Geschossumstellung – Blitzblanke Rohre

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Geschossumstellung

Bleifreie Geschosse sind auf dem Vormarsch — mancherorts sind Jäger gezwungen, sie zu nutzen. Oft ist zu hören, dass bleifreie Murmeln nicht präzise fliegen. Das kann jedoch auch an Fehlern des Jägers liegen. Ein Experte erklärt, worauf bei der Umstellung zu achten ist.

Norbert Klups
Beim Schuss wird, egal ob bleifrei oder -haltig, ein Metallkörper durch den Lauf getrieben, wobei der Laufdurchmesser kleiner ist als der des Geschosses. Das geschieht mit Drücken zwischen 3.000 und
4.500 Bar. Es lässt sich nicht verhindern, dass dabei Geschossabrieb im Lauf zurückbleibt. Der muss entfernt werden, da er sonst Auswirkungen auf die Präzision der Waffe hat und gefährlich werden kann. Wir reden zwar nur von hundertstel Millimetern, aber es ist zu bedenken, dass ein Büchsenlauf von vornherein schon enger ist als der Geschossdurchmesser. Wenn der Lauf durch Ablagerungen
stark verengt ist, kann der Gasdruck so weit steigen, dass er die Waffe sprengt. Nach welcher Schusszahl die Ablagerungen entfernt werden müssen, hängt von vielen Faktoren ab: Geschosskonstruktion,
Geschossmaterial, Mündungsgeschwindigkeit, Laufmaterial und auch dem Lauf selbst. Ist schon das regelmäßige Entfernen der Ablagerungen wichtig, um die Präzision zu erhalten, so kommt beim Wechsel von bleihaltigen auf bleifreie Geschosse noch ein besonderer Umstand hinzu. Denn jetzt müssen die Ablagerungen vollständig entfernt werden. Das trifft aber nur dann zu, wenn von bleihaltigen Mantelgeschossen zu homogenen Geschossen gewechselt wird, also Projektilen, die aus einem Material bestehen. Bei den Brenneke Geschossen TIG und TUG etwa trifft das nicht zu, wenn auf TIG und TUG Nature gewechselt wird, oder auch beim Evolution Green von RWS. Hier wurde lediglich beim Geschosskern von Blei zu Zinn gewechselt, der Außenmantel, der mit dem Lauf in Berührung kommt, ist gleich geblieben. Das trifft auch für das Hornady GMX zu, das aus dem gleichen Material besteht wie etwa das Hornday SST oder das A-Max. Anders sieht es bei den homogenen Kupfer- und Messinggeschossen aus. Dabei ist es sehr wichtig, den Lauf gründlich von Ablagerungen zu befreien — aus Sicherheitsgründen und um eine gute Präzision zu erzielen. Grundsätzlich sind alle  Büchsenläufe für bleifreie Munition geeignet. Ausnahme sind Polygonläufe, die mit homogenen Geschossen aus Kupfer oder Messing zu hohe Gasdrücke entwickeln.

