Jungjäger Blog – Mein erster Fuchs- Unvergessliche Jagdtage

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Am 07.09.2017 war es soweit, eine Woche zuvor hatte ich die letzte Jägerprüfung bestanden und erhielt voller Glückes meinen Jugendjagdschein.

mein erster Fuchs

Es ging für mich nach Brandenburg, in ein altbekanntes Revier, welches ich seit meiner Kindheit kenne und welches ich für den artenreichen Bestand liebe und sehr schätze. Der herzliche Empfang bei meiner Ankunft war erst der Beginn eines unvergesslichen Jagdwochenendes . Bei schönstem Jagdwetter brachen wir zur frühen Abendstunde auf. Der Revierbesitzer, der zugleich ein guter Freund der Familie ist und mich an die Natur und die Jagd herangeführt hat, durfte an meiner Seite nicht fehlen. Wir bezogen einen Stand an einem Kahlschlag, der von Dickungen und Stangenhölzern umgeben war. Die Abendsonne stand über den Kronen und allmählich wurde mir bewusst, dass nun ich die Jungjägerin bin und mein Begleiter „nur“ mein Begleiter war. Es ist ein komisches Gefühl, aber zugleich auch ein unheimliches Glücksgefühl nach jahrelangem Mitgehen zur Jagd, nun die Jägerin sein zu dürfen. Wobei ich bis heute nicht weiß, wer von uns beiden glücklicher und stolzer war. Noch nicht ganz mit diesem Gedanken abgeschlossen, erschien links von uns Rehwild, welches hinten in den Stangenhölzern umherzog. Zu weit weg um das Wild anzusprechen, beobachten wir den Kahlschlag weiter. Als wir erneut die vier Stücke Rehwild zur Gesicht bekamen, konnten wir unter anderem ein Kitz ausmachen. Mein Herz fing immer mehr an zu schlagen und meine Atmung wurde unregelmäßiger. Das Kitz befand sich ca. 70 Meter vor uns, ich machte mich Schussbereit, atmete tief ein und – es knackte im Wald und das Rehwild sprang ab und verschwand in der Dickung.

Der abendliche Ansitz neigte sich dem Ende hinzu, dass letzte Büchsenlicht war noch gegeben, als aus der Dickung ein Fuchsrüde zog und dem Weg folgte. Der Fuchs war schon bekannt und so bekam ich das okay zum Schuss. Es ging alles unglaublich schnell und das Zusammenspiel zwischen uns Zweien war toll. So mäuselte mein Begleiter, der Rüde verhoffte und äugte in unsere Richtung. Noch einmal ging mir alles Erdenkliche durch den Kopf und ich drückte ab. Der Fuchs lag im Knall und eine Achterbahn der Gefühle überkam mich. Ich fing an zu zittern und mein Puls stieg stetig an, ich glaube dieses Gefühl nach dem Schuss kennt jeder Jäger. Auch mein Begleiter war stolz auf mich, dass ich alles Gelernte nun auch praktisch anwenden konnte. Nach meinem ersten Jagdfieber, welches sich langsam legte, borgen wir den Fuchs. Ich konnte einen sauberen Blattschuss antragen und habe mich darüber sehr gefreut. Trotz alledem hatte ich sehr viel Respekt davor, dass ich einer Kreatur das Leben genommen habe. Ich brauchte einige Minuten um mich zu sammeln und das Geschehene ein wenig zu verarbeiten. Wir fuhren zurück zum Hof, wo ich sofort den wichtigsten Familienmitglieder von meinem Jagdglück telefonisch berichtete. Die anderen Jäger waren noch nicht zurück, da sie auf die Sauen warteten. In der Waschküche saßen wir noch einige Zeit, bevor wir schon recht früh ins Bett gingen. Und auch im Schlaf träumte ich noch einmal von der Jagd. Ich muss zugeben, dass war nicht meine ruhigste Nacht! Um halb vier wurde ich aus meinen Träumen gerissen, denn es ging wieder raus. Diesmal begleitete mich ein anderer erfahrener Jäger. Für mich sind die Morgenansitze immer etwas ganz besonderes, weil in den ersten Morgenstunden das Wild noch auf den Läufen ist und alles noch so unberührt scheint. Man erlebt die Natur soviel intensiver. Um vier Uhr saßen wir nun draußen, es war windstill und die milde Temperatur brachte uns nicht zum frieren. Wir mussten nicht lange warten, da erschienen schon drei Stücke Rotwild, darunter ein starker Hirsch, welchen wir mit der Wärmebildkamera einwandfrei ansprechen konnten. So vergingen die Stunden, Füchse und Rehe kreuzten die weitläufige Fläche. Um halb sieben ereignete sich ein wunderbares Schauspiel. Ein Rotwild Rudel von insgesamt 12 Stücken suhlte sich in einem Teich, welcher sich 100 Meter von uns weg befand. Doch einen Schuss anzutragen blieb uns verwehrt, da der Teich im Nachbarrevier lag. Doch allein der Anblick war wunderschön, die Kälber und Schmaltiere suhlten und die Alttiere sicherten alles ab. Atemberaubend. Als das Rudel nach 20 Minuten ganz vertraut in der Dickung verschwand, baumten wir ab.

