Die Laufreinigung (Büchsenläufe)
Dieser Artikel behandelt das Putzen von Büchsenläufen, aus denen Munition mit Mantelgeschossen und monolithischen Kupfer- und Messinggeschossen (bleifrei) unter Verwendung von Nitrozellulosepulver verschossen wird. Für Finten, Kurzwaffen, Schwarzpulverwaffen sowie die Verwendung von Bleigeschossen gelten andere Regeln.
Diese Abgrenzung ist notwendig, da bei der Verwendung von hochrasanter Büchsenmunition ganz andere Verschmutzungen im Lauf entstehen als z.B. bei der Benutzung von Schwarzpulver- oder Kleinkaliberwaffen, bzw. diese in anderen Konzentrationen auftreten.

Diese Abgrenzung ist notwendig, da bei der Verwendung von hochrasanter Büchsenmunition ganz andere Verschmutzungen im Lauf entstehen als z.B. bei der Benutzung von Schwarzpulver- oder Kleinkaliberwaffen, bzw. diese in anderen Konzentrationen auftreten.
Büchsenläufe von Neuwaffen sollte man vor dem ersten Schießen übrigens ganz besonders gut reinigen. Da ist Dreck von der Bearbeitung, vom Beschuss und meistens auch ein ziemlich hartnäckiges Konservierungsfett drin. Wenn man das nicht vorher entfernt, brennt man es sich richtig schön in den Lauf ein.
Das Hauptproblem sind der Geschossabrieb und die Verbrennungsrückstände am Ende des Patronenlagers, im Übergangskegel und im Lauf selbst.
Wenn hier von „Geschossabrieb“ gesprochen wird, so muss man zwischen dem Abrieb von Geschossen / Geschossmänteln aus Kupferlegierungen und solchen aus Flussstahl und Nickel unterscheiden. Zur ersten Kategorie gehören Tombak, Kupfer, Bronze und Messing. Hierbei ist es egal, ob es sich um bleihaltige Mantelgeschosse oder um bleifreie Vollgeschosse handelt. Der Abrieb solcher Geschosse lässt sich mit den uns zur Verfügung stehenden Mittel sowohl chemisch als auch mechanisch entfernen.
Den Abrieb von Flussstahlmänteln und vernickelten Geschossen (z.B. TIG, TUG, Cineshot u.a.) kann man hingegen nur mechanisch beseitigen.
Oft unterschätzt werden die Ablagerungen, die Verbrennungsrückstände hinterlassen können. Werden diese nicht regelmäßig entfernt, werden diese „pickelhart“ und können dann nur noch unter größerem Aufwand entfernt werden.
„Es werden mehr Waffen kaputtgeputzt als kaputtgeschossen“. Diese Märchen hält sich hartnäckig und wird vornehmlich als Entschuldigung für die liederliche Vernachlässigung unserer Feuerstöcke benutzt. Aber wie die meisten Legenden, so hat auch diese einen realen Hintergrund. Im Militärbereich sind teilweise bis heute anstelle von Putzstöcken Ketten im Einsatz, womit Bürsten, Wischer und Reinigungsdochte durch den Lauf gezogen werden. Hierbei lässt es sich kaum vermeiden, dass diese mit Gewalt das sensibelste Stück des Laufes malträtieren, die Mündung. Ist diese einmal beschädigt, ist es mit der Präzision des Laufes vorbei.
Die Notwendigkeit der Laufpflege beruht auf zwei Säulen. Zum einen geht es um den Erhalt der Funktionsfähigkeit und zum anderen um die Gewährleistung einer konstanten Präzision.
Zugesetzte Büchsenläufe haben einen engeren Querschnitt und können somit für einen erheblichen Druckanstieg sorgen. Ablagerungen von Verbrennungsrückständen im Patronenlager können so weit gehen, dass sich keine Patrone mehr laden lässt oder, noch schlimmer, das Geschoss im Hülsenhals festklemmen, was wiederum zu gefährlichen Drücken beim Abfeuern der Patronen führen kann.