Konstruktion und Material entscheiden
Bei homogenen Geschossen fehlt der weiche Bleikern, wodurch es zu stärkerem Abrieb kommt, da sich diese Geschosse nicht so leicht ans Laufprofil anpassen. Darüber hinaus verwenden manche Hersteller relativ weiches Material, um günstigere Einpresswiderstände zu erzielen. Ein anderer Weg, um beim Einpressen ins Feld-Zug Profil des Laufes überhöhte Gasdrücke zu vermeiden, ist, das Geschoss nicht vollflächig zu führen, sondern nur über Führungsbänder, -ringe oder -rillen.
Die meisten modernen monolithischen Geschosse sind so konstruiert. Durch die geringen Anlageflächen ist das Geschoss aber gegenüber Verunreinigungen und Ablagerungen im Lauf bzw. im Übergangskonus sehr empfindlich. Ablagerungen und Rückstände können die Ursache dafür sein, dass die dünnen Führbänder beschädigt und dadurch das Geschoss nicht mehr zuverlässig im Lauf geführt sowie ausreichend stabilisiert wird. Alles gute Gründe, um den Lauf vor einer Umstellung gründlich zu reinigen. Es müssen aber wirklich alle alten Ablagerungen entfernt werden.
Die Laufreinigung ist heute dank Chemischer Industrie relativ einfach, wenn die richtigen Mittel benutzt werden. Grundsätzlich gibt es 2 Verfahren, die empfohlen werden können. Einmal das chemische Entfernen mit ammoniakhaltigen Mitteln und dann das mechanische Entfernen mit Schleif- bzw. Polierpasten. Mittel ohne Ammoniak sind lange nicht so wirksam, auch wenn ihre Hersteller das immer wieder behaupten. Damit einen Lauf völlig vom Geschossabrieb zu säubern, ist so gut wie unmöglich. Ammoniakhaltige Tombak- und Kupferlöser wandeln kupferhaltige Ablagerungen durch ihren hohen Ammoniakanteil in leicht lösliche Kupfersalze um. Diese sind an ihrer blauen bis grünen Farbe zu erkennen und lassen sich leicht aus dem Lauf schieben. Folgende Löser wirken auf diese Weise: Barnes CR 10, Robla Solo Mil, Sweet’s 7,62, Butch‘s Bore Shine, Shot-Flon und Hoppe’s No. 9 BR.
Beim Gebrauch ammoniakhaltiger Reiniger sind die Gebrauchsanweisungen und besonders die Einwirkzeiten zu beachten. Möglichst Gummihandschuhe tragen und den Arbeitsplatz 55gut lüften! Laufreinigungspasten wirken mechanisch durch feine Schleifkörper, die sie beinhalten. Die Ablagerungen werden abgetragen und die Laufoberfläche poliert, was ein zusätzlicher, nützlicher Effekt ist. Zu diesen Mitteln gehören etwa J-B Bore Paste, VFG-Laufreinigungspaste und auch das eher flüssige KG 2, das aber auch Schleifmittel enthält. Reinigungspasten werden am besten mit Filzen, etwa von VFG benutzt. Damit wird der Lauf so lange poliert bis nur noch blanker Stahl zu sehen ist. Gereinigt wird immer vom Patronenlager aus und keinesfalls darf man den Filz wieder durch die Mündung zurückziehen Damit kann der Lauf schnell eine Vorweite bekommen. Ob das Rohr wirklich sauber ist, sieht der Jäger am besten mit einem Endoskop. Von vorn reinleuchten, hilft zwar auch, aber dabei ist zu bedenken, dass der Materialabrieb im Bereich der stärksten Geschossverformung — also hinter dem Patronenlager — stärker als zur Mündung hin ist. Neben einem guten chemischen Reiniger oder einer Schleifpaste werden noch Putzstock und Bürsten benötigt. Der Putzstock muss von guter Qualität sein, wenn der Jäger damit effektiv arbeiten will. Der Griff sollte sich kugelgelagert drehen lassen, damit die Bürste leicht und problemlos dem Drall des Laufes folgen kann. Hartnäckigen Belag bekommt man, auch wenn er durch chemische Mittel gelöst wurde, nur mit einer Bürste weg. In den Putzkasten gehört also ein Sortiment von Bronzebürsten. Die Bronzebürsten müssen nach dem Putz-Einsatz unter warmem Wasser gereinigt werden, denn Ammoniak greift sonst die Borsten an. Sind sie richtig verschmutzt und verschmiert, bekommt man sie mit Bremsenreiniger wieder sauber. Einfach eine Nacht drin stehen lassen: fertig!
Sind alle Ablagerungen entfernt und der Lauf sauber, kann auf bleifrei umgestellt werden. Zunächst einige Patronen verschießen, damit sich ein gewisser Belag des neuen Geschosses im Lauf bildet. Je nach Lauf können durchaus 5—10 Schuss notwendig sein, ehe sich die maximale Präzision einstellt. Danach wird das Zielfernorhr auf die Treffpunktlage der neuen Patrone eingestellt.
Wer seinen Büchsenlauf gereinigt hat, wird auch eine bleifreie Laborierung finden, die aus seiner Waffe präzise schießt.