Tipps für die Baujagd

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Ruhe am Bau!
Füchse müssen gerade in Niederwildrevieren kurz gehalten werden, keine Frage. Ein wichtiger Baustein dazu ist die Baujagd. Wie man diese richtig vorbereitet, was die Schützen beachten müssen und welche Hunde zum Einsatz kommen sollten, hat Joachim Orbach zusammengefasst.

Revidieren der Baue
Soll insbesondere am Naturbau gearbeitet werden, beginnt man am Vormittag mit dem Revidieren der Baue, die dem Revierführer als eventuell befahren bekannt sind.

Beginn der Baujagd
Vor 10 Uhr sollte man nicht loslegen, da immer noch Füchse unterwegs sein könnten. Bei zu spätem Beginn könnte eintretende Dunkelheit die Arbeit allerdings erschweren, wenn zum Beispiel ein Einschlag gemacht werden muss oder eine Nachsuche ansteht, was immer vorkommen kann.

Naturbaue
Fuchs und Dachs stecken gerne gemeinsam in großen Naturbauen. Da der Dachs nur selten vor dem Hund springt und sowieso in den Wintermonaten Schonzeit hat (außer Mecklenburg-Vorpommern), sollte man solche Baue nur mit einem erfahrenen Erdhund arbeiten, der am Dachs abbricht. Ansonsten solche Baue meiden. Diese erkennt man oft an den Dachsrinnen oder -kloaken.

Künstliche „Behausung“
Erfahrungsgemäß steckt der Fuchs weit weniger oft in den angestammten bekannten Naturbauen, wenn trockenliegende Wegdurchlässe, Drainagerohre oder Kunstbaue vorhanden sind. Die Anlage von künstlichen Revierbauen empfiehlt sich besonders dort, wo die Fallenjagd nicht möglich ist und/oder natürliche Tagesdeckung für die Füchse fehlt.

Erdhunde
Egal ob Terrier oder Teckel – reine Vorlieger, also Erdhunde, die stundenlang verbissen am Raubwild vorliegen, wenn der Fuchs einmal nicht umgehend springt, sind für die „zügige“ Jagd ungeeignet. Altmeister Rudolf Frieß bezeichnete einst den Prototyp für die Fuchsjagd unter der Erde als „Flieger“. Das ist ein Erdhund, der gezielt dem Fuchs zusetzt, aber zwischendurch immer wieder ans Tageslicht kommt, um eine andere Röhre anzunehmen oder um sich zu vergewissern, ob oben sein Führer noch steht. Wichtig ist, dass er sich notfalls auch abnehmen lässt.

Einsatz der Erdhunde
Über den Einsatz seines Hundes oder seiner Hunde entscheidet grundsätzlich der Hundeführer allein. Dies trifft insbesondere auf die Anzahl der Bodenjagdeinsätze sowie auf Dachsburgen und Felsenbaue zu. Vorrangig ist immer die individuelle Kondition des Vierläufers zu berücksichtigen.

Anzahl der Erdhunde
Vornehmlich in kleinen Naturbauen, Wegdurchlässen, Drainagerohren und künstlichen Revierbauen sollte man ausnahmslos nur mit einem Hund arbeiten. Auch eingearbeitete Gespanne gefährden sich gegenseitig. Bei großen Bauanlagen kann es angebracht sein, zwei Hunde, die sich genau kennen, einzusetzen. Ein erfahrener Altfuchs lässt sich von einem einzelnen Hund in einem „ Riesenbau“ gern hin und her jagen, ohne zu springen. Der zweite Hund wirkt hier unter Umständen „Wunder“. Die Entscheidung liegt aber auch hier beim Hundeführer.

Mitführen eines Verlorenbringers
Wird ein Verlorenbringer zur Bodenjagd mitgeführt, muss er Standruhe halten und angeleint bleiben, so lange der Erdhund im Bau arbeitet. Weitere Hunde haben bei der Bodenjagd nichts zu suchen.

Jagdleitung
Der Jagdleiter sollte natürlich mit der Baujagd vertraut sein, sonst überlässt man für den Tag des Baujagdeinsatzes besser die Jagdleitung dem erfahrenen Hundeführer – selbst wenn dieser ein Gast ist.

Angehen
Äußerste Ruhe – gilt auch für Handys – ist bereits beim Angehen und anschließendem Anstellen selbstverständlich.

Anstellen
Die Windrichtung ist schon vor dem Anstellen zu beachten: Immer gegen den Wind anstellen. Nach Möglichkeit, vor allem bei Bauen, die in einem unübersichtlichen Gelände liegen, ist es ratsam, die beteiligten Schützen weiträumig abzustellen. In keinen Fall ist der angewiesene Stand unaufgefordert zu verlassen. Es ist auf gutes Schussfeld zu achten, und jeder Teilnehmer muss sich durch Handzeichen mit dem Nachbarschützen verständigen. Sitzstöcke nicht vergessen! Direkt am Bau agiert nur der Hundeführer.

Anzahl der Schützen
Baujagd sollte nicht in Treibjagdstärke ausgeübt werden. Je nach Geländebeschaffenheit genügen in der Regel zwei bis vier Schützen. Natürlich kann die Bodenjagd als revierübergreifende Aktion viele Jäger ansprechen.

Schussabgabe
Nicht nur für die Sicherheit des Hundes ist es wichtig, niemals den Fuchs kurz vor oder in der Einfahrt zu beschießen, sondern ihn vom Bau weg flüchten zu lassen. Vorsicht ist auch geboten, wenn der Hund dem flüchtenden Fuchs dicht folgt. Mit Ausnahme für einen Fangschuss bei einem Einschlag durch den Hundeführer werden bei der Bodenjagd keine Kugelgeschosse verwendet. Wenn der Fuchs nicht springt Flüchtet der Fuchs – was durchaus vorkommen kann – auch vor dem firmen Erdhund einmal nicht aus dem Bau, nimmt der Hundeführer seinen Vierläufer ab. Die Schützen verharren aber weiter auf den Ständen. In der Regel springt der Fuchs nach kurzer Zeit – wenn jetzt auch äußerst vorsichtig – von selbst. Grabeinsatz beziehungsweise Einschläge Falls einmal ein Grabeinsatz erforderlich ist, sollte in jedem Revier entsprechendes Schanzzeug zur Verfügung stehen.

Bauhundsender
Mit dem Bauhundsender ist man in der Lage, seinen Hund unter der Erde genau zu orten und ihm notfalls durch einen Einschlag zur Hilfe zu kommen.

Versorgung von Hund und Mensch
Schutzimpfungen der Erdhunde gegen Tollwut, eine regelmäßige Entwurmung, eine vorsorgliche Behandlung gegen Ektoparasiten sowie das Mitführen von Material zur Behandlung von Verletzungen und zur Augenspülung sollten in der heutigen Zeit selbstverständlich sein (evtl. den Tierarzt fragen). Ebenso sind für den Menschen gewisse Vorsichtsmaßnahmen, wie die Benutzung von Einweghandschuhen beim Umgang mit gestreckten Füchsen, angeraten. Nach Ende des Bodenjagdeinsatzes sollte auch eine entsprechende Versorgung unseres vierläufigen Jagdgehilfen – insbesondere mit Trinkwasser – selbstverständlich sein.

Anmerkungen
Wer in den Wintermonaten die Baujagd ausüben möchte, sollte, wenn er keinen eigenen Erdhund hat, sich rechtzeitig mit einem Hundeführer in Verbindung setzen.