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Investition Zielfernrohr

Eine günstige Waffe schießt in aller Regel besser als eine günstige Zieloptik trifft. Um bei der Wahl des Zielfernrohrs nicht auf die Nase zu fallen, ist auf einiges zu achten.

Zielfernrohr
Foto: Peter Diekmann

Ein gewagter Blick ins Jahr 2050: Zielfernrohre mit automatischem Zielerken­nungssys­tem sind etabliert.

Ein Fuchs, der auf 200 Meter vorbeischnürt, wird vom System erkannt und formatfüllend herangezoomt. Im unteren Bilddrittel werden Zielentfernung und automatische Haltepunktkorrektur angezeigt. Mit jedem Zentimeter, den sich Fuchs oder Waffe bewegen, verändern sich diese Daten blitzschnell. Der Rotrock hat keine Chance. Bis 300 Meter und bei ruhiger Hand verspricht der Hersteller Erfolg.

Ein Blick zurück: In den 1920er Jahren startete die Erfolgswelle der ersten Zielfernrohre. Anfangs noch als unweidmännisch verpönt, statteten immer mehr Jäger ihre Waffen mit Zielfernrohren aus.

Parallelen in der jüngeren Vergangenheit: Als Leuchtabsehen auf den Markt kamen, wurden sie als „Spielerei“ belächelt. Inzwischen wird ein Großteil der Produktion mit ihnen ausgestattet. Die neuesten Modelle haben sogar integrierte Entfernungsmesser und korrigieren den Haltepunkt.

Die Erfahrung zeigt, dass sich sinnvolle Innovationen durchsetzen. Es gibt aber weiterhin Optiken mit fester Vergrößerung und kleinem Objektivdurchmesser, die sich im jagdlichen Einsatz befinden. Dies spricht für die Qualität der ersten, fast 100 Jahre alten Zielfernrohre.

Spezial oder universal?

Vor jeder Entscheidung steht die Frage: Was möchte ich mit meiner Zieloptik erreichen? Der passionierte Sauenjäger hat andere Anforderungen als ein begeisterter Bergjäger. Das jagdliche Betätigungsfeld entscheidet deshalb über die Wahl der Optik. Wer gerne und viel auf Füchse und im Gebirge jagt, verlangt nach hohen Vergrößerungswerten. Diejenigen, die nachts den Sauen nachstellen, brauchen einen großen Objektivdurchmesser, um auch bei wenig Licht genug zu erkennen.

Beim ersten Waffenkauf wird in der Regel aus finanziellen Gründen nach einer Universalwaffe gesucht. Das ist entweder eine Kombinierte oder ein Repetierer. Um möglichst viele jagdliche Anforderungen mit dieser Waffe abzudecken, liegt die Entscheidung nahe, sich auch für ein Universalglas zu entscheiden. Hier hat sich in den vergangenen Jahren einiges getan.

Variable Vergrößerungen gibt es zwar schon lange, doch haben sie sich erst in jüngster Zeit so etabliert, dass feste Vergrößerungen in den Hintergrund getreten sind. Zur Mitte des 20. Jahrhunderts galten 6-fache Zielfernrohre mit 42 Millimeter Objektivdurchmesser durchaus noch als Universalglas. Heutzutage verfügen solche Optiken über eine variable Vergrößerung und einen Objektivdurchmesser von bis zu 50 Millimetern. Sie eignen sich mit 1- bis 4-facher Vergrößerung für Drückjagden, reichen mit 10- oder 12-facher Vergrößerung aber auch für Schüsse auf weit entfernt stehendes Wild.

Anstelle des früher sehr gängigen Absehens 1 sind heute Leuchtabsehen gerückt, die bei schwachem Licht eine sehr große Sicherheit über die Platzierung des Schusses liefern.

Technik, die begeistert

Alt bedeutet nicht zwangsläufig überholt. Natürlich steht die Leistungsfähigkeit moderner Qualitätsoptiken außer Frage. Wer das Geld hat, sich ein Zielfernrohr eines Premium- oder zumindest Markenherstellers zu kaufen, das keine Wünsche offen lässt, soll das tun.

