Unser Wald

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Steckbrief Baumarten

Unser Wald: Zwischen Lebensraum und Wirtschaftsfläche

 „Er sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht“, lautet ein altes Sprichwort. Auch wenn der ­Charakter ­eines Waldes primär durch die bestandsbildenden Bäume bestimmt wird, ist Wald wesentlich mehr als nur eine Ansammlung von Bäumen. Andreas David erklärt, welche ­Wald-­Nutzungsformen es gibt und welche Bedeutung sie für das Wild haben. Außerdem haben wir die verschiedenen Baumarten in Steckbriefform für Sie zusammengefasst.

Wald bedeutet für viele Mitbürger noch immer Natur pur oder zumindest naturnahes Erleben. Doch abgesehen von einigen wenigen Kleinstreservaten hat der heute exis­tierende deutsche Wald nur noch wenig Gemeinsamkeiten mit dem ursprünglichen und natürlichen Lebensraum vieler Tier- und Pflanzenarten, dem (Nat-)Urwald. Denn dort findet man weder Schneisen oder Wirtschaftswege, noch gibt es in ihm Altersklassenwälder, Zielstärkennutzung, Kahlschläge, Erst­durch­forstungen oder Gatter.

Stichwort Wirtschaft – waren es in Urzeiten vor allem klimatische Veränderungen, die das Gesicht des Waldes prägten, gefolgt von Rodungen zur Landgewinnung, Waldweide, Streu- und Brennholznutzung, ist es heute in erster Linie die geordnete Forstwirtschaft (privat oder staatlich), die für das Antlitz unserer Wälder verantwortlich zeichnet. Genauso wie die vielgescholtene Landwirtschaft die heutige Agrarsteppe in der offenen Landschaft prägt, ist die Forstwirtschaft vielerorts für nicht minder erbärmlich aus­sehende, artenarme und monotone Waldbilder verantwortlich.


Der Unterschied zwischen diesen „Wirtschaftszweigen“ besteht oder bestand lediglich darin, dass der eine Mais, Kartoffeln oder Raps, und der andere Holz ernten will oder wollte. Dass sich hinter beiden Nutzungsformen existenzielle Zwänge verbergen, muss berücksichtigt werden. Schließlich geht es nicht darum, einen Buhmann für den oft bedauernswürdigen Zustand des deutschen Waldes zu finden. Holz wurde und wird benötigt! Und letztlich tun die neuartigen Waldschäden ein übriges.


Mit dem zuvor Geschriebenen soll lediglich völlig wertfrei deutlich gemacht werden, dass es sich auch bei unseren Wäldern, zumindest was die Bäume betrifft, um eine sorgfältig geplante und auf Ertrag ausgerichtete Nutzungsform in der Kulturlandschaft handelt.


Apropos Ertrag – die Folgen der forstwirtschaftlichen Reinertragslehre, in deren „Vollzug“ jede Konkurrenz der gewollten und gepflanzten Nutzholzarten herausgeschlagen wurden, prägen noch heute vielerorts das Waldbild. Festzuhalten sei an dieser Stelle, dass es nicht überhöhte Schalenwildbestände waren, die durch „Entmischung“ kalamitätsanfällige, forstliche Monokulturen begründeten. Doch die „Ökologisierung“ unserer Gesellschaft machte gottlob auch vor der Forstwirtschaft nicht Halt. Was schon vor mehr als einem halben Jahrhundert findige Waldbauern propagierten, jedoch aus verschiedenen, auch zwingenden Gründen nicht umgesetzt wurde, ist heute Inhalt diverser Schlagworte im Kontext moderner, zeitgemäßer Forstwirtschaft. Dauerwald, ökologischer oder naturgemäßer Waldbau sollen die Eckpfosten zukünftiger Forstwirtschaft sein. Es gilt also, die Wälder „umzubauen“; aus eintönigen Holzwirtschaftsgestängen, dort wo es der Standort zulässt, vielfältige und reich strukturierte Mischwälder im Sinne verschiedenster Biozönosen sowie einer möglichst gesunden Umwelt des Menschen zu formen. Überaus heterogen sind die Schutz-, Natur- und Erholungsfunktionen, die der Wald heute und in Zukunft erfüllen soll. Aus faunistischer Sicht bedeutet Wald vor allem Wind-, Kälte- und Sichtschutz, Äsung beziehungsweise Nahrung, Deckung, Brut­raum und Kinderstube sowie Schutz vor Räubern (auch vor dem Menschen) – kurzum Lebensraum. Aus den natürlichen Lebensraumansprüchen verschiedener Tierarten aber, insbesondere der wiederkäuenden Schalenwildarten an ihre Äsung, ergeben sich bekanntermaßen Probleme für die „Walderneuerungsprogramme“.