Verbrennungsrückstände wirken zudem hygroskopisch, d.h. sie ziehen durch die darin enthaltenen Salze Wasser an. Ein Nichtentfernen derselben ist der Hauptgrund für Lochfraß in Läufen. Noch schlimmer wirken die Rückstände von quecksilberhaltigen Zündern in alter Militärmunition; glücklicherweise sind die Zeiten dieser Zünder nun schon lange vorbei.
Man hört und liest des Öfteren, dass der Lauf vor dem Umstieg von bleihaltiger auf bleifreie Munition chemisch gereinigt werden soll. Die Aussage ist zwar nicht grundsätzlich falsch, aber sie enthält eine falsche Kausalkette. Es wird suggeriert, dass bleifreie Geschosse einen sauberen Lauf voraussetzen um präzise zu schießen. Mehr oder weniger gilt das aber für alle Geschosse, egal ob bleifrei oder nicht. Wenn überhaupt, so müsste man den Ratschlag umkehren. Frühe bleifreie Geschosskonstruktionen verwendeten sehr weiches Material, damit die Vollgeschosse überhaupt in die Züge und Felder gepresst werden konnten. Hierbei entstanden ganz beträchtliche Verschmierungen im Lauf, die bereits nach wenigen Schuss die Präzision zum Teufel gehen ließen. Dieses Problem gehört dank neuerer Konstruktionen mit Führbändern weitestgehend der Vergangenheit an.
Viele Leute berichten, dass sie nach einer chemischen Laufreinigung erst einmal mehrere Schüsse abgeben müssen damit ihre Waffe wieder die gewohnte Treffpunktlage und/oder den gewohnten engen Streukreis erlangt.
Eine Erklärung für dieses Phänomen könnte sein, dass die Läufe bereits durch Lochfraß geschädigt sind und sich die offengelegten Rostnarben erst wieder zusetzten müssen bevor eine gewisse Konstanz der Bedingungen im Lauf erreicht wird.
Mit meinen Waffenhabe ich dieses Problem nicht; meine Konstante ist ein sauberer Lauf. Der erste Schuss sitzt innerhalb des üblichen Streukreises bei unveränderter Treffpunktlage.
In dieses Themenfeld gehört auch der berüchtigte „Ölschuss“. Hierzu kann man nur sagen, dass Öl während des Schießens nichts im Lauf und vor allem auch nichts im Patronenlager zu suchen hat.
Im Schuss lidert die Hülse im Patronenlager, d.h. sie dehnt sich aus und stützt sich hierbei auch seitlich durch Reibung im Patronenlager ab. Ist dieses jedoch verölt, so rutscht die Hülse hier ab und die gesamt Rückstoßenergie wirkt auf den Stoßboden des Verschlusses. Dies ist waffentechnisch nicht vorgesehen und sollte unbedingt vermieden werden; zudem ist es der Präzision sehr abträglich.
Öl im Lauf hat neben der veränderten Reibungsverhältnisse, die in der Regel eine abweichende Treffpunktlage verursachen, noch einen weiteren unerwünschten Effekt. Es verbrennt und trägt somit zu den hartnäckigen Karbonrückständen bei, die es eigentlich zu bekämpfen gilt.
Die im Folgenden beschriebenen und empfohlenen Methoden und Ausrüstungsgegenstände beruhen auf meinen persönlichen Erfahrungen. Andere Anwender werden andere Methoden, Werkzeuge und Mittel empfehlen. Vieles davon wird auch gut und richtig sein, und jeder soll nach seiner Facon glücklich werden.
Da ich ein Boroskop (ein Endoskop zur Betrachtung des Laufinneren) besitze, kann ich den Erfolg oder Misserfolg unterschiedlicher Methoden und Mittelchen zuverlässig kontrollieren und bin nicht darauf angewiesen, mich auf die Angaben von Herstellern, oder vielleicht noch schlimmer, Informationen aus Internetforen zu verlassen.
