischen Rebhuhn und Fasan. Was ihm vor den Fang gerät, wird gefressen. Konsequente Bejagung ist deshalb Niederwild-Hege. Auch beim Fuchs gilt: Je jünger das Wild, desto einfacher die Jagd. Unsere jagdlichen Bemühungen sollten sich deshalb zwischen Mai und August bewegen. Jungfüchse sind dann neugierig und unvorsichtig. Auf gemähten Wiesen finden sie tote Insekten, Kleinsäuger und ausgemähte Kitze. Die niedrige Vegetation erleichtert die Jagd. Durch das freie Schussfeld ist das auch für uns Jäger von Vorteil. Je aktiver wir im Sommer jagen, desto geringer ist die Fuchsdichte im Winter. Das vermindert den Jagddruck in der kalten Jahreszeit. In der Folge profitieren davon auch andere Wildarten. Zugegeben, ob Fuchsranz, Lockinstrument oder Bauhund: Der Winter bietet interessante Jagdmethoden. Doch auch der Ansitz an Wiesen ist spannend und abwechslungsreich.
Die Möglichkeit, darüber hinaus bei milden Temperaturen auch einen Bock zu erlegen, erhöht zudem den Reiz dieser Jagd. Ein weiteres Argument sind die Trophäen der Jungfüchse. Im Gegensatz zum minderwertigen Balg der Fähe ist der des Jungfuchses im
Sommer durchaus zu verwerten. Darüber hinaus lassen sich auch die Fuchshaken prima aufsetzen.

Die Bewaffnung: Um möglichst balgschonend zu jagen, sind Schonzeitwaffen empfehlenswert. Kaliber wie .22 Mag. und .22 Hornet sind ideal. Auch Schrote sind gut geeignet, allerdings nicht auf wenige Meter. Bockbüchsflinten mit kleiner Kugel oder Drillinge mit Einstecklauf sind dafür wie geschaffen. Um auch für einen Bock gerüstet zu sein, muss das Kaliber aber mindestens .222 Remington betragen. Ohne Ansitzeinrichtung ist der Jäger mit Sitzstock und Tarnkleidung gut beraten.

Der Nutzwert: Kein Jungfuchs muss vergraben werden. Allerdings rät Präparator Uwe Vogel aus Nassau zur Vorsicht beim Streifen. Die Haut ist noch dünn. Sie reißt sehr leicht. Also mit Bedacht und Geduld abbalgen. Auch das Haar ist deutlich dünner als im Winter. Neben Fuchsdecken lassen sich Bälge aber auch als Innenfutter für Jacken verarbeiten. Sommerbälge eignen sich dafür weitaus besser. Der Kürschner braucht dann weder Kopf noch Läufe. Somit kann viel Zeit gespart werden. Auch die Eckzähne eignen sich als Trophäe. Zum Aufsetzen taugen die Fuchshaken natürlich erst nach dem Zahnwechsel. Für die Fuchsjagd im Sommer gilt: Aufmerksam beobachten, wo und wann die Wiesen gemäht werden. Schon der Abendansitz kann sehr erfolgreich sein.