Der Jagd-Knigge

8967

Verhalten auf Gesellschaftsjagden
Für viele „alte Hasen“ sind Treib- und Drückjagden ein alljährliches Ritual. Jungjäger betreten hingegen jagdliches Neuland. Was müssen Sie beachten, um wieder eingeladen zu werden?

Jagd-Knigge
Fotos: Michael Migos

Peter Diekmann
Jagd-Knigge
Gerade Bewegungsjagden haben in den vergangenen Jahren stark zugenommen. Der Staat bietet gegen Bezahlung viele Jagdmöglichkeiten auf Schalenwild. Aber auch private Einladungen zu Treib und Drückjagden beleben das Jagdjahr. Im Sommer sammelten viele Jungjäger wahrscheinlich erste Erfahrungen auf Einzelansitzen. Eine Gemeinschaftsjagd stellt aber unter Sicherheitsaspekten und organisatorisch ganz andere Anforderungen. Bei Bezahljagden handelt es sich in gewissem Maße um eine Art Dienstleistung. Die Erwartungshaltung des Jägers ist deshalb deutlich größer. Bei einer persönlichen Einladung freut sich der Jäger hingegen über die kostenlose Jagdmöglichkeit. In beiden Fällen gilt aber: Waidgerechtigkeit bleibt oberstes Gebot! Zwar wird diese nicht von allen Jagdleitern gefordert, doch gebietet es der Anstand und die Verantwortung gegenüber der Natur, sich dementsprechend zu verhalten.

Vor der Jagd
Flattert die erste Einladung ins Haus, ist es eine Sache der Höflichkeit, sich in dem geforderten Zeitrahmen zu äußern, ob man teilnimmt oder nicht. Bei Bezahljagden muss zudem der geforderte Betrag zeitgerecht überwiesen werden. Manche Forstämter schicken vorab Merkblätter zum Verhalten und zu Sicherheitsbestimmungen. Auch diese sollten schnellstens unterschrieben zurückgeschickt werden. Pünktlichkeit ist nicht nur Ehrensache, sondern unabdingbar für einen reibungslosen Ablauf der Jagd. Selbstständiges Vorzeigen des gültigen Jagdscheins, die Begrüßung des Jagdleiters und das obligatorische „Vielen Dank für die Einladung“ sind ebenso selbstverständlich wie die Begrüßung aller Anwesenden mit Handschlag. Tipp: Wer früh kommt, wird mehr begrüßt, als er begrüßen muss. Es schadet nicht, die Handynummern des Jagdleiters, des Anstellers, eventuell Nachsuchenführers, Tierarztes und auch Notfallnummern aufzuschreiben, sofern die Jagdleiter diese vorab nicht verteien Ist man auf der Jagd ein Neuling, sollte man sich auch dem Ansteller vorstellen. Das hinterlässt einen guten Eindruck bei den Verantwortlichen und erleichtert ihr Tun.