Dort, wo über Jahrzehnte hinweg (auch von Forstleuten!) definitiv unnatürlich hohe Schalenwildbestände „heran­gehegt“ wurden, ist die im Sinne unserer Umwelt so begrüßenswerte, waldbauliche Umorientierung ohne die oft zitierten Wildschutzgatter zum Scheitern verurteilt. Diese Gatter jedoch kosten Geld – viel Geld, was gerade von privaten Waldbesitzern oftmals nicht aufgebracht werden kann. Doch ob Privatwald oder Staatsforstverwaltung – es gilt hier, gemeinsam mit der privaten Jägerschaft Abhilfe zu schaffen, und dort wo nötig, die Wildbestände auf ein tragbares Maß zu reduzieren. Hier darf die private Jägerschaft die Forstpartie nicht aus oftmals egoistischen Beweggründen „im sauren Regen“ stehen lassen.


Doch um nicht auch das natürliche Sozialgefüge oder die artspezifische Altersstruktur verschiedener Wildarten „zur Strecke zu legen“ und im wahrsten Sinne des Wortes über das Ziel hinauszuschießen, sind Sachkenntnisse und Fingerspitzengefühl auch seitens der Förster gefragt – denn zum Wald gehört auch Wild. Und dort, wo etwas höhere Wildbestände aus Sicht des Waldes objektiv tragbar sind, sollen sie auch bleiben, denn dort gehören sie hin. Der Wildbiologe Ulrich Wotschikowsky formulierte es einmal so: „Löschen, wo es brennt, nicht wo gerade Wasser ist.“

Europäische Lärche, Lärche

(Larix decidua, syn. Larix europaea)

Allgemeine Merkmale: Bis zu 50 Meter hoher, sommergrüner Nadelbaum. Nadeln einzeln oder in „Büscheln“, weich, hellgrün; in der Herbstverfärbung zum Abwerfen goldgelb gefärbt. Früchte klein (bis 40 Millimeter), anfangs hellbraun, später grau­braun; an Trieben aufrecht sitzende Zapfen. Rinde im Jugendstadium gelblich beziehungsweise grüngelb, später als graubraune tiefrissige Schuppenborke. Triebe hängend, tiefere Äste abwärtsgerichtet.

Standort: Tiefgründige, frische Böden bis auf 2 400 Meter Höhe (Alpen). Nicht auf armen Sanden oder staunassen Böden. Überaus lichtbedürftig. Kontinentale Klimaansprüche.

Besonderheiten: Hochgebirgsbaum (Baum­grenze) und Pionierbaumart; durch den jährlichen Abwurf der Nadeln im Herbst sehr frosthart. Forstwirtschaftlich wichtige Holzart. Aufgrund ihrer Bedeutung als Nutzholz ist die Lärche heute weitab ihres eigentlichen Vorkommens gepflanzt worden. Rascher Wuchs im Jugendstadium. Bei der Reviergestaltung spielt die Lärche eine untergeordnete Rolle, wird aber verbissen beziehungsweise gern verfegt.

 

Gemeine Fichte

(Picea abies)

Allgemeine Merkmale: Bis zu 60 Meter hoher, weit verbreiteter, immergrüner Nadelbaum mit kegelförmiger Krone; geradstämmig. Nadeln einzeln stehend, gerade oder leicht gebogen, derb stechend (etwa zehn bis 30 Millimeter lang). Frucht als einjährige bis 20 Zentimeter lange Zapfen zunächst grün, später braun; hängend. Rinde im Jugendstadium glatt und rotbraun, später braun oder graubraun mit dünnschuppiger Borke.

Standort: Relativ anspruchslose flachwurzelnde Halbschattenholzart. Frische Lehmböden und niederschlagsreiche Gebirgslagen werden bevorzugt; in den Alpen bis etwa 2 000 Meter.