Es steigert nicht nur den Wiederverkaufswert der Waffe, sondern bietet mit verschiedenen Vergrößerungen, Lichtstärke und Beleuchtungseinheit einen Standard, der die Jagd auf weite Entfernungen und bei schlechtem Licht nicht nur komfortabel getaltet.Es eröffnet auch Möglichkeiten, die mit manch anderem Zielfernrohr nicht gegeben sind.

Dennoch ist ein Glas, das in den 1960er Jahren als Universalglas galt, auch heute noch für den Großteil der jagdlichen Praxis verwendbar. Zahlreiche Jäger weidwerken noch heute mit fester Vergrößerung, Absehen 1, geringem Objektivdurchmesser und ohne Leuchtpunkt.

Foto: Heino Petersen

Neu oder gebraucht?

Es stellt sich vielmehr die Frage, was der Geldbeutel hergibt und ob man sich für eine Gebraucht- oder Neuwaffe entscheidet. Grundsätzlich ist der Gebrauchtwaffenmarkt groß und im Vergleich günstig. Mit etwas Geduld findet man gut gepflegte Jagdwaffen, die ein Bruchteil des heutigen Neupreises kosten.

Greift man zu einem gebrauchten 98er Repetierer, ist der Schlossgang zwar nicht immer der weicheste. Für unter 500 Euro bekommt man aber ein äußerst zuverlässiges und bewährtes System, das meistens mit einer sehr soliden Suhler Einhakmontage und 6-fachem Zielfernrohr ausgestattet ist.

Selbst der Nachtansitz auf Sauen kann damit erfolgreich sein, genügend Licht vorausgesetzt. Aber Hand auf’s Herz: Selbst die lichtstärksten Zieloptiken verschaffen dem Jäger in dunklen Nächten keinen Durchblick.

Es ist möglich, die Zieloptik bei Gebrauchtwaffen mit einer neueren Variante zu ersetzen. Allerdings ist dann meistens auch eine neue Montage fällig. 2 000 Euro Komplettpreis sind schnell erreicht. Hier muss jeder selbst abwägen, wieviele zusätzliche Minuten in der Dunkelheit und wieviele Meter im Feld- oder Bergrevier ihm die Mehrinvestition wert ist.

Entscheidet man sich hingegen für eine Neuwaffe, muss ohnehin eine Zieloptik gekauft werden. Wer das Geld hat, sollte alleine schon aufgrund des Wiederverkaufswerts in eine neue Marken­optik mit den benannten Kriterien investieren. Aber auch bei einer solchen Waffe bietet der Gebrauchtmarkt günstige Alternativen.

Montage

Die beste Zieloptik zählt wiede­rum nichts ohne vernünftige Montage. Der Markt bietet zahlreiche Varianten. Da die Verbindung von Montage und Waffe oft mit Arbeiten am Lauf einhergeht, ist dies eine Sache für den Büchsenmacher. Er hat die Fachkenntnis und kann den Kunden beraten, wieviel sinnvollerweise investiert werden sollte.

Allein aus Tierschutzgründen genießt Qualität oberste Priorität. Di­es gilt für die Zieloptik, die Zielfernrohrmontage und das Montieren der Gegenstände auf der Waffe. Wer Gebrauchtwaffen mag, kann viel Qualität für wenig Geld bekommen. Wer technisch auf dem neuesten Stand sein möchte, muss hingegen deutlich mehr ausgeben. Denn Qualität hat bei Neuware ihren Preis. Dies gilt insbesondere für Optik.

Jagdwaffen sollten nur mit Markenprodukten bestückt werden. Als Merksatz gilt: Ohne gescheite Zieloptik und bombenfeste Montage trifft die beste Waffe nicht. Also lieber bei der Waffe als bei der Optik sparen.

Ein Tipp zum Schluss: Es frustriert, die Sauen in der Dämmerung mit einem 8x56er Fernglas noch zu erkennen, wenn ich mit meinem 6x42er Zielfernrohr nichts mehr sehen kann. Die Investition in ein ordentliches Zielfernrohr ist also wichtiger. Denn auch damit kann man ansprechen. Mit einem Fernglas aber nicht schießen.

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