Mündliche Jägerprüfung – Praxiswissen gefragt

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Bald ist es wieder soweit: Jagdscheinanwärter werden sich der Jägerprüfung stellen. Dem letzten Teil der Prüfung kommt dabei eine besondere Rolle zu. Davor haben viele Prüflinge größten Respekt.

Mündliche Jägerprüfung
Foto: Michael Breuer

Markus Lück
Die mündliche Jägerprüfung bedeutet Ausnahmezustand für viele angehende Jäger am Ende ihrer Ausbildung. Diese Etappe wird häufig als die größte Hürde zum begehrten Schein gesehen. Doch ist das überhaupt berechtigt? In Gesprächen mit Jagdscheinanwärtern kommt immer wieder zum Ausdruck, dass sie Angst haben, denn der Inhalt ist unbekannt. Bedenken wie: „Die können mich doch alles fragen!“ oder „Muss ich wirklich alle Jagd-, Setz- und Brutzeiten auswendig kennen?“, sind Standardfragen an
Ausbilder. Diese Skepsis ist meist völlig unbegründet. In der mündlich praktischen
Prüfung soll der Prüfling beweisen, dass er die für den jagdlichen Alltag benötigten
Grundkenntnisse besitzt. Besonderes Augemerk wird dabei auf Wissen im Fach Waffen und
Gesetzeskunde gelegt. In diesen beiden Fächern verzeihen die Prüfer keine groben Schnitzer. Deshalb sollte man hier lieber eine Stunde Lernzeit mehr investieren, als  Beispielsweise auch noch zu versuchen, alle Entenarten am Flugbild unterscheiden zu können. Sowohl bei der Schießprüfung, als auch bei der „Mündlichen Jägerprüfung“
muss der Prüfling den sicheren Umgang mit der Waffe zeigen. Hierbei sollte eher zu vorsichtig als zu forsch gehandelt werden. Die Prüfer lassen hier keinen Fehler durchgehen. Denn Sicherheit ist oberstes Gebot. Sogar eine vermeintlich bestandene Schießprüfung mit 50 geschossenen Ringen kann noch in die Hose gehen, wenn man die Laufmündung beim Wegstellen der Waffe in Richtung eines Prüfers richtet. Aufgrund dieser besonderen
Bedeutung hat die Ausbildung an der Waffe einen hohen Stellenwert und wird in den Jagdscheinkursen wiederholt trainiert. Somit hat jeder Prüfling die Chance, in diesem Bereich Routine zu entwickeln und sollte entspannt in die Prüfung gehen. Die unbekannte Prüfungssituation ist oft Grund für den Bammel vor der Prüfung. Deshalb bewegt fast jeden Prüfling die Frage: Was erwartet mich? Jedes Bundesland hat da seine eigenen Spielregeln: Prüflinge werden einerorts im geschlossenen Raum gruppenweise geprüft, während in anderen Ländern ein Prüfungsparcours mit diversen Stationen im Gelände aufgebaut wird, den der Prüfling „ohne zu reißen“ überwinden muss. Auch die Dauer der Prüfungen
unterscheidet sich erheblich. Die Zeitspanne reicht von 30 Minuten Prüfungszeit bis zu einer gefühlten Ewigkeit von 1,5 Stunden.

Was wird gefragt?
Wie bei der schriftlichen Prüfung kommen die Fragen der mündlich-praktischen Prüfung aus den festgelegten Fachgebieten. Im Unterschied zum schriftlichen Teil liegt der Fokus hier auf den für den jagdlichen Alltag wichtigen Kenntnissen. Praxiswissen ist gefragt!
Der Fachbereich Wildbiologie wird mit Hilfe von Exponaten geprüft. Anhand verschiedener
Präparate werden Artenkenntnis und das zugehörige biologische Wissen abgefragt.
Zusätzlich können Abgüsse von Trittsiegeln oder verschiedene Losungen zur Bestimmung „eingestreut“ werden. Auch die Setz-, Brut- und Jagdzeiten der wichtigsten Wildarten werden hin und wieder „abgeklopft“. Das Fach Jagdbetrieb ist der größte Bereich. Wie der Name schon vermuten lässt, steht in diesem Fach Wissen, das während des jagdlichen Betriebes benötigt wird, auf dem Prüfstand. Die Themen reichen vom Jagdhundewesen über Wildkrankheiten bis hin zur Wildschadensverhütung. Außerdem prüfungsrelevant sind Bestimmungsübungen zu den Baumarten und Getreidesorten. Die erforderliche Sicherheit bei der Waffenhandhabung wird meist anhand von 2 Jagdwaffen überprüft. Der Prüfling muss dabei den sicheren Umgang mit der Waffe zeigen und Kenntnisse zur Funktionsweise und Aufbau der Waffe beweisen. Meist wird das Wissen zu jeweils einer Lang- und Kurzwaffe abgefragt. Das für viele wohl trockenste Prüfungsfach ist das Jagdrecht. In diesem Fachgebiet müssen neben Kenntnissen im Bereich des Jagd- und Waffenrechts auch Wissen im Tierschutz-, Naturschutz- und Landschaftsrecht belegt werden. Vor allem die Prüflinge, die ihren Jugendjagdschein machen, sollten sich über die Besonderheiten bei der Jagdausübung im Alter von unter 18 Jahren informieren.