Ausrüstung:
Bei der Beschaffung der einzelnen Komponenten wird man nicht umhin kommen, im Internet zu bestellen. Da viele Komponenten aus Amerika kommen, wird auch auf die englischen Begriffe hingewiesen. Dies sollte den Einkauf und/oder die weitere Informationsbeschaffung erleichtern.
Die hier abgegebenen Produktempfehlungen basieren auf heutigen Kenntnisstand.
Putzstock für den Lauf:
Beim Kauf eines Putzstocks ist auf Folgendes zu achten:
1.) Kugelgelagerter Griff
2.) Kunststoffummantelung
3.) Korrekter Durchmesser
4.) Korrekte Länge
5.) 8/32 Innengewinde (female thread)
6.) Einteilig, keine geteilten Putzstöcke
Ad 1.) Bürsten und Wischwerkzeuge sollen den Zügen und Feldern im Lauf folgen können. Hierzu muss sich der Stock im Griffstück frei und leicht drehen lassen. Ein einfacher, drehbarer Griff ohne Kugellager ist nicht ausreichend.
Ad 2.) Da ein leichtes Verbiegen (Flexen) des Stocks während der Anwendung kaum zu verhindert ist, sollte der Stock eine Schutzschicht aus Kunststoff aufweisen, um eventuelle Beschädigungen der Laufseele zu vermeiden.
Ad 3.) Um unnötiges Flexen des Stocks zu vermeiden sollte der Stock zur Kalibergruppe passen. In der Regel werden folgende Putzstockgrößen angeboten: Kal. .17 (4,5mm), Kal. .22-.26 (5,6- 6,5mm) und ab Kal. .270 (7mm).
Ad 4.) Der Stock sollte lang genug sein, um die volle Länge zwischen Hülsenbrücke und Mündung abzudecken und ihn dabei noch bequem am Hinterschaft vorbei führen zu können. Das ist i.d.R. bis auf die halbe Höhe des Hinterschafts noch gegeben. Zu lang sollte man ihn auch nicht wählen, da hierdurch wieder das Flexen begünstigt wird
Ad 5.) Das international gebräuchlichste Gewinde an Bürsten und Spitzen ist 8/32. Mittels Adaptern kann man zwar so ziemlich jede Bürste auf jeden Stock montieren, aber das führt zu unnötigem Hin- und Her-Geschraube. Zudem verlängert man mit Adaptern den metallenen Übergang zwischen Bürste/Spitze und Stock, der beim Austritt derselben aus der Laufmündung auf dieser herumkratzt. Dies sollte zum Schutz der Mündung unbedingt minimiert werden.
Ad 6.) Mehrteilige, zusammenschraubbare Putzstöcke sind ok für unterwegs, um mal eben nach einer nassen Drückjagd einen Patch oder Filz durchzuschieben. Zum wirklichen Arbeiten sind sie ungeeignet, da sie zu instabil sind und zudem durch das Metall der Verbindungsbuchsen ein zu großes Beschädigungspotential für die Laufseele darstellen.
Meine Empfehlung sind die Carbon-Stöcke von Tipton. Diese erfüllen zwar Bedingung 2 nicht, sind aber ansonsten das Beste, was derzeit auf dem Markt erhältlich ist.

Putzstock für das Patronenlager:
Zusätzlich wird noch ein kurzer Putzstock mit starrem Griff für die Patronenlagerreinigung benötigt. Der starre Griff ist notwendig damit man eine Bürste/Wischer im Patronenlager drehen kann. Der Stock sollte ebenfalls ein 8/32 Innengewinde aufweisen.
Bürsten:
Benötigt werden sowohl kaliberangepasste Nylon- als auch Bronzebürsten. Eventuell vorhandene Stahlbürsten bitte sofort wegschmeißen; die sind für die Laufreinigung gänzlich ungeeignet.
Für die Reinigung des Patronenlagerübergangs ist zudem eine übermassige Bronzebürste notwendig. Der Durchmesser sollte etwas größer sein als der des Hülsenhalses einer abgeschossenen Patronenhülse aus der zu reinigenden Waffe.
