Gebrauchtwaffenkauf – Alteisen oder Altmetall?

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Beinahe jeder Jungjäger steht kurz nach der Prüfung vor seinem ersten Waffenkauf. Aus Kostengründen wird dabei oft auf eine Gebrauchte gesetzt. Doch dabei lauern Gefahren. Auf was Sie dabei alles achten müssen, verrät Norbert Klups.

Norbert Klups
Wenn eine Jagdwaffe angeschafft werden soll und die Brieftasche nicht gerade prall gefüllt ist, stellt sich die Frage, ob „die Neue“ wirklich neu sein soll oder ob eine Gebrauchtwaffe nicht vielleicht die bessere Wahl ist. Der Gebrauchtwaffenmarkt ist zurzeit sehr interessant und das Angebot riesig. Der Kauf von gebrauchten, technischen Gegenständen ist aber immer auch ein Risiko, und vor dem Kauf sollte Funktion und Beschaffenheit genau
geprüft werden.

Kipplaufwaffen
Wichtig bei allen Kipplaufwaffen ist die Passung von Holz- und Metallteilen. Die Rückstoßkräfte werden von sehr kleinen Flächen aufgenommen, und viele Modelle, besonders Drillinge, werden von lediglich einer Schraube quer durch den Schafthals zusammengehalten. Die Seitenteile des Schaftes vorn an der Basküle sind besonders
bei Blitzschlossmodellen nur 3–4 Millimeter stark — hier kommt es häufig zu Schäden. Typische Zeichen sind Haarrisse, die hinten am Kasten sichtbar werden, oder kleine
Absplitterungen. Dünne, sonst kaum sichtbare Haarrisse hinter dem Kasten lassen
sich mit Hilfe des „Öltests“ feststellen. Einfach eine dünne Schicht Öl auf die besonders gefährdeten Stellen hinter dem Kasten streichen und die Waffe öffnen und wieder schließen. Beim Öffnen dringt das Öl durch die nachlassende Belastung in den Schaft
ein und wird beim Schließen wieder herausgepresst. Dünne Risse in der Holzstruktur sind so gut zu erkennen.

Waffe
Außen hui, und innen pfui? Auch wenn die Waffe optisch gefällt, muss man das Laufinnere prüfen
Mit einer Nadel wird die Verlötung überprüft. Bleibt sie hängen, muss nachgebessert werden

Sind äußerlich Spuren am Schaft sichtbar, die auf eine Beschädigung hindeuten, sollte die Waffe von einem Fachmann zerlegt und genau untersucht werden. Zunächst wird die einwandfreie Verlötung der Läufe kontrolliert, denn fehlerhafte Lötstellen verursachen bei der Reparatur hohe Kosten. Die Läufe werden mit dem Griff eines Schraubendrehers
abgeklopft — und zwar entlang der Schienen auf der ganzen Länge. Dabei hält man die Läufe zwischen den Fingerkuppen und achtet darauf, dass die Riemenbügel nicht anliegen. Bei intakter Lötung reagieren die Läufe wie eine Stimmgabel, der Ton klingt eine Weile nach. Ist das Geräusch dumpf oder rau, muss die Stelle genauer untersucht werden.
Das geht mit einer gewöhnlichen Nadel aus Stahl, deren Spitze innen in der Fuge zwischen
Lauf und Schiene entlanggezogen wird. Man fühlt sofort, wenn Zinn fehlt. Die Nadel bleibt dann hängen. Bei kombinierten Waffen wirkt sich eine lose Schiene verheerend auf die Präzision aus. Das Verlöten ist teuer, denn anschließend muss das Laufbündel auch
wieder neu brüniert werden. Besteht bei einer Waffe der Verdacht, dass die Verlötung nicht
dicht ist, sollte ein Fachmann die Waffe überprüfen. Er wird sie „abdrücken“, das heißt, über eine vorhandene Öffnung, etwa das Schraubenloch für den Riemenbügel oder bei Drillingen das Loch für die Stange des Klappvisiers, Druckluft zwischen die Läufe blasen.
Zuvor wird Seifenwasser über die Lötfugen gepinselt. So wird sofort sichtbar, ob die Schiene an einer Stelle lose sitzt. Besonders Schrotläufe, die sehr dünne Wandungen haben, sind empfindlich gegenüber mechanischen Belastungen. Deshalb müssen sie sorgfältig auf Aufbauchungen kontrolliert werden. Das hört sich einfach an, ist aber in
der Praxis gar nicht so leicht. Eine flache und symmetrische Aufbauchung ist schwierig zu entdecken. Die beste Methode ist, entlang der Außenseite des Laufbündels zu sehen, wobei sich das Auge etwa 10 Zentimeter hinter dem Patronenlager befindet. Der Lauf muss gut beleuchtet sein. Dann wird die Mündung langsam einige Zentimeter angehoben und
abgesenkt. Die kleinste Unebenheit wird so sichtbar. Um die Innenseite zu prüfen, muss Licht von vorn in den Lauf fallen, wenn hindurchgesehen wird. Ideal ist eine kleine Laufprüflampe. Eine Aufbauchung wird als schwarzer Ring sichtbar. Auch wenn es nur ein paar Zehntel Millimeter sind, wird sich ein markanter Schatten abzeichnen. Von Waffen mit Laufaufbauchungen sollte man die Finger lassen, denn sie können nicht repariert werden.
Ob ein Kugellauf innen an einer Stelle weiter ist, lässt sich mit einem stramm sitzenden Patch auf dem Patchhalter des Putzstockes prüfen. Langsam durch den Lauf geschoben, wird eine Unebenweitere Stelle des Laufes sofort durch nachlassenden Widerstand
angezeigt. Der Widerstand muss auf der gesamten Lauflänge gleich bleiben.