Besonderheiten: Durch ihre Leistungsfähigkeit und kurze Umtriebszeit wurde die Fichte zu einer der wichtigsten Wirtschaftsholzarten. Triebe vom Schalenwild verbissen, Rinde in erster Linie vom Rotwild geschält. Die Zapfen (Samen) werden von verschiedenen Vogelarten und Kleinsäugern genutzt. Je nach Boden sehr windwurfgefährdet. Sollte bei der Reviergestaltung, wenn überhaupt, gut geplant und sehr sparsam eingesetzt werden.

Gemeine Kiefer, Waldkiefer, Föhre

(Pinus sylvestris)

Allgemeine Merkmale: Bis etwa 40 Meter hoher immergrüner Nadelbaum. Nadeln (bis 80 Millimeter lang) stehen paarweise zusammen; Farbe variiert je nach Rasse von gelbgrün bis blaugrün. Rinde im Jugendstadium grau gefurcht, später als Schuppenborke braun bis rotbraun. Früchte im ersten Jahr grüne, im zweiten braune (gelbbraune) Zapfen. Wuchs ist zunächst kegelförmig, später flachkronig.

Standort: Weit verbreitete Pionierbaum­art mit außerordentlich großer Standorttoleranz. Bevorzugt sandige Lehme; auch auf Dünensanden, verschiedenartigsten Trockenstandorten (Heide) sowie Mooren. Lichtbaumart der Ebenen und Mittelgebirgen; in den Alpen bis etwa 2 000 Meter.

Besonderheiten: Wichtige Wirtschaftsholzart; liefert Nutzholz aller Art (Bau, Möbel, Verkleidung und so weiter). Durch hohe Anpassungsfähigkeit zur Begrünung oder Rekultivierung auch ärmster Stand­orte gut geeignet. Vom Schalenwild teilweise stark verbissen; speziell vom Rotwild geschält. Wo nicht ohnehin Hauptbaumart (Standort) als Mischbaumart im Rahmen der Reviergestaltung von eher geringem Wert.

Silberpappel, Weißpappel

(Populus alba)

Allgemeine Merkmale: Rasch wachsender, auf geeignetem Standort oft mächtiger Baum bis 35 Meter Höhe. Meist geradschaftig mit starkastiger, breiter Kronenbildung (dicht belaubt), Blattform sehr variabel; rundlich (eiförmig) bis gelappt (Langtriebe). Rand stumpf gezähnt (vier bis zehn Zentimeter); unterseits weißfilzig hell (Weißpappel). Rinde erst grauweiß, später derbe und tief längsrissige dunkelgraue Borken. Blüten als Kätzchen; männlich leicht rötlich, weiblich gelbgrün (März/April).

Standort: Bevorzugt basen- und nährstoffreiche Auböden (bis etwa 550/600 Meter). In Flussniederungen, direkt an Fluss­ufern und Feuchtwiesen sowie anderen Feuchtstandorten; ansonsten anspruchslos; auch auf Sand- und Moorböden.

Besonderheiten: Extrem raschwüchsiger Baum; mit etwa 35 bis 40 Jahren nicht selten schon 30 Meter hoch. Früher Laub­abwurf. Außerordentlich hitze- und kälte­resis­tent; als Pionierholz zur Dünenbefes­tigung geeignet. Reichlich Wurzelbrut (Stecklingsvermehrung). Leicht zu verwechseln mit der Graupappel (Populus x canescens), einer Kreuzung aus Silber- und Zitterpappel.

 

Zitterpappel, Aspe, Espe

(Populus tremula)

 Allgemeine Merkmale: Bis maximal etwa 35 Meter hoher, sommergrüner, breitkroniger Baum. Blätter (drei bis acht Zentimeter) eiförmig oder rundlich und stumpf gezähnt; an langen, seitlich abgeflachten Stielen. Triebe gelbbraun, Rinde glatt, später mit Rindenwarzen durchsetzt und allmählich in dunkelgraue längsrissige Borke übergehend. Blütenkätzchen (März/April – vor Laubaustrieb) mit roten Staubbeuteln und Narben.

Standort: Wenig anspruchsvolle Art; bevorzugt lehmige, nährstoffreiche Sande, jedoch auch auf trockenen Sanden bis hin zu extremen Nass-Standorten (temporär überflutete Auwälder). Im Gebirge bis maximal 2 000 Meter. Häufig mit Salweide (Salix caprea) und Hängebirke (Betula pendula) vergesellschaftet.