Da es sich bei Bürsten nicht um Gebrauchsgegenstände sondern um Verbrauchsmaterialien handelt, empfehlen wir Bürsten von Dewey im 12er Pack. Diese haben natürlich das passende 8/32 Außengewinde (male thread).
Spitzen und Patches:
Spitzen (im engl. auch „Jag“ genannt) werden benötigt, um die sogenannten Patches (kleine Baumwollläppchen) durch den Lauf zu schieben. Die Patches legen sich dabei um die Spitze und halten i.d.R. so fest, dass man diese im Lauf sowohl vor als auch zurück bewegen kann.
Spitzen und Patches müssen unbedingt im richtigen Kaliber gekauft werden, da die Patches ansonsten viel zu losen sitzen und somit ihre Wirkung verfehlen oder so stramm, dass sie im Lauf verkeilen.
Zu Spitzen möchte ich keine besondere Empfehlung abgeben, solange sie das benötigte 8/32 Außengewinde (male thread) haben. Als Patches empfehle ich die von Dewey. Sie passen gut in den dafür vorgesehenen Kalibern und sie sind saugstark.
Alternativ kann man auch die VFG Filzpfropfen verwenden. Für die VFG Spitzen gibt es Adapter auf das 8/32 Außengewinde. Der Nachteil der Pfropfen ist, dass sie nach Kaliber teilweise auf den Adapter aufgeschraubt werden, damit sie sich ein wenig ausdehnen und sich somit gut dem Lauf anpassen. Da kommt man aus dem Auf-und Abschrauben nicht mehr heraus.
Laufreiniger (Solvent):
Solvents werden für zwei Dinge benötigt; die Entfernung von Karbon (Verbrennungsrückstände) und die Entfernung von Geschossabrieb. Die meisten Solvents werden zwar als Allrounder verkauft, dennoch sind einige Mittel für spezielle Aufgaben besonders gut geeignet. Daher unterscheide ich hier zwischen Karbonentfernung und der Entfernung von Geschossabrieb.
Zur Unterstützung bei der Entfernung von Verbrennungsrückstände hat sich KG-1 von KG Industries bewährt.
Zusätzlich benötigt man Glasreiniger (ammoniakfrei) aus dem Supermarkt.
Um kupferlegierten Verschmierungen aus dem Lauf zu entfernen, empfiehlt sich Robla Solo mil von Klever.
Robla Solo ist ammoniakbasiert, stinkt daher fürchterlich, ist giftig und kann bei falscher Anwendung den Lauf schädigen.
Lässt man Robla zu lange im Lauf, so dass es antrocknet, sorgen die zurückbleibenden Salze für Lochfraß, also Rost, im Lauf. Bei einer feuchten Oberfläche ist Robla hingegen völlig unschädlich für den Laufstahl.
Es wird auch oft empfohlen, bei sehr starken Ablagerungen, den Lauf zu verkorken, mit Robla solo zu füllen und über Nacht stehen zu lassen. Das kann aber nicht funktionieren, da für die chemische Anlösung des Geschossabriebs zusätzlich Sauerstoff benötigt wird.
Zsätzlich bietet der Markt viele andere Solvents an, wie z.B. den Laufreinigungsschaum “Forest” von Milfoam.
Wie in der Einleitung bereits erwähnt, sind diese Solvents gegen den Abrieb von mit Flussstahl oder Nickel beschichteten Geschossen vollkommen wirkungslos.
Öl / Konservierungsmittel:
Früher hat man zur Laufreinigung neben Wasser (für Schwarzpulverwaffen) hauptsächlich Öl verwendet.
Alles was Öl in dieser Hinsicht kann, können die Solvents besser. Beim Einsatz von Bürsten sorgt Öl sogar dafür, dass diese „wie geschmiert“ über den festsitzenden Dreck hinweggleiten und somit der kratzende Effekt der Bürsten behindert wird.
Man sollte in der Anwendung von Öl ohnehin recht spärlich vorgehen. In Öl schwimmende Patronenlager, Systeme und Systembettungen sind der Feind des präzisen Schusses.