Gleitet das Papier widerstandslos zwischen Lauf und Schaft, ist alles in Ordnung
Die Auflageflächen der Laufhaken sind schmal und die Kräfte enorm. Ein neuralgischer PunktSchaft, ist alles in Ordnung

Keine Panik, wenn es rappelt!
Ein etwas lockerer Verschluss ist noch keine Katastrophe und lässt sich in bestimmten Fällen leicht wieder richten. Es kann aber auch eine sehr teure Angelegenheit werden, so dass sich der Kauf einer solchen Waffe nicht lohnt. Häufigste Ursache ist ein abgenutzter
Scharnierstift, und der lässt sich leicht ersetzten. Geringes Spiel im Verschlusskeil verschwindet, wenn der Scharnierstift ausgetauscht wird. Liegt das Problem aber bei der Passung der Laufhaken in der Basküle, wird es schon schwieriger. Hier müsste zumindest
der komplette Schlossriegel ausgetauscht werden, wenn nicht noch andere „Operationen“ notwendig sind. Um festzustellen, ob der Verschluss locker ist, wird der Vorderschaft
entfernt, der Schaft unter den Arm geklemmt und die Waffe kräftig geschüttelt. Wenn
es jetzt in der Waffe „klopft“, ist der Verschluss nicht dicht. Die Laufhaken sollten auf Werkzeugspuren untersucht werden. Oft wird versucht, durch Stauchen das Spiel zu beseitigen. Das gelingt nur kurzzeitig. Nach ein paar Schuss klappert der Verschluss
wieder. Finden sich an den Haken auffällige Spuren – Finger weg! Die Sicherheitsfunktionen
werden kontrolliert, indem die Waffe ungeladen gespannt und entsichert wird. Der Abzug wird etwas belastet und bei belastetem Abzug die Sicherung bedient. Jetzt sollte sich der Abzug etwas nach vorn bewegen. Bei Flinten wird zusätzlich noch die einwandfreie Funktion
der Ejektoren überprüft. Das System muss so arbeiten, dass die Schlösser gespannt werden, bevor die Hülsen aus der Waffe ausgeworfen werden. Werden leere Patronen vorher ausgeworfen, besteht die Gefahr, dass die Waffe nicht weit genug geöffnet und
der nächste Schuss nicht abgegeben werden kann. Am Ende steht die Schussleistungsprüfung. Kipplaufwaffen mit mehreren verlöteten Läufen müssen unbedingt „kalt“ geschossen werden. Zwischen jedem Schuss sollten mindestens 15 Minuten liegen.
Repetierbüchsen Die Kontrolle des Laufes und der Schussleistung erfolgt bei  Repetierbüchsen analog zu den Kipplaufwaffen. Größter Vorteil bei Repetierern ist die Möglichkeit, mehrere Schüsse hintereinander abzugeben. Die reibungslose Funktion des Magazins, der Zuführung und des Hülsenauswurfes ist von großer Bedeutung und muss kontrolliert werden. Dazu werden Exerzierpatronen benötigt. Die gibt es fertig zu
kaufen. Es ist wichtig, das Magazin vollständig zu füllen und alle Patronen nacheinander in das Patronenlager zu repetieren. Der Verschluss sollte leichtgängig arbeiten, und die Patronen müssen sicher ausgeworfen werden. Es wird sowohl mit langsamen, als auch mit schnellen Bewegungen repetiert. Diese 1. Kontrolle ersetzt aber nicht den Test mit scharfer Munition, denn wenn ein Schuss abgefeuert wird und die Rückstoßkräfte wirken, kann es ganz anders aussehen. Alle weiteren Versuche müssen daher auf dem Schießstand
