Jagdbegriffe

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Jagdbegriffe

Was den Laubbaum und das Gewehr verbindet, hat sich Burkhard Stöcker angeschaut. Er ist der Herkunft jagdlicher Ausdrücke auf den Grund gegangen.

Die deutsche Waidmannssprache ist eine der umfangreichsten Fachsprachen der Welt. Jeder Jäger beherrscht zumindest einen gewissen Grundwortschatz. Wenn Waidmänner auch souverän mit ihrer Fachsprache umgehen, so mag sich doch manch einer fragen, wo dieses oder jenes Wort herkommt und was seine ursprüngliche Bedeutung war. Da hilft uns die Etymologie weiter, die Wissenschaft von der Wortgeschichte.

Jagen

Jagen

Der Ursprung dieses Wortes ist unklar. Man vermutet eine sprachliche Nähe zum litauischen „joti“, was reiten oder austreiben bedeutet. Als Ausgangspunkt käme auch der griechische Begriff „dioko“ infrage, was soviel bedeutet wie treibe oder auch jage. Andere Quellen deuten auf Ursprünge aus dem altindischen „yahvi“ (jung, Tochter, Letzte, Eilende, Fließende) hin.

Reviere

Mittelhochdeutsch „riviere“ entlehnt aus dem mittelniederländischen „riviere“, „reviere“, was so viel hieß wie „Ufergegend entlang eines Wasserlaufes“. Ursprünglich wohl aus dem Lateinischen „riparius“ (am Ufer befindlich). Zunächst wohl nur für diese Örtlichkeiten als Terminus gebräuchlich, wurde es später in unserem heutigen Sinne als Bereich, Territorium, Landschaft benutzt.

Pirschen

auch Birschen – im Mittelhochdeutschen „birsen“, „pirsen“. Vermutlich ursprünglich aus dem altfranzösischen „berser“ = mit dem Pfeil jagen.

Beute

Wohl aus dem mittelniederdeutschen „buite“ stammend (Tausch, Verteilung, Beute). Als weitere Ursprünge kommen noch infrage altirisch „buaid“ (Sieg, Vorteil) oder walisisch „budd“, was Gewinn, Beute, Reichtum bedeutet.

Mit dem Pfeil jagen – auf diese Bedeutung geht vermutlich unser „pirschen“ zurück. Foto: Burkhard Stöcker

Waffen

Gewehr

Stammt aus dem Althochdeutschen für „giwer“ (Kampf) und „giwerri“ (Aufstand). Mittelhochdeutsch: „gewer“ = blanke Waffe, Befestigungswehr. Früher wohl überwiegend als Terminus für  Verteidigungswaffe (sich wehren) gebräuchlich, dann eingeschränkt für Waffe und schließlich im engeren Sprachgebrauch als „Handfeuerwaffe mit langem Lauf“.

Büchse

Ursprünglich bezeichnete der Begriff ein Gefäß aus Buchsholz, womit wahrscheinlich Buche gemeint war. In unserem Sinne dann schlussendlich: Gefäss aus Buche, das Patronen aufnehmen kann.

Flinte

Geht auf das im Dreißigjährigen Krieg aufgekommene „Gewehr mit Feuer“ (Steinschlossflinte) zurück. Flint ist ein anderer Name für Feuerstein.

Patrone

Entlehnt aus dem französischen „patron“ (Form, Muster, Modell). Ursprünglich war dies die Bezeichnung für die Form der Treibladung von Feuerwaffen, die in den Anfängen aus Papier, Leinwand oder verwandten Materialien hergestellt wurde. Später erst kam dann die Bezeichnung für das Gefäß auf, das Geschoss, Treibladung und Zündhütchen gemeinsam aufnahm.

Ballistik

Der Begriff für die Lehre von der Bewegung geschleuderter oder geschossener Körper kommt aus dem Lateinischen. Ballista ist die Schleudermaschine oder auch das von dieser
geschleuderte Geschoss.

Haarwild

Wild

Wild ist wahrscheinlich aus dem vorgermanischen „weltos“ abgeleitet. Die Bedeutung ist nicht ganz klar. Es könnte umherstreifen oder wandern geheißen haben. Wild und Wald haben möglicherweise gleiche oder ähnliche Ursprünge. Früher wurden auch beide Begriffe mit gleicher Bedeutung verwandt.

Hirsch

Zugrunde liegen hier als Wortursprünge wohl Hirn und Horn. Anderssprachige Bezeichnungen des Hirsches, wie lateinisch „cervus“ oder bretonisch „Caro“, deuten auf Bildungen aus dem jeweiligen Adjektiv für gehörnt hin.

Damhirsch

Eine Verwandtschaft existiert möglicherweise mit dem altirischen „dam“ (Ochse) oder „dam alaid“ (wilder Ochse). Vertretbar scheint auch die Nähe zum indogermanischen „deme“ (zähmen, bändigen) oder auch griechisch „damales“ (junger, noch abzurichtender Stier). Von Letzterem ausgehend kann man auf die Bedeutung gezähmtes oder noch zu zähmendes Haustier schließen.

Mufflon

Aus dem Französischen entlehnt wohl von „mufle“ (Schnauze, Maul) – ein Hinweis auf die kurze, etwas abgestumpft wirkende Ramsnase des Muffelwildes.