Mineralische Öle sind auch nicht für die Schaftpflege geeignet. Im Gegenteil, sie weichen das Holz auf. Geschieht dies im Bereich der Systembettung, ist der Schaft endgültig kaputt.
Welches Öl nun das Beste ist, kommt auf den Einsatzzweck an: Reinigung, Wasserverdrängung, Rostlösen, Schmieren, Konservieren. Die Diskussionen und Test hierüber füllen Bibliotheken.
Ohne Konservierung geht es aber auch nicht. Die Laufinnenseite ist schließlich blanker Stahl. Eine Empfehlung zur leichten Konservierung geht zu Hoppe´s Elite oder die Klassiker wie Shooters Choice
Putzstockführung:
Eine Putzstockführung (auch falsches Schloss genannt oder engl. Bore guide) wird in das Patronenlager eingeführt und bewirkt, dass der Putzstock zentrisch durch den Lauf geführt wird. Somit soll vermieden werden, dass der Stock im Übergang zum Lauf schabt. Noch viel entscheidender ist jedoch, dass Solvent oder Öl nicht in das System, den Abzug und die Bettung laufen.
Als sehr praktisch hat sich erwiesen, wenn die Putzstockführung einen sogenannten Solventport aufweist. Das ist nichts anderes als ein Loch am Anfang der Führung, durch das man Solvent oder Öl auf die darin befindliche Bürste träufeln kann.

Waffenhalterung:
Beim Laufputzen sollte man die Hände frei haben. Die Waffe muss also fixiert werden, und zwar so, dass sie mit der Mündung leicht schräg nach unten zeigt, damit Öl und Solvent zur Mündung hin ablaufen können und nicht zurück ins System.
Außerdem empfiehlt es sich, einen Auffangbehälter vor/unter der Mündung zu platzieren. Die hellbeige Auslegware im Wohnzimmer ist saugtechnisch zwar bestens geeignet, dreckiges Öl aufzunehmen, auch Gardinen und Sofas nehmen die Spitzer einer aus der Mündung austretenden Bürste bereitwillig auf, jedoch könnte dies Anlass zu dringendem Gesprächsbedarf seitens der/des jeweiligen Mitbewohner(s) führen.
Ein kleiner Schraubstock wie er unter Ständerbohrmaschinen zum Einsatz kommt, ist hier eine gute Lösung. So etwas gibt es im Baumarkt. Die Backen sind mit festen, selbstklebenden Filzplatten beklebt, um die Waffe zu schonen.

Weitere Hilfsmittel:
– Pipettenflaschen aus der Apotheke erleichtern das Dosieren und die Anwendung von Solvents und Öl.
– Drei- oder vierlagiges Toilettenpapier wird für die Patronenlagerreinigung benötigt.
– Entweder ganz viele alte Lappen oder eine Rolle Küchenpapier, um den Putzstock abzuwischen und verschlabberte Flüssigkeiten aufzunehmen.
Reinigungsprozedur
Es empfiehlt sich grundsätzlich, am Einlass des falschen Schlosses ein Tuch oder doppelt gefaltetes Küchenpapier über den Schaft zu legen, um austretende Flüssigkeiten aufzunehmen.
Der Putzstock sollte nach jedem Arbeitsschritt abgewischt werden, um den erneuten Eintrag von Dreck und Solvents beim darauffolgenden Schritt zu verhindern.
Alle Bürsten nach jedem Arbeitsschritt bitte sofort mit klarem Wasser abspülen. War Öl mit im Spiel, dann bitte zusätzlich mit Spülmittel arbeiten.
Schritt 1
Zuerst geht es um die Entfernung der Verbrennungsrückstände.
Bitte niemals den dreckigen Lauf trocken durchziehen oder durchbürsten. Es gibt „Spezialisten“, die das als Zwischenreinigung empfehlen. Trockene Verbrennungsrückstände können sehr abrasiv (schmirgelnd) sein.