vorgenommen werden. Nach dem Schuss muss sich die Waffe leicht öffnen lassen. Ist der
Verschluss schwergängig und nur mit großem Kraftaufwand zu öffnen, stimmt etwas nicht. Hierfür gibt es mehrere Ursachen. Einmal kann der Gasdruck der Patrone zu hoch sein, was bei Fabrikmunition eher unwahrscheinlich ist. Es kann aber auch daran liegen, dass die Patronenlagertoleranzen zu groß sind oder der Winkel zwischen Patronenlager und Stoßboden nicht stimmt. Rückschlüsse lassen sich hier aus der abgefeuerten Hülse ziehen.
Stark abgeflachte Zündhütchen oder gar Deformationen im hinteren Hülsenteil weisen auf zu hohe Gasdrücke hin. Jetzt die Schuld auf die Patrone zu schieben, ist nicht immer zutreffend. Es kann auch daran liegen, dass der übergang des Patronenlagers zum Lauf
zu kurz ist. Werden Laborierungen mit schweren Geschossen benutzt, die entsprechend lang sind, liegen diese bereits an den Zügen an, und der Ausziehwiderstand aus der
Hülse und der Einpresswiderstand in die Züge fallen zusammen. Das führt zu Gasdrucksteigerungen. Einen zu kurzen übergang erkennt man daran, dass sich der
Verschluss bei Patronen mit leichten, kurzen Geschossen normal öffnen lässt, aber bei Munition mit schweren, langen Geschossen sehr schwergängig ist. Beim Testschießen sollten daher immer Patronen mit schwerem und leichtem Geschoss probiert werden.
Häufiger Mangel bei Repetierern ist ein zu großer Verschlussabstand. Darunter versteht man den Spielraum der Patrone in Längsrichtung bei geschlossenem Verschluss. Normalerweise liegt er bei 0,1–0,15 mm. Ist er zu groß, dehnt sich die Hülse beim Schuss
zu stark in Längsrichtung und kann sogar reißen. Bei zu großem Verschlussabstand
ist an den abgefeuerten Hülsen im unteren Drittel meist ein heller Dehnungsring zu
erkennen. Dann sollte ein Büchsenmacher den Verschlussabstand kontrollieren. Ursache für die schlechte Schussleistung einer Repetierbüchse kann aber auch eine fehlerhafte
System- oder Laufbettung sein. Das System darf nicht verspannt sein, sonst ist keine konstante Präzision zu erwarten. Das wird überprüft, indem eine Systemhalteschraube gelöst wird. Wird die Befestigung gelöst, darf sich das System nicht aus dem Schaftbett heben. Tritt das auf, liegt das System nicht eben im Schaft, und die Bettung muss nachgebessert werden. Der Lauf sollte frei schwingen und keinen Kontakt zum Schaft
haben. Ein Karton von der Dicke einer Postkarte muss sich von der Mündung bis zum Patronenlager zwischen Schaft und Lauf durchziehen lassen. Hakt es, sollte das Laufbett nachgestochen werden. Beachtet man die vorgenannten Hinweise, kann man auf dem
Gebrauchtwaffenmarkt für wenig Geld eine vernünftige Waffe ergattern.

Finger weg!

Lose Laufschienen bei Kipplaufwaffen
• Schrotläufe mit Laufaufbauchung
• Kugelläufe mit Überweite oder schlechtem Zustand
• Haarrisse im Schaft bei Kipplaufwaffen
• Festgestelltes Spiel im Verschluss bei Kipplaufwaffen
• Wenn beim Probeschießen Dehnungsringe an der Patronenhülse festgestellt werden
• Wenn sich der Verschluss bei Repetierbüchsen nach dem Schuss nur schwer
öffnen lässt