Reh

Vermutlich aus einem in mehreren Sprachen verwandten Farbadjektiv für bunt, scheckig entstanden: altirisch „riabach“ (bunt, gefleckt), litauisch „raibas“ (graubunt, buntscheckig, braungelb gesprenkelt) oder aber aus dem altpreußischen „roaban“ (gestreift). Wenn wir auch heute unter bunt oder scheckig etwas anderes verstehen als die doch recht einheitliche Färbung des Rehs, so wurde nach früherem Sprachgebrauch auch etwas Andersfarbiges oft schon als bunt oder scheckig bezeichnet.

Geweih
Hier erschließt sich der Begriff aus dem Mittelniederdeutschen, wo „hertestwich“ Hirschgeweih und „twich“ Zweig heißt. Das Geweih bezeichnet also das „Geäst“ oder „Gezweig“ des Hirsches.

Brunft

Wohl hergeleitet aus dem mittelhochdeutschen „bremmen“ oder aus dem althochdeutschen „breman“, was beides so viel heißt wie brummen oder brüllen. Der Bezug zur Begattungszeit der Hirsche, die ja vornehmlich während der Brunft mit solchen Lauten aufwarten, scheint eindeutig.

Beschlag

Aus dem mittelniederdeutschen „beslän“,was in Benutzung nehmen bedeutet.

Kaninchen

Ist die Verkleinerungsform von Kanin –ursprünglich aus dem lateinischen „cuniculus“.

Hase

Die ursprüngliche Bedeutung ist offenbar „der Graue“. Auch hier gibt es aus anderen Sprachen Hinweise: Im Litauischen bedeutet „sirvas“ grau und „sirvis“
Hase. Altenglisch „hasu“ bedeutet graubraun.

Keiler

Vermutlich Bezeichnung desjenigen, der keilt, wobei das Gewaff mit Keilen verglichen wurde.

Bache

Im Althochdeutschen „bahho“ oder mittelniederländisch „bake“. Beides bedeutet ursprünglich Rücken oder Speckseite. Da der Begriff sich jedoch ausschließlich auf Wildschweine mit Frischlingen bezieht, ist eher eine Verwandtschaft mit dem mittelniederländischen „big“, „bik“, „bag“ für Ferkel zu vermuten. Im Vordeutschen heißt „bakon“ das zu den Ferkeln gehörige Tier.

Fuchs

Vieles deutet darauf hin, dass seine buschige Lunte dem Fuchs seinen Namen gegeben hat. Im Spanischen heißt der Fuchs „raposo“, „rabo“ ist der Schwanz. Ähnliches finden wir im Litauischen:
„uodegis“ = Fuchs, „uodega“ = Schwanz.

Dachs

Der Name ist schon vor dem 11. Jahrhundert entstanden und seine Herkunft schwer nachzuweisen. Am wahrscheinlichsten ist eine Herleitung aus dem germanischen „bahsu“ oder dem altindischen „taksati“, was beides so viel heißt wie verfertigt, zimmert, schafft, behaut – also eine Namensableitung ausgehend vom architektonischen und handwerklichen Schaffen des Dachses.

Marder

Der Ursprung des Namens ist nicht klar. Auffällig ist, dass neben den Namen Marder oder Hermelin häufig ähnliche Namen für junge Frau, Braut erscheinen. So heißt beispielsweise im Litauischen die Braut „marti“. Möglicherweise sind hier Eigenschaften wie Schönheit und Anmut von Hermelin und Marder auf Frauen übertragen worden – oder umgekehrt.

Hermelin

Hier gibt es einige interessante Deutungsansätze. Möglicherweise eine Verkleinerungsform zu althochdeutsch „harmo“, altenglisch „hearma“ = Wiesel. Vielleicht auch aus dem indogermanischen „kormo“, was so viel bedeutete wie Reif, Schnee, Hagel. Auffällig ist die Ähnlichkeit des deutschen Wortes mit dem französischen „hermine“ und dem italienischen „ermellino, armellino“. Beide beziehen sich auf das lateinische „Armenius mus“ (Maus aus Armenien).

Biber

Die Herkunft ist nicht ganz klar, vermutlich aus einem alten Terminus für braun entstanden, sodass der Name schlicht „braunes Tier“ bedeutet.

Federwild

Rebhuhn
Eine sprachliche Verwandschaft zu Rebe scheint klar und ist sicherlich aus dem Weinberg als möglichem Lebensraum entstanden. Weiterhin besteht aber auch die Möglichkeit eines Ursprunges aus dem mittelniederdeutschen „rap“, was soviel bedeutet wie schnell, bezogen auf die Fluggeschwindigkeit der Feldhühner.

Elster

Entstammt möglicherweise aus der Wortsippe „Ecke“, mit Hinweis auf den langen spitzen Stoß. Schwedisch „skata“ = Elster, „skate“ = vorspringende Landzunge, Wipfel.

Rabe

Aus einer lautmalerischen Umschreibung hervorgegangen – indogermanisch „kra-p-no“.

Fasan

Vogel aus der Gegend des Flusses Phasis, einem Zufluss des Schwarzen Meeres, obwohl auch dies nur eines von zahlreichen ursprünglichen Verbreitungsgebieten des Fasans ist, die vom Schwarzen Meer bis nach Japan reichen. Interessant ist hier auch noch die Herleitung des wissenschaftlichen Namens Phasianus colchicus. Denn auch colchicus bezieht sich auf die Landschaft, aus der der Fasan stammt:
Kolchis ist die Tiefebene am Ostrand des Schwarzen Meeres, durch die der Phasis fließt.

Adler

Aus der Zusammensetzung von „Edel-aar“ entstanden. Mittelhochdeutsch „Adel-are“ verweist auf adelige, edle Jagdvögel im Gegensatz zu „are“, was unedle Jagdvögel (Bussarde, Sperber) bedeutet.

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