Besonderheiten: Durch die seitlich abgeflachten Blattstiele bringen selbst leichte Luftströme die Blätter in Bewegung – daher „Zittern wie Espenlaub“. Wichtige Baum­art für die Reviergestaltung; Aspen werden sowohl von Nagetieren als auch vom Schalenwild bevorzugt verbissen. Auch zur Anlage von Fasanengehölzen gut geeignet. Forstwirtschaftlich von geringer Bedeutung.

 

 

Salweide, Palmweide

(Salix caprea)

Allgemeine Merkmale: Nur bis maximal 15 Meter hoher, sommergrüner, kleiner Baum (oft strauchartig). Blätter (bis zehn Zentimeter) wechselständig, breit elliptisch und leicht gerunzelt; Oberseite dunkelgrün und kahl, Unterseite blaugrün und filzig-weich behaart. Blattspitze meistens etwas gekrümmt; Rand glatt oder schwach gekerbt. Blüten (Kätzchen) zunächst silbrig behaart, später leuchtend gelb; Blütezeit März bis Mai vor dem Laubaustrieb. Triebe zunächst grau und behaart, später kahl und rotbraun. Rinde anfangs gräulich mit Korkwarzen, dann feinrissig und allmählich in breite, längsrissige Borke übergehend.

Standort: Relativ anspruchslos, bevorzugt frische, lehmige und nährstoffreiche Böden (lichtbedürftig). An Kiesgruben, Böschungen, Wald- und Wegerändern, Uferstreifen sowie in Auwäldern, Feldgehölzen und auf Lichtungen. Im Gebirge bis etwa 2 000 Meter.

Besonderheiten: Häufigste „Waldweide“ Mitteleuropas; variiert stark hinsichtlich Gestalt und Größe. Bedeutende Bienen­weide (Kätzchen). Raschwüchsig mit reichlichem Stockausschlag. Daher häufig mit auffallender Mehrstämmigkeit. Als Pionier wichtig für Neubegrünung und Reviergestaltung. Zur Anlage von Verbissgärten (Prossholzflächen) eignet sich die Salweide durch ihre Schnellwüchsigkeit außerordentlich gut.

 

Hängebirke, Weißbirke, Sandbirke

(Betula pendula)

Allgemeine Merkmale: Sommergrüner, bis maximal etwa 30 Meter hoher, weit­verbreiteter Baum. Blätter dreieckig, kahl und lang zugespitzt, Rand doppelt gesägt. Blüten (März bis Mai) allein bis maximal drei schlanke grüne (weiblich) oder braune (männlich) Kätzchen. Samen klein, beid­seitig geflügelt. Rinde drüsig, braunrot ­glänzend; später weiß mit horizontal stehenden ­dunklen Lentizellen sowie Bildung einer tiefgefurchten schwärzlichen Borke.

Standort: Anspruchsloser und überaus standorttoleranter, aber lichtbedürftiger „Allerweltsbaum“ (Ubiquist). Misch­baum­art lichter Laub- und Nadelwälder sowie an Weg- und Waldrändern, prägende Baumart der Moore, Heiden und Ödlandflächen (bis 1 800 Meter).

Besonderheiten: Wertvolle Schutz- und Pionierbaumart, weil extrem Hitze- und Frostresistent. Ausbreitung durch alljährlich überreiche Fruktifikation. Knospen und Samen für Federwild- und andere Vogelarten Äsung beziehungsweise Nahrung (Hasel- und Birkwild). Als Verbiss­pflanze kaum von Bedeutung. Gutes Brennholz, auch für Drechslerarbeiten und Möbelbau genutzt.

 

 

 

Schwarzerle

(Alnus glutinosa)

Allgemeine Merkmale: Bis 35 Meter, meist jedoch nur zehn bis 25 Meter hohe und relativ kurzlebige (150 Jahre) Laubholzart. Blätter rundlich bis verkehrt eiförmig, an der Spitze eingebuchtet oder rund, oben dunkelgrün, unterseits heller. Blattrand etwas gewellt und flach gezähnt. Zäpfchen grün, später braun bis schwarz und gestielt; bleiben nach der Samenreife oft den Winter über am Baum. Rinde grünbraun, glatt und glänzend, später braunschwarze oder dunkelgraue rissige Borke.

