Vorbereitung für den Gerber

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Foto: Peter Diekmann

Waidmannsheil! Der Fuchs liegt. Nun soll der Balg genutzt werden. Doch wie konserviert man Bälge, Decken und Schwarten von Haarraubwild und Schalenwild am besten für den Gerber?

Markus Lück

Die Bälge sind reif. Richtiges Abbalgen und Abschwarten ist nur eine Voraussetzung, um nach dem Gerben eine ansehnliche Trophäe in den Händen zu halten. Wird das Fell nicht frisch zur Gerberei gebracht, muss es vom Jäger konserviert werden. Und dabei passieren die meisten Fehler. Damit Ihnen das nicht geschieht, befragten wir 3 Gerbereien, damit Ihr Präparat hinterher nicht an Haarausfall leidet.

„Kein Streusalz“
Gerberei Meinelt (Rötha, Sachsen): Wir empfehlen allen Kunden, die Felle einzusalzen. Die Salzmenge sollte nicht zu knapp kalkuliert werden. Als Faustregel gilt: Es sollte etwa 1/3 des Gewichtes des Rohfelles an Salz verwendet werden. Nur Speisesalz ist für die Konservierung von Fellen zu empfehlen. Von Pökelsalz und Streusalz ist dringend abzuraten. In einzelnen Fällen kann es durch Zusätze in Pökel- und Streusalz zur Verfärbung des Endproduktes kommen. Wichtig ist, dass der Jäger das eingesalzene Fell nicht sofort zusammenrollt. Die entstehende Flüssigkeit muss ablaufen und das Salz vollständig durch das Gewebe dringen können. Will man die gesalzenen Felle über einen längeren Zeitraum lagern, ist von geschlossenen Behältern abzuraten. Denn auch während der Lagerung dringt weiterhin Flüssigkeit aus dem Gewebe. Das muss ablaufen können. Werden Bälge, Schwarten und Decken richtig auf Spannbrettern getrocknet, bringt das sowohl für Jäger als auch Gerber keine Vorteile. Wichtig ist aber, dass alle dicken Gewebepartien (Gehöre, Lunten, Branten, Schalen) gleichmäßig und schnell trocknen können. Um das zu gewährleisten, sollten vor der Trocknung alle Gewebe- und Knorpelreste an diesen Stellen entfernt werden. Am einfachsten für den Jäger ist es, die Rohware einzufrieren. Dabei muss beachtet werden, dass die Felle vorher auskühlen. Wenn möglich, sollte die Rohware schockgefroren werden, damit auch die Partien mit dicken Gewebe- und Knorpelresten schnell konserviert werden.

Gerber
Waidmannsheil. 2 Rotröcke liegen. Nun geht’s ans Streifen und Konservieren. Aber hoffentlich richtig Foto: Karl-Heinz Volkmar

„Cool bleiben“
Gerberei Vill (Horstmar, Nordrhein- Westfalen): Einfrieren ist die sicherste Konservierungsmethode, um optimale Ergebnisse beim gegerbten Produkt zu erzielen. Es ist jedoch zu beachten, dass die Rohware gefroren in der Gerberei ankommen muss. Taut das Fell auf dem Transportweg auf, tritt Flüssigkeit aus, und die Hautzellen beginnen sich zu zersetzen. Deshalb sollte man beim Versand immer die Expressvariante einer herkömmlichen Versandart vorziehen. Für die Herstellung von Wildleder ist das Einfrieren der Rohware nicht zu empfehlen. Durch den Auftauprozess kommt es zu Schäden an den Hautzellen. Das Leder ist dann nicht mehr so widerstandsfähig. Das Trocknen von Fellen empfiehlt sich allein bei Wildarten mit dünner Haut. Nur hier ist eine ausreichende Trocknung des Gewebes gewährleistet. Unbedingt zu beachten ist, dass das auf ein Spannbrett aufgezogene Fell an einem luftig-schattigen Ort gelagert wird. Das Fell darf niemals der prallen Sonne ausgesetzt werden. Auch auf die vermeintlich unterstützende Wirkung von Heizungen Heizungen oder anderen Wärmequellen sollte unbedingt verzichtet werden. Soll die Decke eines Fuchses rund gegerbt werden, ist die Trocknung das Mittel der Wahl. Ein ausreichendes Einsalzen aller Hautpartien ist nur sehr schwer möglich. Beim Einsalzen von Fellen sollte besser zu viel, als zu wenig Salz verwendet werden. Als Faustregel gilt: Die verwendete Salzmenge sollte etwa halb so groß wie das Gewicht des Rohfells sein. Probleme bei der Konservierung durch Einsalzen entstehen vor allem bei sehr dicken und fetthaltigen Fellen (Sau und Dachs). Das Salz kann nur langsam in die fetthaltigen Hautpartien eindringen, und durch den niedrigen Wassergehalt im Fettgewebe löst es sich nicht bzw. nur sehr langsam. Die Trocknung verzögert sich. Um das Trocknen zu beschleunigen, sollte deshalb möglichst viel Fett von der Schwarte abgeschärft werden. Bei allen Verarbeitungsmethoden ist darauf zu achten, dass die Felle erst nach vollständiger Auskühlung gelagert werden sollten. Zu frühes Verpacken führt zu Kondenswasser im Lagerbehältnis und damit zur Bildung eines Bakterienlebensraumes. Tipp: Der Zeitraum zwischen Erlegung und Weiterverarbeitung bzw. Konservierung sollte möglichst kurz gehalten werden. So wird die beste Qualität beim gegerbten Produkt erzielt.

„Viel hilft viel“
Gerberei Birke (Mettingen, Nordrhein- Westfalen): Die Anlieferung von Bälgen im frischen bzw. gefrorenen Zustand bringt die besten Ergebnisse. Herkömmliche Konservierungsverfahren wie das Trocknen und Salzen von Rohfellen liefern zwar auch sehr gute Resultate, allerdings nur bei richtiger Durchführung. Bei Sau- und Dachsschwarten ist die Trocknung auf Spannbrettern nicht zu empfehlen. Durch den hohen Fettgehalt und die Stärke der Schwarten tritt das Wasser nur sehr langsam aus. Für Sau- und Dachsschwarten bietet sich als Konservierungsmethode das Einsalzen an. Doch auch dabei sind einige Dinge zu beachten. Das Fell sollte während des Salzens auf einer schrägen Unterlage liegen, damit die entzogene Flüssigkeit ablaufen kann. Bei der verwendeten Salzmenge sollte man nicht sparsam sein. Alle offenen Hautpartien müssen von einer geschlossenen Salzschicht bedeckt werden. Hier gilt: Besser zu viel, als zu wenig! Nach dem Einsalzen sollte das Fell möglichst 2–3 Tage lang offen auf der schrägen Unterlage liegenbleiben, damit das Wasser vollständig entzogen werden und die Flüssigkeit ablaufen kann. Aber Achtung: Das Fell nicht länger liegenlassen, da sonst das Salz Wasser aus der Luft anzieht und dann mit der ablaufenden Flüssigkeit vom Fell abfließt. Um bestmögliche Ergebnisse zu erzielen, sollte der Kunde vor Anlieferung des Produktes den Gerber kontaktieren und sich nach dem gewünschten Anlieferungszustand erkundigen.