Neuer Trend: Klettersitze

Klettersitze sind voll im Trend. Vor allem die Forstpartie interessiert sich verstärkt für diese mobilen Ansitzeinrichtungen, aber auch immer mehr Privatjäger erkennen deren Vorteile: günstig, maximal mobil, fix angebracht, variable Sitzhöhe …
Hans Jörg Nagel
In vielen Revieren gibt es Plätze, da taugt eine feste Ansitzeinrichtung nichts. Das kann mit jahreszeitlichem Bewuchs, Publikumsstörungen oder Erreichbarkeit zusammenhängen. An anderen Orten hat das Wild die Gefahr, die von der „alten Schlafkanzel“ ausgeht, längst erkannt. Es sichert vor dem Austritt aus der schützenden Dickung ausgiebig in diese Richtung und verkrümelt sich dann lautlos. Schließlich kann auch „stetig falscher Wind“ eine feste Einrichtung unattraktiv machen. Aber gerade in diesem Eck steht die dicke Keilerfährte bzw. findet sich eine interessante Fegestelle. Für solch vielversprechende Plätze bieten sich zum Beispiel mobile Leitern an. Die sind aber oft sperrig im Transport und immer gleichhoch. Das sind Klettersitze nicht. In immer mehr Revieren kommen
sie zum Einsatz, sowohl für Einzelansitz als auch Drückjagden. Der Jäger packt sich den Sitz auf den Buckel, pirscht leise durch die Fichtendickung, findet den einzelstehenden Baum und bringt das Konstrukt in 2, 4 oder 6 Meter Höhe an. Ganz nach Bedarf. Von dort aus hat er nun einen prima Blick auf die Freiflächen in der „grünen Hölle“ sowie totsicheren Kugelfang. Alles gut, sofern der Grünrock schwindelfrei ist: Keiler oder Bock können kommen.




Wie die Raupe
Klettersitze sind meist geschweißte Aluminiumkonstruktionen, bestehend aus Sitzfläche, Plattform und einem Kletter- sowie Befestigungsmechanismus. Alles auf Packmaß reduzierbar. Der Marktführer „Summit“ empfiehlt für den Einsatz Bäume bis etwa 50 Zentimeter Durchmesser. Der Stamm sollte eine griffige Borke (z.B. Douglasie, Kiefer, Eiche) haben und muss weitgehend astfrei sein oder gemacht werden. Beim Aufsteigen trägt der Jäger einen Sicherungsgurt, der um den Baum geschlungen ist. Fuß- und Sitzteil werden am Stamm angebracht und sind waagerecht zu diesem ausgerichtet. Beide Teile sind mit einem Seil verbunden. Nun geht’s hoch hinaus. Abwechselnd be- und entlastet das „Äffle“ Fuß- sowie Sitzteil – und schiebt das jeweils „freie Element“ nach oben. Das erinnert 55an den Raupengang: Ein Teil ruht, eins bewegt sich. Aufgrund des Verschrägens der Elemente durch das Körpergewicht des Kletterers halten diese unter Druck bombenfest. Ein Runterrutschen ist so gut wie ausgeschlossen. Für den Ausnahmefall greift das Verbindungsseil als Sicherung. Oben angekommmen, kann der Klettersitz durch Gewichtsverlagerung noch feinjustiert werden. Das alles geht schnell und leise. Die Waffe liegt beim Aufstieg auf dem Sitzteil (Zieloptiknach außen, damit das Glas abrutschen verhindert) oder wird von oben mit einem Seil vorsichtig hochgezogen. Abenteuer pur!
Kompakt und leicht
Nach der Jagd geht es auf gleiche Weise wieder runter. Das Konstrukt „zusammengefaltet“ – und ab zum Auto. Klettersitze sind nicht nur für junge Jäger interessant. Mit Zeit und Muße schafft sich auch der ergraute Grünrock auf schwindelerregende Baumhöhe hoch. Die Verpackungsgröße von Klettersitzen (Transport) beträgt rund 0,5 mal 1 Meter. Die Pakete wiegen um die 10 Kilo und sind für Belastungsgewichte bis rund 140 Kilo ausgelegt. Klettersitze können natürlich auch tief am Baum angebracht werden (Drückjagden), als Maximalhöhe empfehlen die Hersteller 12 Meter. Die tragbaren Ansitze kosten von 300 bis 450 Euro. Da die Nachfrage hoch ist, muss mit Lieferzeiten von 4 Wochen und mehr gerechnet werden.
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