Standort: Staunasse, temporär überschwemmte, nährstoffreiche Böden (kalk­arm). Feuchte Laubwälder, Auwälder, Feuchtwiesen, Bach- und Flussufer sowie Verlandungsbereiche von Gewässern.

Besonderheiten: Laubblätter fallen im Herbst (Oktober/November) grün zu Boden, keine Herbstfärbung (!). Interessante und wichtige Pflanze zur Biotop- beziehungsweise Reviergestaltung. Sehr gutes Stockausschlagvermögen, aus diesem Grund oft mehrstämmig. Optimal zur Uferbefestigung, zur Begrünung offengelassener Tagebau- und Kiesgruben. Ferner in Hecken und Feldgehölzen. Holz vielseitig verwendbar.

Hainbuche, Weißbuche

(Carpinus betulus)

Allgemeine Merkmale: Bis etwa 25 Meter hoher, sommergrüner Laubbaum. Blätter (bis elf Zentimeter) länglich oval und zugespitzt, zweizeilig, Rand doppelt gesägt (Herbst­färbung braun). Männliche Blüten zahlreich als hängende Kätzchen hellgrün bis ­rötlich, weibliche als lockere Kätzchen, endständig mit fadenförmigen roten Narben (März bis Mai). Frucht: Nuss an einem dreilappigen Deckblatt. Rinde der Zweige grau bis dunkelbraun, Stamm ­hellgrau oder grau mit wenig Borken­bildung.

Standort: Frische, feuchte und nährstoff- sowie basenreiche Böden. In Eichen-/Hainbuchenwäldern, Hartholzauen, Hecken und Feldgehölzen, wärmeliebend (in den Alpen bis etwa 1100 Meter). Halbschattart auf bestem Standort auch mehr Schatten ertragend.

Besonderheiten: Name irreführend; gehört systematisch nicht zu den Buchen (Fagaceae), sondern zu den Birkengewächsen (Betulaceae). Hohes Stockausschlagver­mögen! Hält die herbstlich braunen Blätter bis in den Winter hinein (Deckung!). Bodenschutzgehölz in Hanglagen. Triebe werden gern verbissen, die Hainbuche verfügt allerdings über ein ­gutes „Heilungsvermögen“. Waldbaulich wertvoll; Holz besonders hart und fest. Ideale Mischbaumart zum Unterbau von Eiche, Kiefer und Esche.

 

Rotbuche

(Fagus sylvatica)

Allgemeine Merkmale: Bis etwa 40 Meter hoher, breitkroniger, sommergrüner Laubbaum. Blätter eiförmig bis elliptisch, weich behaart, später verkahlend; Rand leicht gewellt, glatt oder schwach gezähnt. Früchte als dreikantige Bucheckern glänzend braun, in stacheligem Fruchtbecher. Rinde glatt und graubraun, später weißgrau; nur selten schwach rissige Borke.

Standort: Nährstoffreiche, frische und lockere Lehmböden, Kalkstandorte. Möglichst dauerfeuchtes Klima. Die Rotbuche meidet niederschlagsarme, trockene Gebiete. Spätfrost-, dürre- und hitzeempfindlich.

Besonderheiten: „Mutter des Waldes“; in Mitteleuropa unter natürlichen Verhältnissen am weitesten verbreitete und durch Schattenverträglichkeit wohl konkurrenzstärkste Laubholzart, in Deutschland durch Fichten- und Kiefernwirtschaft (forst­wirtschaftlich höhere Massen- und Wertleistung) teilweise zurückgedrängt. Verbiss der Triebe und Blätter durch Schalenwild und Hasen. Schäle durch Rotwild in Stangen- und Baumhölzern. Bucheckern besitzen als Äsung bzw. Nahrung gerade in Mastjahren für viele Vogel-, Kleinsäuger- und Wildarten (Schwarzwild!) höchste Attraktivität. Holz als wertvolles Nutzholz schwer und hart, bei Trocknung rötlich-gelb (bes­tes Brennholz), mit vielseitiger Verwendung als
Bau-, Möbel-, Furnierholz und so weiter.

