Im Bast oder blank?

2876

Zahlreiche Argumente sprechen für eine konzentrierte Jährlingsbejagung im Mai. Doch solange das Gehörn noch vom Bast bedeckt ist, pardonieren viele Jäger die jungen Böcke. Warum eigentlich? Bei der Präparation gilt: Alles ist möglich.

Bast

Peter Diekmann
Sein erster Bock liegt im noch niedrigen Gras. Voller Freude tritt der Jungjäger an das erlegte Stück und begutachtet das geringe Bastgehörn. Ein unvergessliches Erlebnis. Doch dann muss er sich entscheiden: Soll er den Bast mitpräparieren, ihn entfernen und die Stangen ebenso wie den Schädel weiß bleichen oder aber das Gehörn nachfärben?
Um ihm seine Wahl zu erleichtern, stellt die DJZ eine Arbeitsanleitung für alle drei
Möglichkeiten vor:

Schritt 1: Zuerst das Haupt abschärfen. Dazu den Wildkörper so drehen, dass die Unterseiten von Träger und Haupt nach oben zeigen. Das Haupt nun nach unten überdehnen und den Schnitt kurz hinter dem Unterkiefer am Atlasknochen ansetzen
und rundherum ausführen. Mit einer Drehung des Hauptes um die eigene Achse bricht man den noch fest sitzenden Knochenansatz. Ein letzter Schnitt trennt das Haupt vom Träger. Ebenso ist auch der Schnitt von oben möglich.

Mit gezieltem Schnitt das Haupt abschärfen. Foto: Erich Kaiser

Schritt 2: Soll der Bast erhalten bleiben, muss am abgeschlagenen Haupt um die Rosenstöcke herum geschärft werden, um sie von der übrigen Decke freizulegen. Danach die Decke entfernen und den Schädel von groben Fleisch- und Fettresten befreien.

Der Bast muss auf den Stangen bleiben. Fotos: Peter Diekmann
Decke, Fleisch- und Fettreste entfernen.
Den Lecker auslösen.
Vorsicht beim Unterkiefer: Bruchgefahr!

Schritt 3: Um das Haupt auf „halben Schädel“ zu kappen, bedient man sich idealerweise einer Gehörnsäge. Die Schnittführung kann stufenlos bestimmt werden. Darauf achten, dass nicht zu viel Knochen abgesägt wird. Nachbesserungen und Unebenheiten werden später mit dem Bandschleifer ausgeglichen..

Exakter Schnitt mit einer Gehörnsäge.

Schritt 4: Das Schädelinnere gründlich säubern. Gehirn und Lichter ebenso entfernen wie die Nasenschleimhäute, die im oberen Bereich sehr fest sitzen.

Das Schädelinnere vom Gewebe befreien.

Schritt 5: Den Schädel über Nacht in ein Wasserbad legen. Die Flüssigkeit entzieht dem Knochen Schweiß und löst zudem das Bindegewebe. Der spätere Bleichvorgang wird dadurch erleichtert.

Den Schädel über Nacht ins Wasser legen. Foto: Hans Jörg Nagel

Schritt 6 : Vor dem Abkochen muss die Präparationsvariante feststehen.
Tipp: Wenn der Bast erhalten bleiben soll, diesen vorher mit mehreren Lagen Alufolie umwickeln. Zusätzlich empfiehlt es sich, Plastikschablonen unterhalb der Rosenstöcke anzubringen, die ebenfalls den Wasserdampf vom Bast abhalten. Dieser reagiert darauf sehr empfindlich und würde sich von den Stangen lösen.

Gut geschützt: der empfindliche Bast.

Schritt 7: Nun das Abkochen: Die Plastikschablonen sollten knapp oberhalb der Wasseroberfläche liegen. Bei idealem Wasserstand reicht es aus, wenn der Schädel im
Wasserbad in der richtigen Position auf den Unterkiefer, der zuvor in den Topf kommt,
gelegt wird. Ist kein Abkochstativ vorhanden und sind die Stangen lang genug,
Tipp: können sie auch von beiden Seiten mit Hölzern eingeklemmt werden. Diese dann mit Gummi- oder Klebeband fixieren. Denkbar einfach ist das Abkochen, wenn der Erleger keinen Bast mag. Er gibt dann den gesamten Schädel ins kochende Wasser.

Schritt 8: Bei jüngeren Böcken sind die Knochennähte noch nicht gefestigt. Der Schädel darf nicht zu lange gekocht werden, beim Jährling etwa eine halbe Stunde. Alle fünf Minuten den Zustand überprüfen. Lassen sich erste organische Reste bereits vom
Schädel lösen, andere nicht, kann das Entfernen auch in mehreren Schritten geschehen.
Hartnäckig bis zum Schluss halten sich oft die Fettreste: Unter laufendem Wasser mit den Fingern über den Knochen streichen, um zu spüren, wo sich diese befinden. Mit dem Fingernagel lassen sie sich sehr gut entfernen. Erst wenn der Schädel wirklich fett- und gewebefrei ist, beginnt der nächste Schritt.