Zur oberflächlichen Reinigung und zum Einweichen der Rückstände, schiebt man mindestens zwei mit Solvent (KG-1) getränkte Patches durch den Lauf. Hierzu stellt man am besten den Putzstock senkrecht vor sich auf den Boden, spießt ein Patch auf und tränkt diesen mit Hilfe einer Pipette.
Das kann man so oft machen, wie man möchte. Ich schiebe meist drei solcher nassen Patches durch und warte dann ca. 10 Minuten.
Schritt 2
Nun kommt eine kalibergerechte Bronzebürste zur mechanischen Entfernung der Karbon-Rückstände zum Einsatz.
Der zuvor angewendete Solvent KG-1 ist zwar ein ausgewiesener Spezialist gegen Verbrennungsrückstände, jedoch hat er auch kupferlösende Eigenschaften. Das sieht man schon bei Schritt 1 an der teilweisen Blaufärbung der Patches.
Kontakt von Bronzebürsten mit Solvents vermeiden. Bronze ist ebenfalls eine Kupferlegierung und nach zwei bis drei Einsätzen mit kupferlösendem Solvent kann man so eine Bürste dann wegwerfen. Wie bereits erwähnt, sind Bürsten zwar Verbrauchs- und keine Gebrauchsgegenstände, aber man muss es ja nicht forcieren.
Damit die Bürste in der Folge nicht trocken arbeitet, bekommt sie beim ersten Einführen in den Lauf einen ordentlichen Spritzer Glasreiniger mit Hilfe einer Pipette durch den Solventport verabreicht. Nach dem zweiten oder dritten Zug tränke ich die Bürste noch einmal mit dem Glasreiniger.
Wer einen Karbonreiniger ohne kupferlösende Eigenschaften findet, kann sich die Entfernung vor dem Einsatz der Bronzebürste und die Verwendung von Glasreiniger natürlich sparen und gleich mit dem Solvent weiterarbeiten.
Die Bürste wird nun ca. 20 Mal jeweils vor und zurück durch den Lauf geführt. Hierbei ist unbedingt zu beachten, dass die Bürste immer einmal komplett durchgezogen wird. Eine Richtungsumkehr im Lauf zerstört die Bürste und ist mit normaler Kraftanstrengung auch fast nicht zu bewerkstelligen.
Jetzt die Bürste bitte abschrauben und ausspülen.
Schritt 3
Die noch im Lauf und dem Patronenlager befindliche Flüssigkeit wird jetzt zur Reinigung des Patronenlagers und vor allem des Übergangs in den Lauf genutzt.
Hierzu wird die Putzstockführung entnommen und abgewischt, eine übermassige Bronzebürste auf den Patronenlagerputzstab mit festem Griff geschraubt und in das Patronenlager eingeführt.
Durch Drehbewegungen und leichtes hin und her Rubbeln werden nun die Verbrennungsrückstände im Übergang des Patronenlagers zum Lauf gelöst. Dieser Übergang ist ein Absatz, der je nach Waffe, sogar eine 90 Grad Kante bilden kann. Ablagerungen sammeln sich dort besonders gut.
Anschließend wird die Bronzebürste durch eine Nylonbürste ersetzt und diese mit einem einmal gefalteten Stück mehrlagigen Toilettenpapiers umwickelt. Damit wird das Patronenlager saubergewischt.
Schritt 4
Jetzt geht es an die Entfernung des Geschossabriebs. Hierbei kommt die Nylonbürste zum Einbringen des Solvents (Robla solo oder KG-12) in den Lauf zum Einsatz.
Durch den Solventport wird die Bürste getränkt und dann ca. zehn Mal durch den Lauf in und her bewegt. Zwischendurch kann man ruhig noch einen Spritzer Solvent nachgeben. Der Solvent wird hierbei aufgeschäumt. Dieses Einbringen von Luft verstärkt die Wirkung des Solvents und verbessert die Haftung und Wirkung auch an der Oberseite der Laufseele.
Jetzt die Bürste bitte abschrauben und ausspülen.