 

Stieleiche, Sommereiche

(Quercus robur)

Allgemeine Merkmale: 20 bis 35 Meter (selten bis 50 Meter) hoher, breitkroniger Baum. Rinde zunächst graugrün, glänzend glatt; ­später graubraune, tief längsrissige Borke. ­Sommergrüne Blätter kurzgestielt und wechselständig; mit vier bis fünf ganzrandigen Lappen. Früchte länglich eiförmige ­Eicheln, zunächst grün, später braun; in napfartigem Becher. Eine oder mehrere Früchte an mind. 1,5 Zentimeter langem Stiel.

Standort: Baum des Flachlandes und der Mittelgebirge (bis etwa 1 000 Meter) mit relativ hohem Lichtbedarf; und auf geeigneten Standorten mit raschem Jugendwachstum. Bevorzugt bei großer ökologischer „Flexibilität“ tiefgründige, nährstoffreiche Ton- und Lehmböden mit guter Wasserversorgung (spätfrostempfindlich).

Besonderheiten: Schweres, hartes Wertholz mit besten Fertigungseigenschaften. In der Jugend raschwüchsig; Pfahlwurzler. Verbiss der Triebe durch wiederkäuendes Schalenwild, Hase und Kaninchen. Die stärke- und ölhaltigen Früchte bieten beste Äsung für alles Schalenwild, Wildtauben und -enten, zahlreiche Vogel- und Kleinsäugerarten.

Eberesche, Vogelbeere

(Sorbus aucuparia)

Allgemeine Merkmale: Bis etwa 20 Meter hoher sommergrüner Laubbaum. Blätter mit bis zu 19 Fiederblättern, diese lang lanzettlich und deutlich gesägt; dunkelgrün, in der Herbstfärbung dunkelrot. Blüten (Mai/Juni) weiß, in Doldenrispen. Früchte rundlich, leuchtend rot; bis in den Winter am Baum. Rinde anfangs graugelb und leicht glänzend, später längsrissige, schwarzgraue Borke.

Standort: Bevorzugt frische nährstoffreiche Böden, ist jedoch eigentlich anspruchslos und sowohl auf trockenen armen als auch auf staunassen Standorten zu finden. In den Alpen bis etwa 2 300 Meter. Feldhecken, Waldränder und andere Mantelzonen.

Besonderheiten: Wichtige Pflanze der ­Biotopgestaltung. Verbreitung durch Vogelsaat auf vielerlei Standorten. Triebe und Blätter als attraktive Schalenwildäsung, Früchte für zahllose Vogel- und Federwildarten als auch für Säuger als Nahrung und Äsung von großer Bedeutung. Die vitaminreichen Früchte der Eberesche finden ebenfalls Verwendung bei der Gelee- und Likörherstellung. In hohem Maße stockausschlagfähig (Wurzelbrut).

 

Robinie, Scheinakazie

(Robinia pseudoacacia)

Allgemeine Merkmale: Etwa um 1 600 in Europa, aus dem Osten der USA stammender, bis 30 Meter hoher, ­sommer­-grüner Laubbaum. Blätter in bis zu 21 ganzrandige, elliptische Blättchen ­(dunkelgrün) gefiedert; in der Herbst­färbung hellgelb. Am Blattgrund jeweils zwei stabile Dornen (Nebenblätter). Blüte (April bis Juni) als weißgelbe Schmetterlings­blüten. Früchte flache, langgestreckte Hülsen mit bis zu acht nierenförmigen Samen. Rinde glatt, später mit grau- bis schwarzbrauner, tief längs­rissiger Borke.

Standort: Lockere, nährstoffreiche, auch ­trockene Böden (meidet Staunässe); spätfrostempfindlich und lichtbedürftig. Abraumhalden, Dünen, Feldgehölze und Wald­ränder bis etwa 1 000 Meter Höhe.

Besonderheiten: Die überaus nektarreichen Blüten stellen eine bedeutende Bienenweide dar („Akazienhonig“!). Intensive Vermehrung durch Wurzelbrut (hohes Stockausschlagvermögen), raschwüchsige, hitze- und dürreresistente Pionierbaum­art. Durch Stickstoffbindung mittels Wurzelknöllchen wirkt die Robinie bodenverbessernd.