Schritt 9: Um dem Schädelknochen das unsichtbare Fett zu entziehen, wird das Wasserbad durch Frischwasser ersetzt und
Tipp: unter Zugabe einiger Tropfen Spülmittel erneut zum Kochen gebracht. Dieser  Vorgang kann zwei- bis dreimal wiederholt werden. Unbedingt darauf achten, dass der Schädel nicht zu lange kocht

Schritt 10: Ist der Schädel getrocknet, kann bei allen drei Varianten die Bleichung beginnen. Bei diesem Vorgang Einweghandschuhe tragen, um Verätzungen der Hände zu vermeiden! Soll der Bast dranbleiben, kann dieser wiederrum durch Alufolie geschützt werden. Bei den anderen Varianten können die Stangen einfach mit gebleicht werden. In der Apotheke erhält man dazu 30-prozentiges Wasserstoffperoxid (H2O2).
Tipp: Wird der Schädel vorher mit Watte oder Krepppapier umwickelt und dann mit H2O2 getränkt, hält es sich länger und verteilt sich besser auf dem gesamten Knochen. Über Nacht stehen lassen, dann Watte oder Papier entfernen und unter fließendem Wasser abspülen. Den Schädel anschließend in der Sonne trocknen. Er wird wie von selbst strahlend weiß. Falls sich die Knochennähte des Nasenbeins aufgelöst haben, dieses vor der
Trocknung mit Gummibändern oder Ähnlichem fixieren, damit es sich nicht verzieht.
Für die zweite Variante des komplett weißen Gehörns ist die Präparation hiermit  abgeschlossen

Bleichen und konservieren in einem Schritt.

Schritt 11: Für die erste Variante muss der Bast konserviert werden.
Tipp: Dies gelingt mit Spiritus (oder Alkohol), der dem Bast Flüssigkeit entzieht. Er wird mit einer Spritze an mehreren Stellen unter die Nährhaut injiziert.
Hierzu eignen sich auch professionelle Konservierungsmittel. Zusätzlich die Stangen mit einem Lappen umwickeln, der ebenfalls mit der Konservierflüssigkeit getränkt ist. Ein- bis zweimal wiederholen.
Tipp: Insektenspray auf dem Bast verteilen, um zu verhindern, dass die Stangen von Parasiten aufgesucht werden. Der gleiche Effekt wird mit Haarspray erzielt. Dabei sollte bedacht werden, dass die Haare ihre Geschmeidigkeit verlieren und verkleben. An diesem Punkt ist die erste Variante abgeschlossen

Schritt 12: Damit die Stangen eine natürliche Färbung annehmen, gibt es verschiedene
Möglichkeiten: Schuhcreme, Kaliumpermanganat oder eine Paste aus Holunderbeeren und Walnussschalen, um nur einige zu nennen. Bei sichtbarer Perlung des Gehörns empfiehlt es sich,
Tipp: vorher den Fegevorgang mit geschnittenen Asthölzern zu imitieren und mit Erde eine Grundierung zu schaffen. Anschließend grobe Erd- und Harzreste ausbürsten. Schuhcreme: denkbar einfach und kostengünstig, da in fast jedem Haushalt vorrätig. Mit Schuhbürste oder Lappen in gewünschter Intensität auftragen. Kaliumpermanganat: Preisgünstiges Färbemittel aus der Apotheke. Mit wenig Wasser verdünnen und mit Pinsel oder Lappen vorsichtig auftragen. Unbedingt Einweghandschuhe tragen, um dauerhafte Verfärbungen der Hände auszuschließen. Holunderbeeren und Walnussschalen: Hier ist Geduld bis zum Spätsommer gefragt. Die Naturprodukte dann zu einer Paste vermischen, die mit Einweghandschuhen aufgetragen wird. So lange wiederholen, bis der gewünschte Farbton erreicht ist. Tipp: Nach dem Trocknen können Teile des Gehörns wie beispielsweise die Gehörnspitzen nachträglich mit Schleifpapier aufgehellt werden. Somit ist auch für die dritte Variante der Präparationsvorgang abgeschlossen.

Violettes Kaliumpermanganat färbt braun.

Schritt 13: Um den Schädel richtig aufzusetzen, wird er mit einem Bandschleifer plan geschliffen. Beim Aufsetzen ist erneut persönlicher Geschmack gefragt: Dunkel oder hell, spitz oder rund, Eiche oder Birke – das Brett bietet ebenso wie die Fixierung des Schädels mit Schrauben oder Gehörnklammern zahlreiche Optionen. Unser Jungjäger hat sich letzten Endes für die Bastvariante entschieden. Er wollte den Bock so präparieren, wie er zum Zeitpunkt der Erlegung beschaffen war, also im Bast. Sollte er ihn irgendwann nicht mehr
mögen, sind auch die beiden anderen Varianten noch problemlos realisierbar, indem der Bast nachträglich entfernt wird.

Kompromisslos: So wurde er erlegt.
Kontrastlos: die ungewöhnlichste Variante.
Künstlich: imitiert die natürliche Färbung.