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Mit Frettchen jagen

  • Kategorie Aktuelles, Jagdpraxis / Brauchtum
  • Datum 2. Oktober 2018
  • Kommentare 0 comment
Frettchen

Stinker unter Tag

Die Kaninchenbesätze steigen hier und da glücklicherweise wieder an. Damit hat das Frettchen als Jagdhelfer Konjunktur. Wie funktioniert das eigentlich mit dem Frettieren?

Morgens an einem trockenen, kalten Wintertag mit den Frettchen in der Transportbox zum befreundeten Pächter ins Revier. Der Hund hat längst gemerkt, was der Tag bringt. Ansetzten des Frettchens an einem befahrenen Bau. Stille. Ein leises Trommeln in der Röhre. Gleich muss der Flitzer springen. Da ist er. Kurz abwarten, bis es sprintet. Der zweite Schuss lässt es rollieren. Der Hund apportiert freudig. So könnte es weitergehen. Ein Jagdtag mit leckerer Beute. Als Frettchenhalter bieten sich auch für den Jungjäger viele Jagdgelegenheiten.

Der erste Pfotenabdruck eines Hundes ist 23 000 Jahre alt. Mindestens so lange bedient sich der Mensch domestizierter Raubtiere, um sie für seine Zwecke einzusetzen. Die drei gezähmten Arten sind Hund, Katze und das Frettchen. Im Gegensatz zu Hunden und Katzen wird ein Großteil der Frettchen im „ursprünglichen Beruf“ eingesetzt.

Wieselartig

Das Frettchen (Mustela putorius furo) stammt vom Iltis (Mustela putorius) ab, ein Vertreter der Marderfamilie. Letzterer ist in ganz Mitteleuropa verbreitet und gehört zur Unterfamilie der Wieselartigen, die den Beinamen Stinkmarder tragen. Das liegt am Geruch. Gesteigert wird dies durch die Absonderung eines Sekretes aus den Analdrüsen. Bei Kämpfen, in Schreckmomenten und auch bei völliger Entspannung kommt es zur Ausscheidung.

Frettchen haben eine Körperlänge von 48 bis 80 Zentimetern. Hiervon entfallen 11 bis 19 Zentimeter auf die Rute. Rüden sind deutlich größer als Fähen. Das Gewicht reicht bei Fähen von 600 bis 1 000 Gramm, bei Rüden von 800 bis 2 000 Gramm. Frettchen sind in vielen Farbvarianten anzutreffen. Die Farbpalette reicht vom iltisfarbenen mit einer dunklen Grundfärbung, gelblicher Unterwolle und hellen Maske bis zum Albino, dem jegliche Pigmentierung fehlt und der rote Seher besitzt. Es gibt keine Rassen.

Kauf und Haltung

Jungtiere kann man beim Züchter im Alter von 8 bis 12 Wochen erwerben. Der Preis liegt, je nach Farbschlag, zwischen 50 und 100 Euro. Frettchen sind verspielt und gesellig. Man sollte sie nie alleine halten. Da sie einen sehr kurzen Magen-Darm-Kanal besitzen, sind mehrere Fütterungen am Tag notwendig. Gefüttert wird mit Frischfleisch, Aufbruch oder Dosenfutter. Pflanzliche Nahrung kann kaum verwertet werden und sollte nicht mehr als 20 Prozent der gesamten Futtermenge betragen. Das Zusammenleben in der Familie ist auch mit Kindern möglich. Aber Vorsicht: Frettchen haben scharfe Zähne!

In der Prägungsphase sollte möglichst viel aus der Hand gefüttert werden. Auch einen Futterpfiff sollte man stets trainieren. Das hilft später bei der Jagd. Viele Streichel- und Spieleinheiten bauen die Bindung zum Menschen auf. Frettchen werden im Haus oder Gehege gehalten. Viel Auslauf und Beschäftigung sind notwendig. Die Tiere benötigen Versteckmöglichkeiten und Röhren in ihrem Umfeld. Da Frettchen schnell leinenführig werden, sind ausgedehnte Spaziergänge mit einem Brustgeschirr und einer leichten Leine möglich.