Die Gebrauchsanweisung für Robla solo gibt eine Einwirkzeit von 10 bis 15 Minuten vor. Ich lasse es gut eine halbe Stunde bis 45 Minuten stehen. Wem hierbei unwohl ist, kann zwischendurch noch einmal mit frischem Robla nachbürsten. Wichtig ist, dass das Robla nicht antrocknet (siehe auch meine Produkthinweise oben).
Jetzt wird der Lauf mit 3 bis 4 Patches ausgewischt und die Mündung ebenfalls abgewischt.
Schritt 5
Wurde Robla solo verwendet muss dieses trotz vorherigen Auswischens neutralisiert werden. Ferner sollte der Lauf je nach Dauer der folgenden Nichtbenutzung mehr oder weniger konserviert werden.
Hierfür kann man Öl verwenden, was ich allerding nur bei beabsichtigter längerer Lagerung tun würde.
Stattdessen verwende ich Hoppe’s Elite.
Dieses wird ebenfalls mit der Pipette durch den Solventport auf eine Nylonbürste aufgetragen.
Im Folgenden wird der Lauf mit mehreren Patches trockengewischt. Hierbei kann man auch ein wenig hin und her rubbeln. Das ist der Trocknung sehr förderlich.
Nun wird die Mündung abgewischt und (ganz wichtig!) das Patronenlager mit Hilfe der Nylonbürste und Toilettenpapier getrocknet. Zuletzt noch einen trockenen Patch in einem Zug durch den Lauf ziehen, um eventuell durch das Patronenlagerwischen nach vorne geschobene Flüssigkeit zu entfernen.
Das war es. Der Lauf sollte nun wirklich sauber sein.
Wer im letzten Schritt Öl verwendet hat, sollte dieses vor dem nächsten Schießen mit Alkohol (z.B. Waschbenzin) sowohl aus dem Lauf als auch aus dem Patronenlager auswischen.
Mechanische Laufreinigung
Hat man ein altes Schätzchen, das über Jahre, Jahrzehnte oder gar Generationen bestenfalls mal mit Öl durchgezogen wurde, haben sich erfahrungsgemäß sehr hartnäckige Verbrennungsrückstände an den Kanten der Züge und Felder gebildet. Diese lassen nicht mehr mit Bürsten und Solvents allein entfernen.
Auch die Verwendung von mit Flussstahl oder Nickel plattierten Geschossen stellt ein Anwendungsfeld für die folgende Methode dar.
Hier empfiehlt sich eine mechanische Reinigung z.B. mit J.B. Bore Paste. Es handelt es sich um eine Paste mit schmirgelnder Wirkung. Den Laufstahl greift sie laut Hersteller nicht an. Dafür sind die abrasiven Bestandteile nicht hart genug.
Als Vorbereitung wird mit der Nylonbürste einen Solvent in den Lauf eingelassen. Nun wird dieselbe Bürste in den J.B. Topf gesteckt und ordentlich damit eingeschmiert. Die Bürste dann 20x durch den Lauf hin und her schieben. Danach mit einem Patch nachrubbeln.
In den Gebrauchsanweisungen der diversen Laufreinigungspasten wird man die Verwendung einer Bürste vergeblich suchen. Hier wird lediglich die Verwendung mit Patches erwähnt.
Es geht aber vor allem darum die Ecken der Felder und Züge zu bearbeiten und diese erreicht man mit einem Patch nun einmal nicht wirklich.
Die Nylonbürste ist nach dieser Prozedur komplett mit der Paste zugesetzt und muss gereinigt werden. Das gelingt am besten in lauwarmer Seifenlauge unter Zuhilfenahme einer alten Zahnbürste.
Als letztes entfernt man die J.B. Paste aus dem Lauf. Zuerst wird mit Patches ausgewischt. Dann werden die Reste mit Öl oder Hoppe’s Elite und der gereinigten Nylonbürste aus den Feld/Zug Kanten geputzt und zuletzt mit Patsches getrocknet.
Nach dem Trockenwischen bitte das Patronenlager nach der Laufreinigung nicht vergessen. Mündung abwischen – fertig!