Wir alle kamen fast gleichzeitig wieder zurück. Da ich die anderen Jäger am Vorabend noch nicht gesehen hatte, bot es sich bei einem gemütlichen Frühstück an mein Erlebnis vom gestrigen Tag noch einmal ausführlich zu berichten. Es ist ein tolles Gefühl, wenn sich die Jäger, zu den man jahrelang aufgeschaut hat und es immer noch tut, sich mit einem freuen.

Aber nicht nur ich kam zu Wort, so berichteten auch die anderen über ihren artenreichen Anblick. Fast jeder bekam Wild vor und es ist schön zusehen, wie viel Wild in dem Revier heimisch ist. Viele Erzählungen später ging es raus, ich fuhr mit auf die Koppel und die anderen Jäger blieben in der Unterkunft. Unwissend was sie für mich vorbereiteten, fuhren wir wieder zurück. Der Mittagstisch war gedeckt, das Essen serviert und ich war gerührt. Ein paar weitere Menschen die mir in den Jahren sehr wichtig geworden waren, sind auch dazu gekommen. Für mich war es ohnehin schon schön, dass unsere Freunde aus Dänemark an diesem Wochenende auch da waren, aber auch mich begleiteten Bekannte aus dem heimischen NRW. Mein Fuchs wurde verblasen, für mich war dies ein sehr emotionaler Moment, denn zum ersten Mal wurde meinem erlegten Wild diese Ehre erwiesen. Da ich mit vielen jagdlichen Brauchtümern auf gewachsen bin, war es für mich etwas ganz besonderes. Anschließend wurden an mich sehr liebe Worte gerichtet und mir wurde viel Waidmannsheil gewünscht. Und auch ich dankte allen noch einmal zutiefst, vor allem aber meinem Mentor, denn ohne Ihn wäre vieles für mich nicht möglich und dies schätze ich sehr. So saßen wir alle zusammen und ließen es uns schmecken. Für mich war ein weiteres Highlight die Bekanntgabe, dass der Stand auf dem ich meinem Fuchs schoss, nun einen Namen trägt der mit diesem Erlebnis verbunden ist. Eine sehr große Ehre für mich.

Es waren zwei wunderschöne Tage, deren zwei weitere noch folgten. Meine Erwartungen wurden komplett übertroffen und ich hätte mir es nicht schöner vorstellen können. Aber gerade diese Tage waren für mich sehr prägend, denn dieser jagdliche Zusammenhalt,die Freundschaft die wahrscheinlich nie so entstanden wäre, diese Freude die man miteinander teilt ist unbeschreiblich.