Panne im Revier
Raus aus dem Schlamassel
Wer im Gelände fährt, bleibt auch mal stecken. Welche Hilfsmittel und Tricks wirklich aus
der Patsche helfen, verrät ein Praxistest.

Seit Wochen regnet es schon. Es ist Dezember, Temperaturen rund um den Gefrierpunkt. Der Boden hat sich mit Wasser vollgesogen. Wege im Revier sind verdammt rutschig.
Heute ist Drückjagd. Schon bei der Ansprache macht der Jagdherr auf das tiefe Geläuf aufmerksam. Nur Autos mit grobstolliger Bereifung sollten für Fahrgemeinschaften genutzt werden. Aber Fahrgemeinschaften und Drückjagd, das passt zusammen wie Fisch und Fahrrad. Jeder will sein eigenes Auto mit den Tausenden von Jagdutensilien mitnehmen. Wenn 2 Jäger sich ein Auto teilen, ist es schon ein gutes Ergebnis.
Es kommt, wie es kommen muss: Ein untalentierter Autofahrer parkt seinen neuen SUV derart hirnlos auf dem Weg, dass ein Auto beim Vorbeifahren in den Graben rutscht. Endstation, denn die Winterreifen, mit gerade ausreichender Profiltiefe für die Straße, setzen sich bei den Anfahrversuchen direkt zu.
Fußmatte
Der wohl bekannteste Tipp nach dem Festfahren ist, die Fußmatten unter die Reifen zu legen. Das funktioniert auch. Schwieriger wird es aber, wenn das Auto richtig festsitzt. Dann ergreift der drehende Reifen die Gummimatte und schleudert sie auf der anderen Seite wieder raus. Sitzt der Geländewagen richtig fest, müssen stärkere Geschütze aufgefahren werden.
Bergegurt
Für solche Aktionen ist es sinnvoll, wenn der ein oder andere Jäger in seinem Geländewagen einen Bergegurt parat hat. Falls nicht rückwärts mittels Anhängerkupplung rausgezogen wird, sollten noch 2 Schäkel dabei sein. Der Bergegurt darf nicht zu kurz sein, sonst bleibt das Zugfahrzeug schnell hängen. Mindestens 10 Meter sollte das stabile Seil lang sein.
Beim Herausziehen sollte das Zugfahrzeug schwerer sein als das zu schleppende. Außerdem muss der Ziehende geradeaus fahren, denn nur so kommt die Kraft richtig auf den Boden. Beim Anziehen niemals zwischen den beiden Fahrzeugen stehen, denn der Gurt kann reißen.
Reifen
Grobstollige Geländereifen sind für schlammige Wege ideal. Auf der Straße haben sie Nachteile
Wer steckenbleibt, aber erst einmal sich selber helfen will, der sollte den Reifendruck reduzieren. Rund 1 bar ist für den maximalen Grip im Schlamm optimal. Aber Vorsicht: Wird der Druck zu gering, kann das Gummi auf der Felge rutschen.
Grundsätzlich sind grobstollige AT- oder MT-Reifen fürs Gelände optimal. Nachteile: ein höherer Kraftstoffverbrauch, lautes Abrollgeräusch und schlechte Straßeneigenschaften. Besonders im Winter bei Nässe, Schnee oder Eis greifen die groben Gummiblöcke der Geländerreifen nur schlecht.
Kette
Anfahrhilfe-Ketten von Frankonia. Montage beim festgefahrenen Auto kein Problem. Toller Grip
Wer nur abseits befestigter Wege fährt, kann Schneeketten aufziehen. Um sie zu montieren, muss das Rad aber frei und drehbar sein. Steckt das Auto im Schlamm oder Schnee fest, ist es zu spät. Frankonia hat seit kurzem Anfahrhilfen im Programm. Bei der Allrad-Variante handelt es sich um 2 doppelte Ketten mit Querverbindungen. Sie können auch bei einem Festgefahrenen Geländewagen mittels Zurrgurt um die Felge montiert werden. Das dauert keine Minute pro Rad.
Durch den Textilgurt wird die Felge nicht verkratzt. Einzige Voraussetzung für die Montage sind ausreichend große Öffnungen, die aber die meisten Räder haben. Diese Anfahrhilfe für knapp 50 Euro ist ihr Geld wert: Sobald das durchdrehende Rad die Kette in den Schlamm drückt, gibt es deutlich Vorschub. Aber bitte nur als Anfahrhilfe nutzen, ein Dauerbetrieb wie mit Schneeketten ist nicht möglich.
Luftkissen
Ein Luftkissen für den Reifenwechsel im Revier. Gute Idee, aber die Hubhöhe reicht nicht aus
Nicht immer steckt das Auto nur in Schnee oder Matsch fest, machmal sind auch Löcher im Mantel. Dann muss entweder Reifenpilot durch das Ventil eingesprüht, oder das Ersatzrad montiert werden. Ganz so einfach wie auf der Straße geht es aber im Revier meist nicht. Unebener Boden, weicher Untergrund oder abschüssiges Gelände sind die Herausforderungen an den „Bruchpiloten“.
Ein Luftkissen scheint hier die optimale Lösung. Die gelbe „Gummitonne“ wird mittels Abgasen aufgepumpt. Da ist schon das erste Problem: Moderne Autos haben sehr häufig eine Blende am Endrohr. Wird der Adapter mit Schlauchanschluss daraufgedrückt, entweichen die Abgase an den Schlitzen zwischen Endrohr und Blende. Resultat: Die Tonne bleibt schlapp.
Hat das Auto keine Verkleidung am Endrohr, passt der Aufsatz mit Anschlussschlauch. Theoretisch funktioniert jetzt das System. Dank Rückschlagventil bläst sich das Kissen auf, der Trichter muss jedoch mit aller Gewalt auf den Auspuff gedrückt werden, sonst fliegt er sofort weg.
Nach wenigen Sekunden hebt sich das Test-Auto, allerdings nur so weit, dass kein Rad frei in der Luft hängt. Reifenwechsel ist so unmöglich! Bis der serienmäßige RAV sich so weit erhob, bedurfte es 5 Anläufe. Grund dafür war die stets schräge Stellung der gelben Tonne.
Bei dem Test war der Untergrund fest und relativ eben. Geht man davon aus, dass im Revier nicht immer solche Idealbedingungen beim Reifenwechsel herrschen, ist das Wagenheber-Kissen als untauglich einzustufen.
Wer auf Nummer Sicher gehen will, sollte sich ein Brett in den Kofferraum legen. Bei einer Reifenpanne im Schlamm wird dies dann unter den Wagenheber gelegt. Normalerweise reicht das aus, vorausgesetzt das Fahrzeug ist nicht höhergelegt. Für hochbeinige Geländewagen ist ein High-Lift der sinnvollste Helfer bei einer Reifenpanne.