Alles halb so wild
Packe ich die Prüfung? Dieser Gedanke schießt jedem Prüfling in der Endphase durch den
Kopf. Mit einer guten Vorbereitung sollte es für jeden Jagdscheinanwärter machbar sein, die letzte Hürde zu überwinden. Wichtig ist vor allem, dass man sich bei der Vorbereitung zur Prüfung nicht mit Kleinigkeiten aufhält, sondern sich einen Überblick über alle jagdlichen Themenbereiche verschafft. Lieber mal an der ein oder anderen Stelle kein Detailwissen haben, als beispielsweise im Bereich des Hundewesens ganz zu versagen.
Ein großer Fehler, der von vielen Prüflingen immer wieder begangen wird, ist das krampfhafte pausenlose Lernen kurz vor der Prüfung. Vor allem das „Büffeln“ in Gruppen, und die auf diese Weise identifizierten Wissenslücken spornt so manchen Prüfling dazu an, sich die Nächte vor der Prüfung mit Lehrbüchern um die Ohren zu hauen. Dieses Verhalten bringt aber meist genau den gegenteiligen Effekt. Das Gelernte bleibt nicht hängen, und der Prüfling wird immer unsicherer. Unmittelbar vor der Prüfung sollte man, auch wenn es schwer fällt, lieber die Finger von den Lehrbüchern lassen. Es ist unmöglich, alles zu wissen! Ein weiterer Fehler, der in den Prüfungen immer wieder begangen wird, ist, Wissenslücken nicht zuzugeben. Ohnehin schon unter enormer Anspannung stehend,
verstrickt man sich bei krampfhaftem Rumraten sehr schnell, wird aufgeregt und verfängt
sich nur in Widersprüchen. Anstatt den Prüfern hier Angriffsfläche für weiteres Nachfragen
in nicht vorhandenes Wissen zu bieten, sollte lieber der Mut zur Lücke bewiesen werden. Noch ein Tipp: Mit einem Scherz rettet man sich in solchen Situationen oftmals besser, als sprachlos vor der Prüfungskommission zu erstarren. Man sollte sich immer wieder vor Augen halten, dass die Prüfer nicht darauf aus sind, auf Teufel komm raus jemanden durchfallen zu lassen, ganz im Gegenteil. Besteht die Möglichkeit, ist es ratsam, sich bei einem erfahrenen Jäger den „letzten Schliff“ für die Prüfung zu holen. Bei einem  gemeinsamen Reviergang können nochmals letzte Fragen zur Bestimmung von Pflanzen und Fährten oder die Beurteilung von Verbissschäden im Wald geklärt werden.
Das ist die beste Vorbereitung. Denn es gilt: In der Praxis lernt man für die Praxis.

Exemplarische Prüfungsfragen

Wildbiologie
1. Nennen Sie Unterschiede zwischen Tauch- und Schwimmenten.
2. Anhand der Unterkiefer sollte das ungefähre Alter (jung, mittelalt, alt)
von Böcken bestimmt werden.

Jagdbetrieb
1. Welche Merkmale weisen auf Erkrankung an Schweinepest hin?
2 Was ist eine Drückjagd?

Waffenkunde
1. Unterscheiden Sie die verschiedenen jagdlich relevanten Messer.
2. Was bedeutet die Ziffer 5 auf einer Schrotpatrone?

Jagdrecht
1. Was ist eine Jagdgenossenschaft?
2. Wieviel Fläche darf ein Jäger maximal allein pachten?