Zur Vorbereitung auf das Frettieren empfehlen sich Futterschleppen schon in früher Jugend. Durch Röhren gezogen werden die Tiere auf ihr zukünftiges Einsatzgebiet im Bau vorbereitet.

So frettiert man

  • Ein ruhiges Angehen ist Garant für den Erfolg. Der Boden überträgt die Geräusche.
  • Kaninchen sind extrem schnell. Eine gute Reaktion und routinierter Umgang mit der Flinte sind Grundvoraussetzungen.
  • Pro Bau nicht mehr als drei Schützen, um Risiken zu vermeiden. Es hat sich bewährt, zwei Schützen Rücken an Rücken abzustellen.
  • Sackbauten mit nur einer Röhre nicht bejagen.
  • Absolut ruhiges Verhalten beim Erscheinen des Kaninchens am Röhrenausgang. Eräugt der graue Flitzer den Jäger, wird er sofort wieder in der Röhre verschwinden.
  • Flinten mit offener Bohrung benutzen, da meist auf kurze Distanz geschossen wird. Streumunition (ca. 2,5 Millimeter) verwenden.
  • Nicht in unmittelbarer Nähe zu den Ausgängen schießen. Die Kaninchen könnten sich angebleit in die Röhre retten. Nach dem Fressen am angeflickten Kaninchen legt das Frettchen eine Verdauungspause ein, die manchmal sehr lange dauert.
  • Steckt der Jagdhelfer im Bau und erscheint nicht mehr, kann man ein Kaninchen in den Röhreneingang legen und auf den Boden klopfen. Damit wird das Trommeln der Kaninchen vor dem Springen imitiert. Dies hat eine magische Anziehungskraft und schon manches Frettchen zum „Auftauchen“ bewegt.
  • Die Kondition der Frettchen ist begrenzt. Es sollten mindestens zwei für einen Jagdtag zur Verfügung stehen. In großen Bauen können zwei Frettchen zeitgleich an unterschiedlichen Röhren angesetzt werden.
  • Das Anlegen eines Maulkorbs ist umstritten. Das Frettchen kann damit im Bau nicht fressen. Die Gefahr des Verfangens an Wurzeln ist aber groß.
  • Das Tragen eines Glöckchens in unübersichtlichem Gelände hat sich bewährt. Man kann das Frettchen akustisch orten, wenn es den Bau verlässt und nicht den Führer aufsucht.
  • Ein Jagdgebrauchshund zum Apportieren muss an das Frettchen gewöhnt sein. Er darf es im Jagdeifer nicht packen.

Einsatz

In Gebieten mit Kaninchen als „Problemwild“ wird oft frettiert. Auf Friedhöfen, Flughäfen und beim Deichschutz ist die Reduktion zwingend erforderlich. Die emsigen Graber beschädigen Bahngleise und Straßen. Wo Schießen nicht möglich ist, werden Netze an den Röhren befestigt, in denen sich die springenden Kaninchen fangen. Auch die Kombination mit dem Beizvogel hat sich bewährt.

Die Wildschadensersatzpflicht des Jagdpächters sollte man vor Augen haben. Gerade das Wintergetreide ist jetzt gefährdet. Weinreben und Obstbaumrinde stehen das ganze Jahr oben auf dem Speiseplan. Auch wenn diese Sonderkulturen nicht ersatzpflichtig sind, gilt es Schadensbegrenzung zu betreiben. Jährlich 25 bis 30 Nachkommen pro Häsin sind normal. Bei solchen Vermehrungsraten muss rechtzeitig gehandelt werden, bevor Seuchenzüge auftreten. Schon im Sommer kann man gezielt Jungkaninchen mit Kleinkaliberwaffen bejagen. Später im Jahr gibt es weitere Möglichkeiten. Stöberjagd mit Hunden ist erfolgversprechend. Deckungsloses Gelände ist hierfür ungeeignet. Das Frettieren ermöglicht es, überall mit Nachdruck in die Kaninchenpopulationen einzugreifen.

Foto: Werner Nagel, Karl-Heinz Volkmar, Michael Breuer
Quelle: DJV / Foto: Manfred Höfer
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Tag:Frettchen

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littleredfox

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