Gemeine Rosskastanie

(Aesculus hippocastaneum)

Allgemeine Merkmale: Bis etwa 30 Meter hoher Baum mit dünnschuppiger, graubrauner Borke; in große schmale Platten geteilt. Blätter gegenständig, fünf- bis siebenfach handförmig als große Rispen (nach Laubaustrieb, Mai/Juni). Knospen groß, rotbraun glänzend und klebrig. Früchte kugelig, grün und bestachelt mit ein bis drei großen Samen. Selten älter als 200 Jahre. Krone hoch gewölbt, in der Vegetationszeit reich belaubt. Herbstfärbung gelb.

Standort: Tiefgründige, nährstoffreiche Lehm- und Sandböden. Die Rosskastanie ist spätfrostempfindlich, licht- und wärmeliebend. Meist einzeln gepflanzt in Parks und Gärten oder als Alleebaum im Wald.

Besonderheiten: In Mittel- und Westeuropa ursprünglich als Zierbaum eingebürgert (etwa 1600); forstwirtschaftlich unbedeutend. Blüht und fruchtet fast in jedem Jahr reichlich. Kastanien (stärke- und gerbstoffhaltig) als Wildäsung in erster Linie von Rot-, Dam- und Rehwild angenommen. Junge Pflanzen sind überaus raschwüchsig. Bei Pflanzungen im Revier sollte die spätere, immens hohe Beschattung kritisch berücksichtigt werden.

 

Feldahorn, Maßholder

(Acer campestre)

Allgemeine Merkmale: Kurzschäftiger, nur bis etwa 15 Meter hoher sommergrüner Baum. Blätter klein, langgestielt mit fünf (drei) stumpfen, dunkelgrünen Lappen (unterseits heller); in der Herbstfärbung rot oder gelb. Blattstiel und -rippen mit Milchsaft. Knospen rotbraun mit behaarter Spitze. Blüten hellgrün (April/Mai); aufrechte und später überhängende Rispen. Früchte als flache, „geflügelte“ Nüsschen, die paarweise waagerecht oder im überstumpfen Winkel miteinander verwachsen sind. Rinde glatt und braun, später mit braungrauer, längs- und querrissiger Borke, oft mit Korkleisten.

Standort: Trockene, frische Mineralböden; schattenertragend. In Feldgehölzen, Hecken und Waldrändern bis etwa 800 Meter über N.N. Selten auch in Laubwälder eingesprengt.

Besonderheiten: Holzart der offenen Landschaft und Waldränder. Einige Jahre „auf den Stock gesetzt“, bildet der Feldahorn durch reichen Stockausschlag einen dichten Strauch (Hecken!). Von Schalenwild und Haustieren (Schafe, Ziegen, Rinder) gern verbissen. Früher im Mittel- und Niederwaldbetrieb (Brennholz). Holz fest und zäh; geeignet für Drechslerarbeiten, Werkzeugstiele und Musik­instrumente.

 

Winterlinde, Steinlinde

(Tilia cordata)

Allgemeine Merkmale: Bis etwa 35 Meter hoher, sommergrüner Laubbaum. Blätter (bis zehn Zentimeter) wechselständig, gestielt, herzförmig spitz zulaufend; Rand gesägt. Unterseits in den Winkeln der Blatt­adern rotbraun behaart. Blüten spät (Juni/ Juli) als gelbliche Trugdolden; intensiv duftend. Früchte leicht birnenförmige, kleine (fünf bis acht Millimeter) Nüsschen; bis zu sieben in einem Fruchtstand. Rinde zwischen braun und grau, glatt; Borke dunkler und eng längsrissig (eichenähnlich).

Standort: Auf nicht zu trockenen, basenreichen Löß- oder Lehmböden; allerdings wenig anspruchsvoll. Als Mischbaumart in Laub- und Laub-Nadelmischwäldern. Auch als solitär (s. u.) oder Alleebaum (bis 1 500 Meter über N.N.).

Besonderheiten: Lindenblüten sind eine hervorragende Bienenweide („Lindenblütenhonig“) und werden arzneilich u. a. als Tee eingesetzt. Als „Dorflinden“ seit langer Zeit „geschichtsträchtige“ Bäume. Waldbaulich wertvolle, bodenverbessernde Holzart (rasche Laubzersetzung) mit hohem Stockausschlagvermögen, gern vom wiederkäuenden Schalenwild verbissen

Fotos: Burkhard Winsmann-Steins, Burkhard Stöcker, Jörg Rahn
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