Während der Jagd
Mit dem Ansteller wird geklärt, ob das eigene Auto benötigt wird oder eine Mitfahrgelegenheit besteht. Die benötigten Jagdutensilien müssen griffbereit im Auto liegen, um die Geduld des Anstellers nicht auf die Probe zu stellen. Bei der Begrüßung durch den Jagdleiter werden die teilnehmenden Schützen über die Organisation der Treiben, die Freigabe und die Jagdzeiten informiert. Bei Unklarheiten nachfragen! Auf dem Stand ist es zu spät. Ob Treib- oder Drückjagd, wird man angestellt, bedankt man sich höflich dafür. Arrogantes oder forderndes Verhalten ist unangebracht. Ist der Stand bezogen, wird das Gewehr geladen. Wenn vom Jagdleiter nicht anders verordnet, gilt bei Drückjagden mit Einnahme des Standes die Schussfreigabe. Bei Treibjagden wird angeblasen, erst dann gilt Feuer frei. Die geforderten Sicherheitsbestimmungen sind stets zu beachten. Gerade wenn Hunde und Treiber im Treiben sind, ist es besonders wichtig, auf Kugelfang und freies Schussfeld zu achten. Dies ist umso wichtiger, da die Aufregung bei schnell anwechselndem Wild besonders hoch sein kann. Hier muss man nicht nur schnell sein, sondern auch konzentriert und nervenstark. Kein Mitjäger erwartet von einem Jungjäger Meisterleistungen im Schießen. Bei Unsicherheit bleibt der Finger gerade. Gekrümmt wird er nur, wenn man wirklich sicher ist, dass es sich um ein freigegebenes Stück handelt und ein sicherer Schuss möglich ist. Ebenso gehört es sich nicht, auf Wild zu schießen, das am Nachbarstand vorbeizieht oder auf Flugwild, das über den Kopf des Nachbarschützen streicht. Auch, wenn dies auf mancher Drückjagd nicht angesagt wird: Jung vor Alt! Nicht nervös werden, wenn ein Alttier den Stand anwechselt. Oft kommt das Kalb später. Folgt es nicht, kann das Alttier dennoch führend sein. Gleiches gilt für Bachen. Zwar möchte jeder Jagdleiter, dass Strecke gemacht wird, ein einzeln geschossenes, führendes Alttier wird ihm aber dennoch zu Recht missfallen. Selbst ohne Ansage sollte bei zwei verursachten Anschüssen ohne sichtbar liegendes Stück nicht mehr geschossen werden. Nichts ist peinlicher, als mehrere Nachsuchen zu verursachen. Egal, wieviele Schüsse abgegeben wurden, jeder einzelne ist dem Ansteller zu melden. Dabei Uhrzeit, Entfernung, den Anschuss und die Fluchtrichtung des beschossenen Stückes angeben.

So nicht! Immer erst den Schützen schießen lassen, den das Wild zuerst anfliegt.

Nach der Jagd
Ist das Ende der Jagd um 14 Uhr, gilt selbst bei einem Lebenskeiler um 14.01 Uhr Hahn in Ruh. Die Treiber treten den Rückweg an, Schützen verlassen die Stände und begeben sich zum erlegten Wild. Unter Sicherheitsaspekten sind deshalb alle vorgegebenen Zeiten einzuhalten. Dies gilt auch für Aufbrechpausen während der Jagd. Der vorherige Uhrenvergleich ist obligatorisch. Je nach Anordnung ist mit dem Ende der Jagd das Wild zu bergen. Wenn die Zeit da ist, kann es an den Stand oder einen nahgelegenen Weg gezogen werden, zwecks einfacher Bergung. Ist der Schütze dazu in der Lage, kann auch schon mit der roten Arbeit begonnen werden, sofern dies nicht zentral erfolgt. Ist man sich nicht sicher, sollte man den Ansteller aufbrechen lassen. Das Wild soll schließlich noch verwertbar sein. Am Streckenplatz erfolgt dann das Streckelegen. Nicht nur hier sollte ein Neuling Hilfsbereitschaft zeigen. Bei Jagderfolg erhält der Schütze vom Jagdleiter mit Handschlag und „Waidmannsheil“ den Erlegerbruch. Mit abgenommenem Hut nimmt man diesen entgegen, entgegnet mit einem herzlichen „Weidmannsdank“ und steckt ihn sich an die rechte Hutseite. Mützen eignen sich nicht für diese Tradition. Wenn jemand keinen Hut hat, sollte er zumindest für diese Tradition den Hut eines anderen Jägers ausleihen. So mancher Jagdleiter weiß das zu schätzen. Ebenso freuen diese sich über die Teilnahme am Schüsseltreiben. Sollte das nicht möglich sein, ist dies dem Jagdleiter rechtzeitig mitzuteilen. Gerade wenn man Wild gestreckt hat oder gar Jagdkönig geworden ist, ist dies unglücklich. Dann kann höchstens noch eine angemessene Geldspende für spätere Lokalrunden helfen. Das letzte Treiben ist eine gute Gelegenheit, Kontakte zu knüpfen. Schließlich verabschiedet man sich vom Jagdleiter und bedankt sich in aller Form für den schönen Jagdtag. Beachtet man all diese Regeln, steht einer Einladung im nächsten Jahr nichts mehr im Wege.