WILDE HUNDE Ausgabe 4 -2017

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WILDE HUNDE Ausgabe 4 -2017

Ex-Boxer Jann Virnich und seine Ehefrau Brambilla leben ihren Traum: Auf einem alten Gehöft vereinen sie Business und Passion. Der Waidmann ist dafür seinen eigenen steinigen Weg gegangen.

Tobias Thimm

„Du musst in eine Wohnzimmerecke ein Glas Schnaps stellen, das besänftigt die Kobolde, und sie stehlen nichts mehr“, riet eine esoterisch angehauchte Kundin Jann Virnich. Zum dritten Mal vermisste er den dicken Schlüsselbund für die vielen Tore seines herrschaftlichen Anwesens. Kurioserweise wirkte der Rat, und der 34-Jährige stand nie wieder vor den verschlossenen Türen der historischen Gemäuer, die auch der Landsitz eines englischen Lords sein könnten. „Die Story mit dem Kobold ist jetzt bald vier Jahre her“, schmunzelt Jann und streicht die schwarze Slick-Back-Frisur zurück. Irgendwie erinnert er an den Fernsehkoch Tim Mälzer. Virnich trägt ein kurzärmliges kariertes Hemd. Den Jäger verrät erkannt, dass wir hier unsere Lebensträume verwirklichen können…

Die Drückjagdzeit bietet zwei Riesenvorteile: jede Menge leckeres Wildbret und noch ein paar schöne Tage, an denen man den Rost einfach anheizen muss. Wie ihr ein kleines Menü samt Drink zaubert, zeigen euch die Mädels und Jungs vom Wild Kitchen Project.

Aus den Bauchseiten und etwas Rippenwildbret von der Sau lässt sich ein hervorragendes Hack eisch als Grundlage für wilde Moink-Balls herstellen. Dazu erst einmal Hack eisch und Grill-Gewürz in einer Schüssel gut vermischen. Die Bällchen von circa 30 Gramm pro Stück werden um einen Käsewürfel herum gerollt und mit einer Scheibe Bacon um den Äquator des Bällchens eingewickelt. Mit einem Zahnstocher fixiert man alles. Im Smoker oder Grill bei indirekter Hitze werden die Bällchen gegart. Ideal ist eine Temperatur zwischen 160 und 180 °C. So bekommen wir den Bacon knusprig, ohne ihn zu verbrennen, bevor die Bällchen im Innern gar sind…

Was brauchst du als Bogenjagd-Neuling wirklich? Fabian Alexi notierte auf einem Ansitz mit Ingo Kuhn, welche nützlichen Utensilien im Rucksack sein sollten.

Unschlüssig zieht der Überläufer am Rand der Dickung umher. Er sichert, holt sich Wind. Dann nimmt er den Wechsel an, über dem wir auf unseren Treestands am Baum lauern. Innerlich feiert Ingo den Entschluss des Schwarzkittels. Mit seinem Entfernungsmesser hatte er markante Punkte in der näheren Umgebung angepeilt. Trotzdem überprüft er ständig die Entfernung, sobald die Sau verhofft. „Der Entfernungsmesser ist neben dem Release mein wichtigstes Jagdutensil“, üsterte mir Ingo zu, als er, auf dem Treestand stehend, mit weißem Puder aus dem Windindikator den Wind prüft. „Ohne ihn kann ich keinen sicheren Schuss antragen. Deshalb habe ich auch immer Wechselbatterien im Rucksack.“…

Um ein flüchtiges Stück sauber zu treffen, muss einiges beachtet werden. Andreas Bach zeigt, worauf es ankommt und wie der Schuss dort sitzt,
wo er sitzen soll.

Die ersten Versuche auf den Laufenden Keiler im Jagdkurs sind vielen Teilnehmern noch gut in Erinnerung. Denn meist folgte nach der anfänglichen Euphorie über die guten Ergebnisse auf die Bockscheibe eine herbe Enttäuschung. Es dauerte eine Weile, bis sich die Erkenntnis durchsetzte, dass man ein bewegtes Ziel nicht dort traf, wo man hinzielte. Der Ausbilder sprach vom Vorhalt. Erklären konnte er es damals nicht wirklich. „Ziel auf den Teller“, half den meisten, die Prüfung zu bestehen. Selbst nach einigen Jagdjahren und etlichen Drückjagden fühlen sich viele noch unwohl, vor die üchtige Sau zu zielen, um sie mit gutem Blatt- oder Kammerschuss zu erlegen.
Um ein Stück Wild in der Bewegung sauber zu strecken, musst du vorhalten. Denn während das Geschoss in Richtung Ziel iegt, bewegt sich dieses weiter. Um exakt zu treffen, musst du also den Haltepunkt dort wählen, wo sich das Ziel zum Zeitpunkt des Geschosseinschlags be nden wird. Das ist eine Binsenweisheit und physikalisch erklärbar…

Während einer Tour auf Nilbarsche am Nassersee gerät Olivier Portrat an Grabräuber. Für die Anglerlegende beginnt ein Horrortrip …

Etwa 40 Kilometer südlich von Aswan, am Westufer des Nils, stand ursprünglich der Tempel von Kalabsha. Er wurde zusammen mit einigen anderen der historischen Monumente bei der Flutung des Nassersees mithilfe der UNESCO abgebaut und verlagert. Ganz in der Nähe der Stelle, wo der Tempel von Kalabsha seine eigentliche Heimat hat, wollen Veranstalter Tim Baily, die Crew und ich unser Nachtlager aufschlagen. Mutterschiff und Beiboote parken nun gemeinsam in einer windgeschützten Bucht. Zwar dämmert es schon, aber bis zur Dunkelheit dauert es noch etwas. Nach einem langen Angeltag im Boot möchte ich mir ein wenig die Beine vertreten und mache mich zu einem Spaziergang in die Wüste auf. Vielleicht finde ich die eine oder andere Schlange. Jetzt in der Dämmerung wagen sich die Hornvipern, Sandrasselottern und Speikobras aus ihren Verstecken. Schwer bepackt mit meiner Kameraausrüstung ziehe ich los…

Jagdliche Einrichtungen müssen nicht teuer oder schwer sein. Für wenige Euro lässt sich eine einfache und mobile Ansitzleiter ohne Schnickschnack bauen!

Joe Vogel

Es gibt kaum Aufwendigeres, als deutsche und österreichische Ansitzeinrichtungen. Schlafkanzeln, die eine Baugenehmigung benötigen, Scherenleitern aus Gusseisen, auf denen mindestens zweieinhalb Waidmänner mit jeweils 150 Kilo Aufbruchgewicht Platz haben, und natürlich die trittschall- und wärmeisolierten Burgen mit Dreifachverglasung, umluftunabhängiger Ventilierung und Wasserspülung. Selbstverständlich alles handgeklöppelt, aus Viertellingen, Halblingen und Zirbelstangenholz.
Da die Dinger schwer und teuer sind und mit vielen Stunden Bauzeit zu Buche schlagen, werden sie mit einem schweren Betonfundament gesichert. Ist ja für die Ewigkeit…